ABO

Trump plant noch heuer Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim im Jahr 2019
©Archivbild, Afp, APA/APA/AFP (Archivbild)/BRENDAN SMIALOWSKI, APA, BRENDAN SMIALOWSKI
US-Präsident Donald Trump bemüht sich offenbar wieder um ein Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. Auf die Frage, ob er plane, noch in diesem Jahr mit ihm zusammenzukommen, sagte Trump am Mittwoch: "Ja, das tue ich". Zuvor hatte der US-Präsident bereits angedeutet, mit Kim in Kontakt zu stehen. Kim Jong-uns einflussreiche Schwester Kim Yo-jong erklärte dagegen, eine solche Kommunikation sei ihr "absolut nicht bekannt".

von

Bei der Besichtigung eines neuen Hubschrauberlandeplatzes am Weißen Haus sagte Trump Reportern, es sei ihm wichtig, sich mit Kim "gut zu verstehen". Dieser habe "57 sehr mächtige Atomwaffen". "Das hätten wir nie zulassen sollen. Wäre ich Präsident gewesen, wäre das nicht passiert". "Aber er hat sie jetzt nun einmal", fügte Trump hinzu. "Ich verstehe mich sehr gut mit ihm - mit ihm wird alles in Ordnung sein."

Es ist eher ungewöhnlich, dass ein US-Präsident öffentlich Einschätzungen zu möglichen Atomwaffenbeständen anderer Länder abgibt, zumal die USA Nordkorea nicht offiziell als Atommacht anerkennen. Trumps Aussage deckt sich aber mit früheren Schätzungen von Experten, denen zufolge Pjöngjang 50 bis 60 Atomwaffen besitzen dürfte. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI schätzte die Zahl im Juni auf rund 60.

Trump hatte schon zuvor angedeutet, wieder in Kontakt mit Kim zu stehen. So sagte er am Montag, Kim habe auf seine Gesprächsangebote reagiert. Als er gefragt wurde, in welchem Stadium sich der Dialog mit Kim befinde, antwortete Trump nur, dieser sei "sehr positiv".

Weitere Details zu einem möglichen Treffen und angeblichen Kontakten nannte der US-Präsident nicht. Das "Wall Street Journal" berichtete aber, dass er ein Treffen im November am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Shenzhen in China erwäge.

In Nordkorea äußerte sich Kim Jong-uns Schwester Kim Yo-jong zu den Berichten über Kontakte zwischen Trump und ihrem Bruder. Darüber sei ihr "absolut nichts bekannt", erklärte sie am Mittwoch. Ihr Bruder habe dennoch "gute Gefühle" gegenüber dem US-Präsidenten. Die Beziehung der beiden Staatschefs sei "ausgezeichnet".

Trump und Kim blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Während der US-Präsident Nordkoreas Machthaber zunächst als "Raketenmann" verspottet und mit "Feuer und Zorn" gedroht hatte, traf er ihn in seiner ersten Amtszeit dreimal. Damals sagte er unter anderem, er und Kim hätten sich nach dem Austausch "wunderschöner Briefe verliebt". Konkrete Ergebnisse gab es damals nicht.

Die Debatte um Nordkorea war aufgekommen, nachdem Trump eine Verkürzung von "Ulchi Freedom Shield" verfügte, einem jährlichen gemeinsamen Manöver der US-Armee und den südkoreanischen Streitkräften. Die Übungen dienen unter anderem der Vorbereitung auf einen Angriff Nordkoreas. Pjöngjang kritisiert die Manöver seit Jahren als Generalprobe für eine Invasion.

Der US-Präsident hatte den Schritt in seinem Onlinedienst Truth Social am Sonntag unter anderem mit den hohen Kosten begründet und die Manöver "feindselig" genannt. Er erwähnte dagegen lobend, Nordkorea habe sich zuletzt "nicht bedrohlich" und "respektvoll" verhalten. Außerdem habe er eine "sehr gute Beziehung" zu Pjöngjang. In der Folge waren die Manöver tatsächlich verkürzt worden. Sie enden jetzt am Freitag - und nicht wie geplant am 27. August.

Die Übungen würden eine unangemessene und feindselige Botschaft an Nordkorea senden, hatte er erklärt. Nordkorea sei nicht bedrohlich, sondern respektvoll gewesen. Am Montag hatte Trump gesagt, er habe eine Antwort von Kim auf seine Bemühungen um eine Wiederaufnahme von Kontakten erhalten.

Trump hatte sich während seiner ersten Amtszeit 2018 und 2019 wiederholt mit Kim getroffen. Die diplomatischen Bemühungen scheiterten jedoch an der US-Forderung nach einer nuklearen Abrüstung Nordkoreas. Insofern ist unklar, weshalb Trump es so darstellt, dass er nicht zugelassen hätte, dass Nordkorea diese Zahl an Atomwaffen besitzt. Offen ist auch, weshalb Trump etwa im aktuellen Iran-Krieg das Ziel benennt, dass der Iran keine Atomwaffen haben dürfe, diesen Druck auf Nordkorea aber nicht ausübt.

Nordkorea ist eng verbündet mit China und Russland. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zuletzt davon, dass der russische Präsident Wladimir Putin rund 30.000 bis 50.000 Nordkoreaner für seinen Angriffskrieg auf die Ukraine rekrutieren wolle.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER