„Denk nicht, schau!“ – Wiesbadener Ausstellung würdigt einen der bedeutendsten abstrakten Maler Österreichs
Im März 2026 rückt das Museum Reinhard Ernst (mre) in Wiesbaden einen Künstler in den Mittelpunkt, der als zentrale Figur der abstrakten Malerei Österreichs gilt: Wolfgang Hollegha (1929–2023). Unter dem Titel „Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!“ zeigt das Museum die Deutschlandpremiere seines farbintensiven, oft monumentalen Werkes – in Kooperation mit der Neuen Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum.
Wolfgang Hollegha: Auf Augenhöhe mit dem Abstrakten Expressionismus
Bereits um 1960 feierte Wolfgang Hollegha große Erfolge in New York. Clement Greenberg, einer der einflussreichsten US-amerikanischen Kunstkritiker, sah ihn auf Augenhöhe mit den Protagonist:innen des Abstrakten Expressionismus. Hollegha stellte in den USA unter anderem an der Seite von Helen Frankenthaler, Morris Louis und Kenneth Noland aus.
Als jüngster österreichischer Preisträger des Guggenheim Awards und Teilnehmer der documenta III hätte er eine internationale Karriere in den Kunstmetropolen fortsetzen können. Doch Hollegha entschied sich bewusst dagegen: 1962 erwarb er einen Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert am Rechberg nördlich von Graz und baute sich dort ein Atelier nach seinen Vorstellungen.
In dieser Abgeschiedenheit entwickelte er über sechs Jahrzehnte ein eigenständiges, kraftvolles Œuvre – geprägt von großer Farbsensibilität, gestischer Abstraktion und bildnerischer Freiheit. Dieses Werk ist ab März 2026 im Museum Reinhard Ernst neu zu entdecken. Die Sammlung Reinhard Ernst ermöglicht zudem eine berührende Wiederbegegnung mit Holleghas künstlerischen Weggefährt:innen.
Kunst als Ort der Gemeinschaft: Bilanz und Anspruch des mre
Das Museum Reinhard Ernst versteht sich als Ort, an dem Kunst Gemeinschaft stiftet und bleibende Erlebnisse ermöglicht. Leitend ist der Anspruch, Anlässe für gemeinsames Erleben zu schaffen – gerade in Zeiten, in denen eine lebendige und solidarische Gemeinschaft Halt gibt.
Seit der Eröffnung haben bereits über 220.000 Besucher:innen aus ganz Deutschland, Europa und Übersee das Museum besucht. Besonders bemerkenswert: Mehr als 21.000 Kinder und Jugendliche hatten im mre bereits Begegnungen mit abstrakter Kunst. Damit etabliert sich das Museum als offener Ort kultureller Bildung und generationenübergreifender Erfahrung.
Ein Foto Wolfgang Holleghas in seinem Atelier erinnert zugleich an die andere Dimension künstlerischer Arbeit: die Stille und den Rückzug, die es braucht, damit Neues entstehen kann – und an die Vorstellung, dass ein neues Jahr wie eine weiße Leinwand vor uns liegt.
Ausstellungsvorschau 2026: Hollegha, Reigl und aktuelle Positionen
Mit „Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!“ setzt das Museum Reinhard Ernst im März 2026 einen programmatischen Schwerpunkt: Die Ausstellung würdigt einen der international bedeutendsten abstrakten Maler Österreichs und macht sein Werk erstmals in dieser Form in Deutschland zugänglich.
Im November 2026 folgt mit „Judit Reigl. Couleur vivante“ eine weitere Ausstellung mit historischem Bezug: Sie erinnert an eine Wiesbadener „Sternstunde“. Die deutsch-französische Zusammenarbeit der 1950er Jahre galt als avantgardistisches und mutiges Statement im Nachkriegsdeutschland und trug entscheidend dazu bei, Wiesbaden als Ort für Gegenwartskunst zu etablieren. 70 Jahre später lässt das Museum Reinhard Ernst diese Ausstellung in neuer Perspektive wieder aufleben.
Aktuell lädt die Ausstellung „Helen Frankenthaler moves“ noch bis zum 22. Februar dazu ein, die Bildwelten der amerikanischen Malerin im Dialog mit Jenny Brosinski, Ina Gerken und Adrian Schiess zu erleben. Der Dialog zwischen historischen Positionen und zeitgenössischer abstrakter Kunst bildet damit einen roten Faden im Programm des Hauses.






