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Nie zuvor ist eine Partei in St. Pölten vom Wähler derart abgestraft worden wie die SPÖ am 25. Jänner 2026. Das Minus von 13,41 Prozentpunkten war ein Rekordverlust. 42,61 Prozent standen laut dem am Montagnachmittag veröffentlichten amtlichen Endergebnis zu Buche und unterboten das bisher schlechteste Abschneiden mit 47,3 Prozent vor fast 66 Jahren deutlich. Gleichzeitig bejubelten die FPÖ (19,72 Prozent/plus 10,80 Prozentpunkte) und die Grünen (9,65 Prozent/plus 1,64 Prozentpunkte) ihr jeweils bestes Abschneiden an der Traisen.
Dem amtlichen Ergebnis zufolge kam die KPÖ auf 3,82 Prozent (plus 2,71 Prozentpunkte), die NEOS fuhren 2,72 Prozent (minus 0,47 Prozentpunkte) ein. Im Vergleich zum vorläufigen Ergebnis vom Sonntagabend blieb die Mandatsverteilung gleich. Sie lautet: S 19 (25), V 9 (10), F 8 (3), G 4 (3), K 1 (-), N 1 (1). Die Wahlbeteiligung betrug 59,1 Prozent (55,96 Prozent).
Die SPÖ kann Zweier-Koalitionen theoretisch mit der ÖVP, der FPÖ und den Grünen bilden. Letztere zeigten sich schon am Sonntagabend "bereit, ab sofort noch mehr Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen". Von der Landespartei der Grünen dürfte das goutiert werden, wenn das Konzept einer möglichen Koalition stimmig ist. "Die Hand ist ausgestreckt", war am Sonntagabend zu hören.
In der SPÖ St. Pölten werden indes wohl Wunden geleckt. Bürgermeister Matthias Stadler bekam von den Parteigremien am Montagnachmittag jedoch das Vertrauen ausgesprochen - einstimmig von Präsidium und Vorstand, wie es hieß. Zudem sei Stadler auch "das Mandat für die Koalitionsverhandlungen und Personal- und Verhandlungsfreiheit" erteilt worden. Unterstrichen wurde in einem Statement der Stadtpartei zudem der Bürgermeisteranspruch der SPÖ.
In Sachen Vorzugsstimmen hatte Stadler die Nase deutlich vorne, er kam Rathausangaben zufolge auf 5.575 Nennungen. Dahinter folgten die Spitzenkandidaten Martin Antauer (FPÖ/2.680) und Florian Krumböck (ÖVP/2.489). Von den weiteren Listenersten kam Walter Heimerl-Lesnik von den Grünen auf 505 Vorzugsstimmen, Max Zirngast (KPÖ) auf 410 und Bernd Pinzer (NEOS) auf 179.
Was Bürgermeister Stadler dennoch einholen könnte, ist eine Aussage nach der niederösterreichischen Landtagswahl vor drei Jahren. "Wenn man Wahlen verliert, muss man die Konsequenzen ziehen", wurde er damals in den "NÖN" zitiert. Die Landes-SPÖ unter Franz Schnabl hatte im Jänner 2023 nach einem Minus von 3,27 Prozentpunkten nur mehr 20,65 Prozent erreicht und war hinter die FPÖ auf Platz drei zurückgefallen. Nach einem derartigen Ergebnis dürfe man nicht zur Tagesordnung zurückkehren, befand der Bürgermeister. Vielmehr müsse nun "ungeschminkt" darüber geredet werden, was dazu geführt hat.
Es werde sich zeigen, ob die SPÖ (aus ihrem Abschneiden, Anm.) etwas gelernt habe, sagte ÖVP-Spitzenkandidat Krumböck vor den anstehenden Parteiengesprächen. "Wer nimmt ernst, was die St. Pöltner wollen", sei die Frage. Die Volkspartei werde "inhaltlich nicht billig" sein, kündigte Krumböck an.
Antauer von der FPÖ rechnet mit Rot-Grün, was aus seiner Sicht freilich "ein Wahnsinn" für St. Pölten wäre. Der freiheitliche Listenerste unterstrich, dass die Wähler "Veränderung" wollten. "Wir werden Gespräche führen." Mit 19,72 Prozent hat die FPÖ an der Traisen das aktuell zweitbeste Ergebnis in Landeshauptstädten erzielt. Nur in Wien liegen die Freiheitlichen seit der Gemeinderatswahl im vergangenen Jahr mit 20,35 Prozent knapp höher.
Für die NEOS wurde der Wahlabend zur Hänge- und Zitterpartie. Die Pinken waren laut durchgesickerten Trends mehr aus dem Gemeinderat draußen als drinnen, letztlich gab es mit 2,72 Prozent erneut ein Mandat. Dass es am Ende ein kleines Minus wurde, führten Funktionäre auch auf die Struktur von St. Pölten zurück, die weniger urban als bei Städten im Raum rund um Wien sei. Während die KPÖ vor den NEOS fünftstärkste Fraktion im Gemeinderat wurde und erstmals seit 1982 wieder ein Mandat hält, spielte die Liste "Multikulturelle Gesellschaft" mit exakt 33 Stimmen keine Rolle.






