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Linzer Altbischof Aichern gestorben

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Aichern starb im Beisein seines Nachfolgers Manfred Scheuer
©DIÖZESE LINZ, HERMANN WAKOLBINGER, APA
Der Linzer Altbischof Maximilian Aichern ist am Samstag im Alter von 93 Jahren gestorben. Das teilte die Diözese Linz in der Früh auf ihrer Internetseite mit. Der gebürtige Wiener, der von 1982 bis 2005 an der Spitze der Diözese stand, sei im Domherrenhaus in Linz verstorben. Mit seiner eher liberalen Amtsführung begründete er den "Linzer Weg". Sein Engagement für den arbeitsfreien Sonntag sowie andere Anliegen der Arbeitnehmer trug ihm das Prädikat "Sozialbischof" ein.

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Aichern starb im Beisein seines Nachfolgers Manfred Scheuer, der in den letzten Stunden mit ihm und für ihn betete, hieß es von der Diözese. Er blicke traurig, aber in großer Dankbarkeit auf das Wirken Aicherns, so Scheuer. Aichern habe die Diözese Linz "mit seinem weiten Herzen, seiner Menschenfreundlichkeit und seinem tiefen Glauben geprägt. Seine geistige Strahlkraft und sein unerschütterliches Vertrauen in eine gute Zukunft bleiben uns Vermächtnis und Auftrag."

Aichern war ein Befürworter der Diakonenweihe für Frauen, auch der Priesterweihe von Frauen stand er aufgeschlossen gegenüber. "Ich glaube - trotz mancher Rückschläge, die es immer wieder gibt - daran, dass die Diakonenweihe der Frauen nicht aufzuhalten ist, weil sie denn doch schon einmal da waren. Und das Gleiche, so denke ich, gilt auch für die Priesterweihe von verheirateten Männern. Ich würde natürlich doch auch dazusagen: vielleicht sogar von Frauen", hatte er in einem Interview, das das Kommunikationsbüro der Diözese kurz vor seinem 90 Geburtstag mit ihm geführt hatte, gesagt.

Fast wäre Aichern ein "Christkindl" geworden: Der spätere Linzer Oberhirte erblickte am 26. Dezember 1932 in Wien das Licht der Welt. Nach der Matura arbeitete er zunächst in der elterlichen Fleischhauerei, 1954 trat er in das Benediktinerstift St. Lambrecht in der Steiermark ein. Er studierte in Salzburg und Rom, 1959 folgte die Priesterweihe und im Dezember 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum zwölften Bischof von Linz, am 17. Jänner 1982 empfing Aichern die Weihe. Zuvor hatte er das Bischofsamt mehrmals abgelehnt.

Bei seinen Schäfchen punktete er mit seiner umgänglichen Art und mit Bescheidenheit. Zehn Jahre nach seinem Amtsantritt hatte er - meist im privaten Kleinwagen - sämtliche 485 Pfarren seiner Diözese offiziell besucht. Unter Aichern wendete sich die Einstellung der Diözese gegenüber dem NS-Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter. Und er widmete sich stark sozialen Belangen, etwa mit der Gründung der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung. Auch das Engagement von Laien war ihm wichtig, Aichern handhabte Regelungen locker - manchem Hardliner zu locker.

Als sein Rücktrittsgesuch im Mai 2005 vom frisch gebackenen Papst Benedikt XVI. angenommen worden war, zog er sich im Alter von 73 Jahren aus dem Amt zurück. In den Ruhestand ist er aber nie wirklich getreten. Er unterstützte seine Nachfolger Ludwig Schwarz und Manfred Scheuer bei liturgischen oder repräsentativen Aufgaben und übernahm Vertretungen in Pfarren und Klöstern - wenn auch oft im Sitzen, weil die Knie nicht mehr mitspielten.

Zahlreiche Begleiter aus Klerus und Politik reagierten auf Aicherns Ableben. "Mit seinem Glauben, seinem sozialen Engagement und seiner unverwechselbaren Persönlichkeit hat er unser Land über Jahrzehnte geprägt", würdigte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) Altbischof Aichern. "Unser Europaburgbischof Maximilian Aichern hat so viele junge Europäer geistig geprägt und ihnen mit Werten wichtige Orientierung vermittelt. Dafür wurde er mit der von EYFON gestifteten Europäischen Friedensmedaille ausgezeichnet", so Christoph Leitl, Präsident des Europäischen Jugendforums.

Kardinal Christoph Schönborn hob besonders Aicherns Einsatz für das Erbe von Franz Jägerstätter hervor: "Dass der Prozess zur Seligsprechung dieses großen oberösterreichischen Glaubenszeugen zu einem guten Abschluss fand, ist maßgeblich Bischof Maximilian zu verdanken." Auch die Evangelische Kirche in Oberösterreich trauert um Bischof Aichern als einen "treuen Freund" und "Motor der Ökumene", so Superintendent Gerold Lehner in seinem Nachruf.

"Nun ist die irdische Stimme von Bischof Maximilian Aichern, der stets das Gespräch gesucht hat, verstummt - und damit eine der ganz großen Stimmen der katholischen Kirche und des sozialen Katholizismus in Österreich und Europa", gedachte die Katholische Privat-Universität Linz mit Rektor Michael Fuchs ihres ehemaligen "Magnus Cancellarius".

"Persönlich und als Katholische Aktion verneigen wir uns in tiefer Dankbarkeit vor diesem Menschen, diesem Christen und diesem Bischof", sagte Vorsitzender Ferdinand Kaineder. Von einem Hirten, der seine Sendung "unmittelbar im Herzen seiner Herde lebte", sprach der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner.

Auf die benediktinische Prägung des Verstorbenen verwies Sr. Franziska Madl als Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz: "Bischof Maximilian Aichern war als Hirte und Seelsorger ganz nah bei den Menschen." Aicherns wiederholte Aussagen wie "lasst euch die Freude am Christsein nicht nehmen" oder "die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt" sowie "sein enormes soziales Engagement als Bischof in Österreich" prägten die Linzerin Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts.

"Die Caritas OÖ gedenkt seiner in Dankbarkeit und Hochachtung. Er war eine Stimme für die, die oft keine haben: für Arbeitslose, Obdachlose oder für Flüchtlinge", sagte der Direktor der Caritas Oberösterreich, Stefan Pimmingstorfer. Der Tod dieses "Leuchtturm des Erinnerns" "schmerzt und ist menschlich und gesellschaftspolitisch ein großer Verlust", so Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreichs.

In ORF2 wird am Sonntag, 1. Februar 2026, um 12.54 Uhr in "KREUZ&QUER PLUS" ein Nachruf "In memoriam Altbischof Maximilian Aichern" gesendet.

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