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Die Beamten seien am Abend "zu einem Streit" in die Wohnung gerufen worden, da der Türke das Opfer mit dem Umbringen bedroht haben soll, sagte Philipp Rapold, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamts, zur APA. Die Österreicherin berichtete schließlich, dass es seit einem Jahr "immer wieder zu Körperverletzungen und Drohungen" gekommen sei. Der Mann dürfte sehr eifersüchtig gewesen sein und das Handy der Frau ständig kontrolliert haben, berichtete der LKA-Ermittler. Bei der Polizei seien die Vorfälle bis dahin jedoch nie gemeldet worden. Die Polizisten sprachen schließlich am späten Abend ein Betretungs- und Annäherungsverbot aus und nahmen den Mann mit.
Er wurde aber wieder entlassen, nachdem seine Daten aufgenommen worden waren. Die Wegweisung und die Verbote dürften jedoch keine Wirkung gezeigt haben. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Mann noch in der Nacht zur Wohnung zurückgekehrt und die Tür aufgetreten haben soll. Aufgrund der Situation, wie die Leichen aufgefunden worden waren, dürfte die Österreicherin versucht haben zu flüchten.
Die Leichen wurden indes bei einer Kontrolle des Betretungs- und Annäherungsverbots entdeckt, hieß es. Um wie viel Uhr sich die Tat ereignet hatte, war noch nicht klar. Eine Obduktion soll darüber Klarheit geben. Die Ermittlungen waren ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Der Tatort wird auf Spuren untersucht und das nähere Umfeld befragt, erklärte Rapold.
Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Justizministerin Anna Sporrer (beide SPÖ) sehen nun "akuten Handlungsbedarf bei der Umsetzung der Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen". "Wenn Frauen sich aus Gewaltbeziehungen lösen wollen und Hilfe suchen, muss bestmöglicher Schutz gewährleistet werden", teilten die Ministerinnen der APA am Sonntagabend mit. Dabei müssen "alle Optionen" ausgeschöpft werden, neben der Wegweisung auch die "Verhängung der Untersuchungshaft bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen". Auch zusätzliche Maßnahmen wie "das digitale Tracking von Hochrisikotätern" müssten ehestmöglich umgesetzt werden.
Auch Tirols Frauenlandesrätin Eva Pawlata (SPÖ) sprach sich "für konsequentere Maßnahmen zum Schutz von Frauen" aus, wie sie der APA mitteilte. Sie unterstütze etwa den Vorstoß der Ministerinnen Holzleitner und Sporrer zur Einführung einer elektronischen Fußfessel für Gefährder. Auch müsse man "viel früher hinschauen", denn ein Frauenmord sei "fast immer das Ende einer langen Gewaltspirale".
Die Frauensprecherin der Bundes-Grünen, Nationalratsabgeordnete Meri Disoski, sprach angesichts des Innsbrucker Falles von noch immer vorhandenen "gefährlichen Lücken", die der Gewaltschutz in Österreich habe. Wenn Gefährder trotz Annäherungsverbots nicht wirksam kontrolliert würden, sei klar: "Die bestehenden Instrumente reichen nicht." Auch Disoski plädierte etwa für die "rasche Einführung der elektronischen Fußfessel für Gefährder in Hochrisiko-Fällen."
(S E R V I C E - Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.
In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u. a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at, sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217, https://www.gewaltschutzzentrum.at/, beim Polizei-Notruf: 133)
