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Abnehmspritzen könnten Sucht-Risiko senken

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Raus aus der Alkoholsucht mit Abnehmmitteln
©APA/APA/dpa/Jens Büttner
Die Einnahme der neuen Generation von Abnehmmedikamenten könnte laut einer aktuellen Studie das Risiko für eine Drogen- oder Alkoholsucht deutlich senken. Die als GLP-1-Antagonisten bekannten Mittel wie beispielsweise die Abnehmspritze Ozempic könnten zudem das Risiko für einen Tod durch eine Reihe von schädlichen Substanzen womöglich halbieren, heißt es in der am Donnerstag in der Fachzeitschrift "BMJ" veröffentlichten Studie.

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Externe Experten mahnten jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der ersten Studienergebnisse. Für ihre Studie werteten US-Forscher die Krankenakten von mehr als 600.000 Armee-Veteranen mit Typ-2-Diabetes aus, die entweder mit GLP-1-Antagonisten oder anderen Diabetesmedikamenten behandelt wurden. Diese Daten glichen sie mit Unterlagen zu den Auswirkungen von Suchtmitteln wie Alkohol, Cannabis, Kokain, Nikotin und Opioiden in einem Zeitraum von drei Jahren ab.

Es zeigte sich, dass Veteranen mit bestehender Drogensucht eine halb so hohe Sterberate und ein 40 Prozent niedrigeres Risiko für eine Überdosis hatten, wenn sie die modernen Abnehmmittel nahmen. Die Zahl der Einlieferungen in die Notaufnahme war um 30 Prozent niedriger, Krankenhausbehandlungen und Selbstmordgedanken oder Suizidversuche gingen um ein Viertel zurück. Bei Veteranen, die nicht drogensüchtig waren, ging die Einnahme von GLP-1-Antagonisten mit einem um 14 Prozent niedrigeren Risiko für die Entwicklung einer Sucht einher.

Es sei "ziemlich überraschend", wie viele Gesundheitsprobleme durch Rauschmittelmissbrauch die Abnehmmedikamente offenbar verhindern könnten, sagte Hauptstudienautor Ziyad Al-Aly von der Washington University in St. Louis. "Der Effekt beschränkte sich nicht auf eine Substanz, sondern war bei einer ganzen Bandbreite von suchterzeugenden Substanzen zu beobachten", betonte er.

Die Studie beruht jedoch nicht auf klinischen Tests und belegt bisher nicht, dass die GLP-1-Antagonisten direkt für die beobachteten Ergebnisse verantwortlich sind. Zudem ist unklar, wie genau die Medikamente Suchtgefahren senken könnten. Einige Forscher vermuten, dass GLP-Mittel Auswirkungen auf das Belohnungszentrum im Gehirn haben könnten.

Der Biostatistiker Fares Qeadan warnte in einem Kommentar im "BMJ" zu voreiligen Schlüssen. Es sei zu früh, den Schluss zu ziehen, dass Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy gegen Süchte eingesetzt werden könnten. Selbst falls klinische Tests die Wirkung nachweisen sollten, seien die Medikamente sehr teuer und nicht in allen Ländern verfügbar.

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