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Lynch hatte 2024 bekanntgegeben, dass er als langjähriger Raucher an einem Lungenemphysem erkrankt sei. Trotz der schweren Lungenkrankheit wollte er sich aber nicht vom Filmgeschäft verabschieden. Er habe das Rauchen sehr genossen, doch nun zahle er den Preis dafür, teilte er auf der Plattform X mit. Zwei Jahre zuvor habe er mit dem Rauchen aufgehört. Abgesehen von der Emphysem-Diagnose sei er in "hervorragender Form". Er sei glücklich und er werde "niemals" in Rente gehen, führte Lynch damals aus.
Lynch, der Kunst studierte, bevor er ins Filmfach wechselte, schockierte schon in seinem in Schwarz-Weiß gedrehten Erstling "Eraserhead" (1977) mit verstörenden Horrorszenen und surrealen Bildern. "Der Elefantenmensch" (1980) über einen fürchterlich verunstalteten Mann, der im viktorianischen England als Jahrmarktsattraktion vorgezeigt wird, war ein internationaler Kassenerfolg und erhielt acht Oscar-Nominierungen.
"Blue Velvet" (1986) mit Isabella Rossellini als missbrauchte Nachtclubsängerin machte durch eine langsame Kamerafahrt in ein abgeschnittenes Ohr auf einer Wiese Furore. Das brutale Roadmovie "Wild at Heart" über ein junges Liebespaar, mit Nicolas Cage und Laura Dern in den Hauptrollen, brachte Lynch 1990 die "Goldene Palme" in Cannes ein.
Den Thriller "Lost Highway" (1997) um einen schizophrenen Killer unterlegte er mit Songs der deutschen Hard-Rock-Band Rammstein. Mit "Mulholland Drive" (2001) wagte er sich ins Großstadtrevier seiner Wahlheimat Los Angeles und holte in Cannes einen weiteren Regiepreis.
Auch im Alter war seine Handschrift einfallsreich und packend. 2017 brachte er 18 neue Folgen der Mysterykultserie "Twin Peaks" auf den Bildschirm. Sie waren noch brutaler, unheimlicher und verwirrender als die 30 Originalfolgen Anfang der 90er, die stilbildend für Fernsehen und Mode eines ganzen Jahrzehnts werden sollten.
Mit einem Mix aus Horrorfilm, Coming-of-Age-Drama und Soap rund um den Mord an der jungen Schönheitskönigin Laura Palmer und die Nachforschungen des jungen FBI-Agenten Dale Cooper gelang es Lynch, ein Millionenpublikum an den TV-Bildschirm zu bannen. Die Jazzmusik von Angelo Badalamenti unterstrich die hypnotische Stimmung, in der alles möglich schien. Hauptdarsteller Kyle MacLachlan durfte in der letzten Staffel gar über weite Strecken mehrere Versionen seiner selbst spielen - darunter einen bösen Doppelgänger und einen weitgehend handlungsunfähigen, aber liebenswerten Vorstadtvater.
Mit "Eine wahre Geschichte - The Straight Story" (1999) schuf Lynch seinen vielleicht gradlinigsten Film - ein alter Mann fährt auf einem Rasenmähertraktor wochenlang durch den Mittleren Westen, um seinen Bruder zu besuchen. Lynch selbst kam am 20. Jänner 1946 in einer Kleinstadt im US-Staat Montana zur Welt und wuchs auf dem Land auf.
Eigenen Angaben zufolge mochte er alle seine Filme, nur einen bereute er: "Ich bin mehr oder weniger stolz auf alles, bis auf "Dune"", sagte er 2020 im YouTube-Gespräch. Hier hatte Lynch nicht die volle kreative Kontrolle über den Film.
Lynch ist mehr für seine düsteren Filmfiguren bekannt als für seine langjährigen Friedensbemühungen. Er meditierte seit den 1970er-Jahren nach der Lehre des Maharishi Mahesh Yogi, dem einst auch die Beatles folgten. Der Filmemacher gründete eine Stiftung für "Bewusstseins-basierende Lehre und Weltfrieden" und setzte auf transzendentale Meditation als Friedensstifter. Zweimal täglich meditiere er, schrieb der Regisseur auf der Stiftungsseite. Das verschaffe ihm Zugang zu "unbegrenzter Energie, Kreativität und innerem Glück".
Aus vier Ehen hatte Lynch zwei Söhne und zwei Töchter. Tochter Jennifer Lynch aus erster Ehe hat wie ihr Vater eine Vorliebe für Psychopathenhorror. Als Regisseurin drehte sie Thriller wie "Boxing Helena" und "Unter Kontrolle". Der jüngste Nachwuchs aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Emily Stofle, Tochter Lula Boginia, wurde 2012 geboren. Mehrere Jahre war der Filmemacher auch mit der Schauspielerin Isabella Rossellini zusammen.
Als Regisseur und Drehbuchautor war Lynch vier Mal für einen Oscar nominiert, doch im Wettbewerb ging er immer leer aus. Ein Trostpflaster: die Filmakademie verlieh ihm 2019 einen Ehrenoscar. Für seine künstlerische Vision habe er "angstlos" Grenzen überschritten, hieß es zur Begründung.
Lynch drehte in den letzten Jahren Kurzfilme und schrieb Drehbücher. Regisseur Steven Spielberg konnte ihn zudem für einen seltenen Auftritt vor der Kamera gewinnen. In dem autobiografisch geprägten Drama "Die Fabelmans" (2022) über Spielbergs eigene Kindheit und Jugend hatte Lynch eine kleine Rolle - als Meisterregisseur John Ford.





