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Schumann verwies einmal mehr darauf, dass die Bundesregierung "kein leichtes Erbe angetreten" habe. Zudem würden die "internationalen Entwicklungen" die Situation nicht einfacher machen. Die Bundesregierung habe jedoch viele Maßnahmen ergriffen, um dem entgegenzuwirken. Prekär sei die Situation am Arbeitsmarkt, schließlich seien derzeit über 376.000 Menschen arbeitssuchend, räumte Schumann ein: "Dahinter stehen Menschen und ihre Familien." Aktuell sei das Wirtschaftswachstum zu gering, um die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu senken, so Schumann. "Arbeitsmarktpolitik kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle ihren Beitrag leisten", appellierte sie "an alle Akteure". Etwa benötige es eine nachhaltig wirksame Fachkräftestrategie, auch müsse die betriebliche Lehrlingsausbildung wieder gestärkt werden: "Wenn wir nicht heute ausbilden, fehlen uns die Fachkräfte für morgen."
Die betriebliche Lehrausbildung "schwächelt", so die Arbeitsministerin. Insgesamt gebe es zu wenig Ausbildungsplätze und zu wenig Lehrabschlüsse. Daher müsse nun an den richtigen Stellschrauben gedreht werden. Etwa müsse das polytechnische Jahr überdacht werden. Weiter will sich Schumann auch für ein "Bonus-Malus-System" bei der Beschäftigung älterer Menschen einsetzen: "Wir brauchen jeden und jede." Auch SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch nahm diesbezüglich die Betriebe in die Pflicht. Dem Beschäftigungsbericht zufolge würden 75 Prozent der Betriebe keine Arbeitnehmer über 60 beschäftigen. "Vor diesem Hintergrund würde eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters zu Pensionskürzungen führen. Vorwiegend für Frauen", erteilte Muchitsch neuerlich einer Debatte über die Erhöhung des Pensionsantrittsalters eine Absage.
Kritik an der Regierung kam von FPÖ und Grünen. Die freiheitliche Vizeklubchefin Dagmar Belakowitsch ortete eine "kabarettistische Einlage oder Realitätsverweigerung". Die Maßnahmen der Regierung wie die Sprit- oder die Strompreisbremse seien allesamt gescheitert. Die Inflation werde in absehbarer Zeit wieder über vier oder fünf Prozent zu liegen kommen, zeigte sie sich überzeugt. Die Arbeitslosenzahlen seien "ein Desaster", so Belakowitsch: "Wie sie die Arbeitslosigkeit senken wollen, sind sie uns schuldig geblieben." Das einzige, was von der SPÖ zu hören sei, sei "Klassenkampf gegen Unternehmen". Das Thema der Aktuellen Stunde sei "ein wesentliches", aber die Regierung liefere keine Lösungen.
Ähnlich auch die Grünen: Abgeordnete und Frauensprecherin Meri Disoski sah lediglich eine "Selbstbeweihräucherung" der Regierung. Tatsächlich gebe es "keinen Aufschwung", jedoch einen Fachkräftemangel, und die Arbeitslosenquote sei "auf dem höchsten Stand". Von der Arbeitslosigkeit besonders betroffen seien Frauen und ältere Menschen, mit einem Anstieg von sechs und sieben Prozent, bemängelte auch Sozialsprecher Markus Koza. Von einem Senken der Arbeitslosigkeit sehe er "keine Spur". Das neue Modell der Weiterbildungszeit habe gegenüber der früheren Bildungskarenz sogar eine Verschlechterung für Geringqualifizierte gebracht.
ÖVP und NEOS verwiesen in der Aktuellen Stunde auf die Standortstärkung durch die Lohnnebenkostensenkung. Sowohl der schwarze Sozialsprecher August Wöginger als auch NEOS-Mandatar Michael Bernhard hoben das Volumen von zwei Mrd. hervor. Das sei kein Geschenk, sondern eine Sicherung der Standort- und Wettbewerbsfähigkeit, die "im Endeffekt auch die Arbeitsplätze und den Standort" sichere, so Wöginger. Auch Bernhard lobte die "größte Lohnnebenkostensenkung seit Jahrzehnten". Zudem hob er auch die von Staatssekretär Josef Schellhorn auf den Weg gebrachten Entbürokratisierungsmaßnahmen hervor. Darunter seien "kleine und große Maßnahmen". "Die Richtung stimmt", so Bernhard: "Die Steuern und Abgaben gehen hinunter, die Bildung geht hinauf."
Wöginger hielt abermals fest, dass die ÖVP dafür stehe, dass sich Leistung lohne. Daher müsse nun die Sozialhilfe in den Blick genommen werden. "Unsere Unterstützung gilt all jenen, die Leistung erbringen." Wer nie in das System einbezahlt habe, könne auch nicht die volle Leistung erhalten. Die Sozialhilfe dürfe nicht eine "Unterstützung auf Dauer" sein und müsse reformiert werden. Etwa benötige es einheitliche Sätze bei Kindern und eine Integrationsphase. "Da haben wir ein Stufenmodell in Arbeit", betonte Wöginger.
Für den FPÖ-Abgeordneten Axel Kassegger, der sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen zurückgelegt hat, rückte die steirische Abgeordnete Hedwig Staller nach. Sie wurde zu Beginn der Sitzung angelobt.
