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Die Welt ist 2026 eine andere als 2006: Printmagazine werden der Reihe nach eingestampft, Superreiche haben traditionelle und soziale Medien übernommen, Stellen werden wegrationalisiert, Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig und Influencerinnen sind relevante Entscheiderinnen, dieser letzte Punkt wird im Sequel erstaunlicherweise ignoriert. Selbst die einstige "Vogue"-Chefredakteurin Anna Wintour, deren Machenschaften jene Fashion-Queen, deren Machenschaften als Vorlage für die Filmsatire dienten, ist abgetreten und mittlerweile als Chief Content Officer für Condé Nast tätig.
Vor diesem Hintergrund kehrt die Figur der Andy Sachs zum New Yorker Modemagazin "Runway" zurück. Zur Erinnerung: Am Ende des Originals warf sie das Assistentinnen-Handy in den Springbrunnen und startete neu durch. In "Der Teufel trägt Prada 2" ist sie als renommierte Journalistin für einen Preis nominiert und fiebert - mit ihren Kolleginnen und Kollegen - der Verkündung entgegen. Genau da bimmeln ringsum die Smartphones. Gekündigt, per SMS. Wie Hunderte andere auch. Doch Andy wird ausgezeichnet und hält, unter Schock, ein flammendes Plädoyer für unabhängigen Journalismus.
Ein Video davon geht viral und beschert ihr das Comeback bei "Runway". Sie soll das angekratzte Prestige des Magazins nach diversen Shitstorms wiederherstellen. Die eiserne Lady dürfte nichts davon gewusst haben, dementsprechend bitter ist ihr Blick. "Seht, was TK Maxx angespült hat", kommentiert Art Director Nigel Kipling (Stanley Tucci) Andys Outfit beim ersten Auftritt. Mit unterkühlter Ignoranz hält die Chefredakteurin fest: "Ich habe dich nicht eingestellt. Ich muss nur warten, bis du scheiterst."
Erfreulicherweise haben die Dialoge von Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna im Vergleich zum Original wenig an Bissigkeit eingebüßt. Andy hat an Selbstbewusstsein zugelegt, Miranda ist - dank jüngerem Partner (Kenneth Branagh) - zufriedener. Die Lage ist zu ernst für Zickenkrieg. Für Miranda geht es ums Überleben des Magazins, für Andy um ihren Job und den Journalismus. Also werden wohl oder übel Banden gebildet - gegen die wahren Feinde in den Chefetagen der Tech-Bros. Alle wollen an die Macht oder sie halten, die wenigsten spielen in diesem Karussell der Eitelkeiten und Einflussmöglichkeiten fair. Der Plot ist weder besonders originell noch preisverdächtig, aber durchaus unterhaltsam.
Andys Ex-Rivalin Emily Charlton (Emily Blunt) hat den Aufstieg bei Dior geschafft. Das reicht ihr aber nicht, sie sinnt auf Rache. Ihr neuer Partner liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab - auch jenen vom eigenen Modemagazin mitsamt Covershooting mit ihr. Das ungleiche Paar erinnert an zwei reale Society-Figuren auf dem Schachbrett der Macht: an Tech-Mogul Jeff Bezos (Justin Theroux karikiert seine Figur) und seine Frau Lauren Sánchez. Emily Blunt mimt diese kühl und ironisch. Ebenso nicht fehlen darf MacKenzie Scott, erste Ehefrau von Bezos. Lucy Liu spielt sie imposant zurückhaltend.
Der Intrigantenstadl ist exquisit besetzt: Bei Schauspiel-Grande-Dame Meryl Streep reicht ein Blick, um die Hierarchien mit Grandezza unwiderruflich einzuzementieren. Jede ihrer Sprechpausen sitzt. Hathaway verkörpert die nahbare, kämpferische Identifikationsfigur, mit der man mitfühlt. Die neue Selbstbestimmtheit steht ihr. Blunt mimt lustvoll die Unberechenbare. Eine neue, junge Riege an schlagfertigen Assistentinnen und Assistenten, gespielt von Simone Ashley, Caleb Hearon, Helen J. Shen, u.a. sorgt erfrischend für mehr Diversität im Cast. Und Lady Gagas Cameo-Auftritt mit ihrem Song "Runway" mit grantigem Vorspiel ist ein Glanzlicht.
US-Regisseur David Frankel kann wenig falsch machen. Die Liste an Referenzen auf das Original ist lang, die sensationellen Kostüme betonen jeden Charakter pointiert. Andy Sachs steckt in klassischen Herrenschnitten, Priestlys Kleidung ist wie ein Statement per se. Blunts Outfits sind so unberechenbar knallig wie ihr Auftreten. Ehrlicherweise ist der Plot erneut zur Nebenrolle degradiert. Im Rampenlicht stehen Hamptons-Kleider, Taschenkollektionen, Seiden-Blusen, Jacketts und High Heels.
Mitunter mutet das Sequel wie ein Trailer für Fashion-Shows oder die New Yorker Met-Gala an. 47 Outfit-Wechsel hat Anne Hathaway, Meryl Streep kommt auf 28 und um Emily Blunt, im Original vom Design-Outlet "Century 21" eingekleidet, rissen sich die Haute-Couture-Häuser dieses Mal. Sicherheitshalber hat man die Starriege schon eine Woche vor dem Kinostart auf die roten Teppiche geschickt - inklusive komponierter "Runway"-Roben. Und: Anna Wintour und Meryl Streep - also die echte und fiktive Chefredakteurin - rühren in einem köstlichen Instagram-Video gemeinsam im Lift die Werbetrommel. Zusammenhalten ist scheinbar die neue Coolness.
(S E R V I C E - www.disney.de/filme/der-teufel-traegt-prada-2 )





