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Weitere Asbestfunde im Burgenland und der Steiermark

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Auch in der Steiermark wurde nun asbesthaltiges Baumaterial entdeckt
©MITJA KOBAL, GREENPEACE, APA
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Freitag weitere Asbestfunde im Nordburgenland und in der Oststeiermark gemeldet. Bei sechs Proben aus Winden (Bezirk Neusiedl am See) und Breitenbrunn (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sowie Hartberg und Neudau (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) wurde in Baumaterial ein Asbestgehalt von mehrheitlich über 50 Prozent festgestellt, hieß es in einer Aussendung.

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In Winden und Breitenbrunn sind die beiden Bahnhöfe der ÖBB betroffen. Diese haben bereits veranlasst, den Schotter von den Bahnsteigen zu entfernen. In der Oststeiermark betreffen die Asbestfunde das Bankett in der Nähe zweier Geschäftslokale in Hartberg in der Bahnhofs- bzw. Weidenstraße und Streusplitt vom Hauptplatz in Neudau.

Mit der Steiermark sei neben dem Burgenland nun ein weiteres Bundesland von einer hohen Belastung betroffen, meinte Greenpeace-Umweltchemiker Herwig Schuster: "In der Oststeiermark finden sich teils reine Asbeststeine im Bankett neben dem Gehsteig und Rollsplitt direkt auf dem Hauptplatz. Dort gehen tagtäglich Menschen drüber - und tragen die Fasern auf ihren Schuhen dann womöglich in ihre Autos und in ihre Häuser."

Auch aus den zwei steirischen Steinbrüchen Preg und Lobming hat die Umweltschutzorganisation Proben entnommen. Mit unter 0,1 Prozent Asbestgehalt sei dort aber deutlich weniger Asbest festgestellt worden als in den burgenländischen Steinbrüchen. Die Proben liegen damit auch unter dem Grenzwert für die Definition von gefährlichem Abfall.

Dennoch forderte Greenpeace die Behörden dazu auf, die Steinbrüche großflächig zu überprüfen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu setzen. Von der burgenländischen und der steirischen Landesregierung will die Umweltschutzorganisation, dass der von ihr vorgelegte "Aktionsplan gegen Asbestgefahren" umgesetzt wird. "Als dringender erster Schritt muss asbesthaltiges Gesteinsmaterial, insbesondere freie Asbestbrocken und Rollsplitt, von sensiblen Zonen entfernt werden", betonte Schuster.

Der steirische Landesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) hielt daraufhin fest, dass bereits "strukturierte und systematische Schritte zur Aufklärung mit den zuständigen Behörden" eingeleitet wurden. Das Land habe Kontakt mit der Oberbehörde und der Bezirkshauptmannschaft aufgenommen und auch die betroffenen Gemeinden seien bereits involviert. Geklärt werden soll, wer als Straßenerhalter verantwortlich ist und somit die Beschaffung und Ausbringung des Streusplitts veranlasst hat.

In weiterer Folge soll auch die Beschaffungskette nachvollzogen werden, um Herkunft und Lieferung des Materials sowie dessen Zusammensetzung und Zertifizierung transparent zu prüfen. Erst danach werde man, sofern es notwendig ist, weitere Schritte setzen. Die Öffentlichkeit werde über alle Entwicklungen transparent informiert, sicherte Amesbauer zu. Konkrete Testergebnisse oder Prüfberichte von Greenpeace würden den Behörden noch nicht vorliegen - dass diese nicht informiert wurden, habe einen "seltsamen Beigeschmack".

Die steirischen Grünen hatten Amesbauer zuvor in einer Aussendung dazu aufgefordert, angesichts der Greenpeace-Analyse tätig zu werden. "Nach den positiven Proben in der Oststeiermark kann niemand mehr so tun, als ginge uns das nichts an", betonte der Landtagsabgeordnete Lambert Schönleitner. Das Asbest-Monitoring müsse rasch auf einen höheren Sicherheitsstandard gebracht werden. Sensible Bereiche sollten prioritär geprüft werden, meinte er.

Auch NEOS-Klubobmann Niko Swatek sah Amesbauer in der Pflicht. Dieser habe erst am Dienstag im Landtag von "keinerlei Verdachtsmomenten" gesprochen. "Es darf nicht sein, dass erst externe Organisationen Risiken aufzeigen, bevor das Land aktiv wird. Ein Landesrat, der mögliche Gesundheitsgefahren kleinredet und dann von der Realität eingeholt wird, hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem", betonte Swatek, der eine rasche, risikobasierte Überprüfung öffentlicher Flächen, volle Transparenz über Lieferketten von Baumaterialien und eine klare Information der Bevölkerung forderte.

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