Der frühere Chef der Gruppe ProSiebenSat.1Puls4 zählt zu den bekanntesten Medienmanagern Österreichs und prägte den Privatsektor über Jahre maßgeblich mit.
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Er ist einer der bekanntesten Medienmanager des Landes und galt lange Zeit als einer der eifrigsten Kämpfer für die Interessen des Privatsektors in der Medienbranche. Jetzt will Markus Breitenecker allerdings öffentlich-rechtliche Medienluft schnuppen - und zwar von der Spitze des ORF als Generaldirektor. Am Freitag hat er verkündet, sich für den Job zu bewerben.
Vor längerer Zeit lieferte er sich bei Podiumsdiskussionen noch Duelle mit dem damaligen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Seit mehreren Jahren sieht er den primären Konkurrenten jedoch in Übersee in Form von Social-Media- und Streaming-Giganten - und trug als langjähriger Geschäftsführer der Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 auch viel dazu bei, dass sich der Kooperationsgedanke am heimischen Medienstandort verbreitete - etwa durch Aufziehen der Streamingplattform Joyn, auf der mittlerweile auch ORF und ServusTV mit ihren Sendern vertreten sind, und das 4Gamechangers-Festival, für das der ORF an Bord geholt wurde - unter dem Claim „The Power of Cooperation“.
„Kooperatives Mediensystem“
„Klassische Medien sind massiv unter Druck, weil sich der gesamte Social-Media-Bereich nicht an die Regeln hält“, meinte er 2024 und monierte, dass es praktisch keine Regulierung für Plattformen gebe. Man stehe mittlerweile an einem Punkt, der „wirklich gefährlich für unsere liberale Demokratie ist", hielt er fest. Das duale System müsse in ein „kooperatives Mediensystem umgedacht werden“, so der Medienmanager.
Breitenecker, geboren am 28. November 1968 in Wien, kann auf ein abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften verweisen. Schon in den 90er-Jahren war er erstmals mit der Führung eines Fernsehsenders betraut: dem Wetterkanal von Rudi Klausnitzer. Dort hielt es ihn aber nicht lange, dockte er doch 1997 in der Geschäftsleitung von Kabel 1 an. Breitenecker arbeitete an einem Österreich-Werbefenster für ProSieben - und später auch an einem für Programm. Mit der Gründung von ProSieben Austria 1998 startete der heute 57-Jährige dort als Geschäftsführer durch.
Unter ihm gesellten sich die Österreichsender Puls 4 (früher: Puls TV), ATV, ATV2 und Puls 24 zur ProSiebenSat.1 Group hinzu, die seit vielen Jahren nun schon ProSiebenSat.1Puls4 heißt. 2017 bewegte er sich ins Streaminggeschäft und gründete die Plattform Zappn, die mittlerweile in Joyn überführt wurde und von der Privatsendergruppe als Sammelbecken für mittlerweile 150 Live-Sender und 70 Mediatheken geführt wird - mit dabei auch der ORF und ServusTV.
2024 beendete Breitenecker seine Tätigkeit als ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer und wechselte nach Deutschland zum Mutterkonzern ProSiebenSat.1Media SE, wo er sich im Konzernvorstand als Chief Operating Officer (COO) des Entertainmentbereichs annahm. 2025 ging er dort allerdings nach der Übernahme des italienischen Medienkonzerns MFE der Familie Berlusconi, der das Topmanagement austauschte, wieder von Bord - in „bestem gegenseitigem Einvernehmen“, wie es hieß. Seine Stelle wurde auf Vorstandsebene nicht nachbesetzt.
Zweifacher Medienmanager des Jahres
Seitdem hatte er mehrfach dementiert, sich für die Funktion als ORF-Generaldirektor bewerben zu wollen. Zuletzt setzte aber ein intensiver Nachdenkprozess bei ihm ein. Bei einem Mediengipfel in Seefeld meinte er am Donnerstag, dass er es nicht mehr ausschließe. Seine Bewerbung machte er am Morgen danach via 3-minütigem Video auf dem Job-Netzwerk LinkedIn publik. Sein „umfassenden Bewerbungskonzept“ trägt demnach den Titel „Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor“. Er wolle seine "gesamte Erfahrung einbringen und mein Wissen dem ORF zur Verfügung stellen“
In seiner Karriere wurde er zweimal vom Branchenmagazin „Österreichs Journalist:in“ zum Medienmanager des Jahres gekürt: 2017 und 2013. Die Begründung bei der jüngeren der beiden Auszeichnungen: „Weil er Leidenschaft, Leadership, Visionen und Chuzpe so mischt, dass man ihm sogar zutraut, den Kampf gegen Google & Co. gewinnen zu können.“ Für seine Programmideen zur Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ und „Ninja Warrior Austria“ wurden ihm in den 2010er-Jahren zwei Romy-Auszeichnungen zuteil.



