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Mendl wirkte in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Dass nicht jeder sofort seinen Namen im Kopf hatte, schien er ziemlich gelassen zu nehmen. "Viele kennen das Gesicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur 2019, "aber sie kennen den Namen meistens nicht". Als er noch in München gewohnt und in Arbeitskleidung mal Gartenabfälle weggebracht habe, habe ihn eine Frau angesprochen.
"Wir kennen Sie", habe die Frau gesagt. Und dann habe er geantwortet: "Jaja, ich weiß. Aus Ihrem Wohnzimmer oder Schlafzimmer. Ich weiß ja nicht, wo Sie Ihren Fernseher stehen haben." Die Frau habe nur "Wohnzimmer" gehört und zu ihrem Mann gesagt: "Ach, das ist ja der Mann, der unser Wohnzimmer geweißelt hat." Das habe er dann stehen lassen, sagte Mendl damals. "Das ist doch süß."
Geboren wurde er als Michael Sandrock am 20. April 1944 im westfälischen Lünen. Sein Vater war ein katholischer Priester, der der Mutter die Hochzeit versprach, dann aber eine andere wählte. Anfangs sei er von einer Tante zur nächsten gekommen. Heimat sei für ihn der Bahndamm gewesen. Da habe er sein Ohr drangelegt. Die Stahlseile, mit denen die Signale gezogen worden seien, hätten für ihn Musik gemacht. "Das liebte ich."
Später studierte Mendl kurz in Wien - dort stand er später auch auf der Bühne, etwa 2013 in einer Inszenierung von Thomas Bernhards "Vor dem Ruhestand" am Theater in der Josefstadt -, ging dann an die Folkwangschule in Essen und stand ein Vierteljahrhundert auf Theaterbühnen. Erst mit 49 Jahren kam er zum Film. Da habe er wahnsinnig Glück gehabt, sagte er mal. Sein Filmdebüt legte er in "Lange Schatten" 1992 hin. Seinen Durchbruch im Fernsehen hatte er drei Jahre zuvor als Koslowski in der Krimireihe "Tatort".
In Fernsehfilmen spielte er durchaus auch den TV-Charmeur. Aber Mendl fand, er sei kein strahlender Liebhaberheld. "Sondern ich bin ein Charakterheld. Ich spiele die schweren, auch die bösen Rollen."
Er sprach offen darüber, dass zuletzt nicht mehr so viele Rollenangebote kamen. Das mache ihn "ein bisschen traurig", sagte er damals im Jahr 2019. Mendl stand in Berlin öfter auf Gästelisten von Premieren und Galas. Er engagierte sich für die Rettung des Regenwalds und für einen Verein gegen die Kinderkrankheit Noma.
2024 wurde er mit dem Götz-George-Preis ausgezeichnet. Mendl werde für das Ergründen jeglicher Tiefe in Texten und die Haltung in seinen Rollen geliebt, hatte die Jury zur Begründung mitgeteilt. "Verborgen in seinen Augen, der Art seiner Haltung, fällt etwas auf, das seine eigene Kunst des Schauspielens hervorhebt: Es scheint so, als schlüpfe er gänzlich in den Schmerz, zerteile das Lachen in Glück und Unglück, als empfinde er den Hass oder genieße die Liebe der Darzustellenden."
Wenn man ihm gegenübersaß, verfiel Mendl im Gespräch auch mal ins Jemand-Anderes-Sein. Er lachte, wurde laut, schwäbelte. Eine besondere Vorliebe hatte er für das Arbeiten mit Holz. Die Schauspielerei bezeichnete er als einen gefährlichen Beruf, bei dem man sich gut kennen müsse. "Wir haben nicht Hammer und Säge, um etwas zusammenzubauen. Sondern wir haben nur uns selbst."
Wenn man etwas authentisch darstellen wolle, dann müsse man tief in die Rolle hinein. Man müsse immer in dem Wissen sein, dass man eine Rolle abrufen, aber auch jederzeit abstellen könne. "Ich habe da Gott sei Dank eine goldene Schere im Kopf", sagte Mendl damals. Mit dieser Vorstellung könne er sich von der Rolle lösen. Das sei auch am Theater so gewesen. "Ich war in der Rolle, aber am Ende habe ich mich privat verbeugt."
