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Ferrell, der durch seine schwedische Ehefrau zum Song-Contest-Fan wurde und gemeinsam mit Andrew Steele das Drehbuch verfasst hat, ist als tollpatschiger Isländer Lars Erickssong zu erleben. Seit seiner Kindheit hat er nur ein großes Ziel: den Song Contest zu gewinnen. Eisern verfolgt er dieses Vorhaben mit seinem Duo Fire Saga, das er gemeinsam mit der Jugendfreundin Sigrit Ericksdottir (Rachel McAdams) bildet. Ansonsten kann im heimatlichen Husavik niemand etwas mit der ESC-Liebe der beiden anfangen, schon gar nicht Lars' griesgrämiger, aber äußerst gut aussehender Vater Erick (Pierce Brosnan).
Ferrell und Regisseur David Dobkin ("Die Hochzeits-Crasher") setzen in dem mit zwei Stunden etwas zu lang geratenen Film auf trashige Musikvideos, mörderische Elfen, skrupellose Banker und ein Land, das von seinen ESC-Vertretern nicht gerade viel hält. Allen Unkenrufen zum Trotz schaffen es Fire Saga aber durch die isländische Vorauswahl und reisen nach Schottland zum Song Contest.
In Edinburgh angekommen (wo 1972 übrigens tatsächlich ein ESC über die Bühne ging), wird "The Story of Fire Saga" schließlich zur liebevollen Hommage an den Gesangswettbewerb, mit den obligatorischen parodistischen Elementen. Immerhin haben Ferrell und Co durch Dreharbeiten in der Song-Contest-Halle von Tel Aviv 2019 viel Originalflair der Veranstaltung einfangen können, bis hin zu etlichen fiktiven Auftritten, die man sich so durchaus auch beim echten Bewerb vorstellen könnte.
Aber was wäre ein Film über den Song Contest ohne echte Teilnehmer? Alexander Rybak, Salvador Sobral, Loreen, Jamala und Netta, sie alle kommen hier zu ihren (zugegebenermaßen kurzen) Ehren. Aus österreichischer Sicht darf aber vor allem ESC-Queen Conchita in diesem bunten Reigen nicht fehlen. Außerdem trifft man noch auf den britischen Song-Contest-Kommentator Graham Norton sowie Wiwi-Blogger William Lee Adams, die dem Film damit gewissermaßen ihren Segen geben. Eigentlich kein Wunder, ist doch auch die European Broadcasting Union als Veranstalterin des ESC bei "The Story of Fire Saga" produzierenderweise mit an Bord.
Dieser Umstand verhindert dankenswerterweise nicht den ein oder anderen indirekten politischen Kommentar, was beim eigentlichen ESC ja ein No-Go wäre. So übernimmt der russische Kandidat und Mitfavorit Alexander Lemtov (herrlich überdreht: Dan Stevens) nicht nur die Bösewichtrolle (sofern es Bösewichte beim Song Contest überhaupt gibt), sondern erwidert auf Sigrits Frage, ob er nicht doch schwul sei, völlig entgeistert: "Natürlich nicht. Ich bin Russe!" Russland war in den Jahren vor seinem Ausschluss 2022 im Zuge des Ukraine-Krieges immer wieder durch homophobe Äußerungen im Zusammenhang mit ESC-Kandidaten aufgefallen.
Letztlich sind die ernsten Untertöne aber naturgemäß in der Unterzahl, gilt für die Netflix-Produktion doch die Maxime: Größer, bunter, schräger. Dabei steckt im Kern die Liebesgeschichte zwischen Lars und Sigrit, untermalt eben von fahnenschwingenden Song-Contest-Fans und so ziemlich jedem Klischee, das man über den Wettbewerb im Kopf hat. Spaß macht "The Story of Fire Saga" in jedem Falle - und kann damit als perfekte Einstimmung in die Wiener ESC-Woche dienen.
(Von Christoph Griessner/APA)
(S E R V I C E - www.netflix.com/at/title/80244088 )
EUROVISION SONG CONTEST: The Story of Fire Saga- (L-R) Will Ferrell as Lars Erickssong, Rachel McAdams as Sigrit Ericksdottir. Cr. Elizabeth Viggiano/NETFLIX © 2020.






