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Abnehmspritze verringert Tage mit hohem Alkoholkonsum

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Erste Studie mit Placebo-Kontrolle bei Adipösen mit Alkoholmissbrauch
©APA, dpa, Alexander Heinl
Seit einiger Zeit werden von den auf der Basis der sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten funktionierenden Abnehmmedikamenten auch positive Effekte bei Suchterkrankungen vermutet. Jetzt hat das eine erste Studie mit Zufallsauswahl der Probanden und Placebokontrolle für Adipöse mit Alkoholmissbrauch bestätigt. Die Zahl der Tage mit hohem Alkoholkonsum wurde stark verringert.

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Die Studie von Mette Kruse Klausen (Mental Health Centre/Kopenhagen) und ihren Co-Autoren ist aktuell in der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" erschienen. "Alkoholabhängigkeit ist weltweit für fünf Prozent der Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Es besteht ein dringender Bedarf an neuen Behandlungsmethoden. Diese Studie ist die erste randomisierte (Zuteilung der Probanden zu den Vergleichsgruppen per Zufall; Anm.), kontrollierte Studie (Placebo; Anm.), die untersucht, ob GLP-1-Rezeptoragonisten den Alkoholkonsum bei übergewichtigen Patienten reduzieren können, die sich wegen Alkoholabhängigkeit in Behandlung befinden", schrieb die Fachzeitschrift.

Es ging um Personen mit moderatem bis schweren Alkoholmissbrauch bzw. Abhängigkeit. Insgesamt wurden 108 Patienten mit einem Body-Mass-Index zwischen etwa 34 und 35 (Adipositas ab einem BMI von 30) in die Studie aufgenommen. Exakt jeweils die Hälfte bekam über sechs Monate hinweg pro Woche einmal die Abnehmspritze mit Semaglutide (2,4 Milligramm) oder ein Scheinmedikament. Die begleitende psychologische Betreuung war für beide Gruppen gleich.

Die Ergebnisse sprechen für eine suchtmildernde Wirkung des Wirkstoffes, der zum Abnehmen bzw. zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt wird. "Zu Beginn der Studie hatten die Patientinnen und Patienten im Durchschnitt 17 Tage mit exzessivem Alkoholkonsum in den vorangegangenen 30 Tagen. Nach sechs Monaten wiesen die Probanden der Semaglutide-Gruppe durchschnittlich etwa fünf Tage mit exzessivem Alkoholkonsum in den vorangegangenen 30 Tagen auf, verglichen mit neun Tagen in der Placebo-Gruppe", schrieb "Lancet".

Dadurch reduzierte sich der Alkoholkonsum der Studienteilnehmer deutlich: Zu Beginn der Studie hatten die Teilnehmer durchschnittlich etwa 2.200 Gramm Alkohol in den vorangegangenen 30 Tagen konsumiert. Dieser Wert sank nach sechs Monaten auf etwa 650 Gramm pro Monat mit Semaglutide und auf 1.175 Gramm mit Placebo.

Die Autoren wiesen allerdings auch auf wichtige Einschränkungen der Studie hin, darunter die relativ wenigen Probanden und das Fehlen einer Nachbeobachtung, um festzustellen, ob sich der Alkoholkonsum nachhaltig verändert hatte. Sie betonten jedoch, dass die Untersuchung die wissenschaftlichen Belege für den Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Alkoholabhängigkeit stärkte und angesichts der weltweiten Häufigkeit von Alkoholabhängigkeit und Adipositas potenziell Millionen von Menschen betreffen könne.

In der Placebogruppe wurde eine Abnahme des Körpergewichts um zwei Prozent registriert. Unter der Behandlung mit der "echten" Abnehmspritze kam es zu einer Gewichtsabnahme um 11,36 Prozent.

ARCHIV - 28.05.2016, Berlin: ILLUSTRATION - Eine junge Frau sitzt hinter leeren Bierflaschen. (zu "Landessuchtstelle: Keinen Beleg für mehr Suchterkrankungen wegen Corona") Foto: Alexander Heinl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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