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In seiner Graphic Novel mischt Breinbauer Grusel mit Gesellschaftskritik. Die Blutsauger, mit denen die junge Hannah zu tun bekommt, als sie in die Altbauwohnung ihrer Oma einzieht, scheinen einerseits der gesamten Vampirliteratur von "Dracula" bis "Nosferatu", andererseits einem Handbuch "Wie ekle ich Mieter aus dem Haus, um es für ein teures Immobilienprojekt abreißen zu können?" entsprungen zu sein. Das Mietshaus erweist sich nicht nur als bereits fast mieterfreie Bruchbude, sondern auch als Heimstatt eines unheimlichen Nachbarn, der ihre Fantasie stark anregt.
Hannah besorgt sich die einschlägige Vampir-Basisliteratur, die Breinbauer geschickt in seine heutige Story einbaut. Seine farbigen Bilder nutzen in ihrem düsteren Grundton den morbiden Charme der Stadt. So manche nächtliche Verfolgungsjagd führt nicht nur in die Keller, sondern auch in die seit dem "Dritten Mann" weltberühmte Kanalisation Wiens. Nicht minder erschreckend als der "Herr Fürst", der in der Nachbarwohnung kein Schlafzimmer hat, dafür aber seltsam häufig des Nachts in seinem Kellerabteil verschwindet, ist der Vertreter einer Hausverwaltung mit seinen zwielichtigen "Facility-Managern", die eher Rausschmeißer als Helfer sind.
"Jeder Mensch sollte ohne Furcht und ohne Blutsauger seinen Alltag verleben dürfen, in Wien und überall anders auch", schreibt die Politologin Natascha Strobl in einem Nachwort, in dem sie eigene einschlägige Erfahrungen mit Wiener Immobilienspekulanten schildert. Der vampirischen Tradition fügt Breinbauer zumindest zwei neue Details hinzu: Abbilder untoter Blutsauger sind nicht nur im Spiegel, sondern auch in der Digitalfotografie unmöglich. Und auch für Klimts "Der Kuss" hat er eine neue, nicht unwitzige Interpretation, die das berühmte Gemälde in neuem, düsteren Licht erscheinen lässt ...
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - André Breinbauer: "Blutsauger", Carlsen Verlag, 248 Seiten, 28,80 Euro)
HAMBURG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/Carlsen Verlag/Breinbauer/Carlsen Verlag






