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Dazu wurde die ab dem 11. Jahrhundert errichtete Festung auf einem Felsrücken im Stadtzentrum mit einer Licht- und Laserschau präsentiert. An mehreren Plätzen der Stadt gab es Lichtinstallationen im Rahmen des Projekts "Light up the City" zu sehen. Ausstellungen blieben bis spätabends geöffnet, darunter die Werkschau des slowakischen Künstlers Stano Filko (1937-2015), des bedeutenden Avantgarde-Malers, in der Milos-Alexander-Bazovsky-Galerie. Eine weitere Retrospektive des international einflussreichen Künstlers mit großflächigen Gemälden läuft ab 4. April im Museum der Moderne in Salzburg.
Auf der Burg in Trenčín fand am Samstagnachmittag vor geladenen Gästen - darunter der Sprecher des slowakischen Parlaments, Richard Raši, und ein hoher Beamter der EU-Kommission, der den verhinderten EU-Kommissar für Kultur, Glenn Micallef, vertrat - die Eröffnungszeremonie statt. Die Abwesenheit von slowakischen Spitzenpolitikern fiel auf, war aber den liberal eingestellten Lokalpolitikern und Organisatoren nicht unangenehm. Denn Premierminister Robert Fico und seine Kulturministerin Martina Šimkovičová attackieren regelmäßig kritische Künstler und Medien.
So erklärte der Bürgermeister der 54.000 Einwohner zählenden Stadt, Richard Rybniček, unter großem Beifall in Anspielung auf die amtierende, autoritär eingestellte Regierung der Slowakei: "Wir Slowaken werden niemals zulassen, dass uns das Recht, in Freiheit, Demokratie und Würde zu leben, jemals wieder weggenommen wird."
Die Entscheidung, Trenčín als zweite slowakische Stadt nach Košice 2013 mit dem Titel "Europäische Kulturhauptstadt" auszuzeichnen, sei vor allem dem Konzept, die Bürger in Programmpunkte einzubeziehen, geschuldet. "Trenčín wird als Europäische Kulturhauptstadt seine Position als offene, freie, tolerante und moderne Stadt festigen", so Rybniček, der an seine Jugend im kommunistischen System hinterm Eisernen Vorhang erinnerte. Gegen das totalitäre System hätten sich damals Künstler wie Václav Havel, nach der Wende 1989 Präsident der Tschechoslowakei, mutig aufgelehnt und so auch den Wunsch der Slowaken und Tschechen, Teil des freien Europas zu werden, kundgetan.
Rybniček mahnte an das Schicksal des Nachbarlandes Ukraine, "dem ein Aggressor sogar das Existenzrecht bestreiten möchte." Gemäß dem Festival-Motto "Erwecken der Neugier" stehe das Voneinander-Lernen durch Dialog im Mittelpunkt.
Der prominenteste anwesende Politiker, der Sprecher des slowakischen Nationalrats, Richard Raši, der als Bürgermeister von Košice 2013 die erste Kulturhauptstadt der Slowakei leitete, hob die Chance hervor, den Reichtum der slowakischen Kultur europa- und weltweit zu zeigen. Die Kosten dafür seien kein bloßer Ausgabeposten, "sondern eine Investition in unsere Zukunft".
Der Chef der selbstverwalteten Region Trenčín, Jaroslav Baška, sagte, dass alle Bewohner von der Kulturhauptstadt profitieren würden. "Trenčín 2026 ist auch für den Tourismus, den Bildungssektor und die Zusammenarbeit wichtig." Und er erwähnte, dass im Dorf Uhrovec in der Nähe von Trenčín gleich zwei berühmte Slowaken - im 19. und 20. Jahrhundert - sogar im selben Haus wohnten: Der Politiker und Kodifizierer der slowakischen Schriftsprache, Ľudovít Štúr, und der ehemalige KP-Chef der CSSR und Begründer des Prager Frühlings, Alexander Dubček.
Der stellvertretende Generaldirektor für Bildung und Kultur in der EU-Kommission, Normunds Poppens, strich die wachsende Bedeutung der Kultur in der EU-Politik hervor. So sei im Vorjahr erstmals eine Gesamtstrategie für diesen Sektor erarbeitet worden. "Wir müssen unsere europäischen Werte, darunter auch die Kultur mit Achtung der Diversität, entschlossen verteidigen", so der hohe EU-Beamte aus Lettland. "Kultur ist auch niemals eine Belastung für das Budget, sondern Lösung und Bereicherung für unser Leben."
Das Budget für die Kulturhauptstadt beträgt 25 Millionen Euro, dazu kommen noch Beiträge der EU für die Infrastruktur der Stadt. So wurden Teile der Altstadt und Teile der Burg erneuert. Auch die Renovierung der 1913 eingeweihten Synagoge im Jugendstil, die in der NS-Zeit nur zum Teil zerstört wurde, wird fortgesetzt, auch mit Mitteln aus Norwegen und Liechtenstein.
"Wir wollen in diesem Jahr einen neuen Blick auf diese alte Stadt ermöglichen, auch wie Künstler uns sehen", erklärt Martin Mojžiš vom Leitungsteam der Kulturhauptstadt im Gespräch mit der APA. Man habe bewusst auf internationale Stars verzichtet, aber neben slowakischen Künstlern auch Kulturschaffende aus anderen Ländern eingeladen. So werden derzeit Künstler aus Japan, der Türkei, Spanien und Portugal in Ausstellungen präsentiert.
Das historische Erbe der Stadt mit der imposanten Burganlage, dem Hauptquartier der Infanterie und der ehemaligen Textilindustrie werde in vielen Projekten nachgezeichnet werden, so Mojžiš, aber stets unter Einbeziehung lokaler Initiativen. Ein Modeatelier mit nachhaltiger Ausrichtung wurde soeben eröffnet. Im Bau ist gerade eine neue Fußgängerbrücke über den Fluss Vah (Waag), auf der auch Cafés, Ateliers und Geschäfte Platz finden sollen. Im Oktober ist das "Altofest"-Festival angesetzt. Dabei werden Künstler und Theatermacher in zehn privaten Wohnungen arbeiten und sich dabei auch von Besuchern beobachten lassen. Insgesamt werden bis Ende 2026 mehrere hundert Kulturprojekte in der Region Trenčín verwirklicht sein.
Am Sonntag endet das Eröffnungswochenende mit zahlreichen Veranstaltungen, darunter die Ausstellung der dänischen Medienkünstlerin Maj Horn und des slowakischen Kollegen Boris Vitázek. Dazu noch eine japanische Musik- und Tanzperformance und ein Konzert des "Spectrum"-Streichquartetts unter dem Titel "Pictures from Slovakia" in der Synagoge.
(S E R V I C E - www.trencin2026.eu )
TRENCIN - SLOWAKEI: FOTO: APA/APA/Archiv Trencin 2026






