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Der Autor hat nicht nur Erzählkraft, als angesehener Strafverteidiger verfügt er auch über Einblick in die schwedische Unterweltszene und die Gesetzeslage. Lapidus schreibt nicht so düster wie etwa sein norwegischer Kollege Jo Nesbø, aber bei Bedarf durchaus explizit. Gewalt wird ebenso wenig geschönt dargestellt wie die Probleme des Landes mit Bandenkriminalität und ihren Ursachen. "Stockholm Blues" verhandelt aktuelle Themen, eingebettet in eine unterhaltsame, gut durchdachte Story, fallweise durchaus glaubhaft, fallweise wie Popcornkino (vor allem gegen Ende) - eine gute Mischung.
Im Mittelpunkt stehen mehrere Personen aus dem Umfeld des Kriminellen Teddy Maksumic, die Kapitel sind abwechselnd aus deren Sicht erzählt. Das ergibt jede Menge Cliffhanger am jeweiligen Übergang. Teddy war bereits Anti-Held in den Büchern "Schweigepflicht", "Kreuzverhör" und "Mr. One" von Lapidus, man findet sich in "Stockholm Blues" jedoch als Neueinsteiger in diesen Kosmos sofort zurecht. In kleinen Happen werden ausreichende Informationen zu den Vorgeschichten eingestreut.
Es tut sich viel: Teddy, der acht Jahre Haft abgebüßt hat, betreibt einen Dealerring. Für den neuen Mr. One der Stockholmer Unterwelt soll er dessen Rivalen töten, aber der ist ein alter Freund. Der minderjährige Max, Sohn des ehemaligen Mr. One und Mörder von Teddys Neffen, flüchtet unterdessen aus dem Jugendgefängnis. Teddy ist zwischen Rache und Vergebung hin und her gerissen, während die von ihm getrennt lebende Mutter seines Sohnes einer Spur nachgeht, die nicht neue Erkenntnisse über den angeblichen Krebstod von Teddys Mutter liefert und dunkle Machenschaften offenbart. Aber das ist noch lange nicht alles.
Der "Stockholm Blues" ist eine Ballade über Sünden der Gegenwart und Vergangenheit, die Menschen einholen, prägen und in eine ausweglose Spirale reißen. Lapidus tischt eine aus vielen Zutaten, aber nie zerrissene und stets logische Story auf und zeichnet gleichzeitig ein umfassendes Bild der dunkelsten Seiten der Gesellschaft. Ein Kampf um Macht und Geld, skrupellos und zynisch betrieben, trifft auf die Folgen. "Dög Man Walking", so der Originaltitel, sei sein bisher bestes Werk sagt der Autor in einem auf YouTube abrufbaren Interview. Denn damit habe er es geschafft, das innere Dilemma von Teddy auf den Punkt zu bringen. Recht hat er.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - Jens Lapidus: "Stockholm Blues", aus dem Schwedischen von Max Stadler, btb Verlag, 544 Seiten, 19 Euro)






