Festspielkuratorium beriet stundenlang vor allem über das Bauprojekt "Festspielprojekt 2030" - Gesprächsangebot wurde von Hinterhäuser angenommen - "Zeitnahes" Gespräch geplant
Über die künftige künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele gibt es weiter keine Gewissheit. Man bereite die Ausschreibung der Intendanz vor, doch Intendant Markus Hinterhäuser habe das an ihn gerichtete Gesprächsangebot aufgegriffen, sagte Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) als Kuratoriumsvorsitzende am Freitagnachmittag nach der am 26. Februar unterbrochenen und heute wiederaufgenommenen Sitzung des Festspielkuratoriums. "Es wird zeitnahe ein Gespräch geben."
Der Termin werde mit den jeweiligen Rechtsvertretern abgestimmt, so Edtstadler, die auf Nachfrage die unterschiedlichen Standpunkte präzisierte: Für das Kuratorium ende Hinterhäusers Vertrag mit 30. September 2026, der Intendant gehe von einem rechtsgültigen Vertrag bis 2031 aus. "Den Gesprächen kann ich nicht vorgreifen", so die Kuratoriumsvorsitzende am Ende der achtstündigen Sitzung, in der offenbar vor allem über das baulichen Großprojekt "Festspielbezirk 2030" gesprochen wurde, bei dem es, so Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), auch noch keine Entscheidungen zu den Interimsspielstätten gebe.
Es gehe um eine "Lösung zum Wohle der Festspiele" und darum, die Salzburger Festspiele "aus den Negativschlagzeilen zu bringen", betonte Edtstadler, die anfangs die Festspiele als "Ort des Humanismus und der Menschlichkeit" rühmte, dessen Geist es zu bewahren gelte, und gegen Ende der Pressekonferenz auf Nachfrage präzisierte, was sie unter "zeitnahe" im Bezug auf das Hinterhäuser-Gespräch verstehe: "Sehr zeitnah. Spätestens im April." Vorbereitet wird jedenfalls auch die Ausschreibung für das Amt des Festspielpräsidenten bzw. der -präsidentin. Der Vertrag von Präsidentin Kristina Hammer läuft zu Jahresende aus. Die Frage der Schauspielleitung, die Auslöser für die Verwerfungen der vergangenen Monate war, sei heute kein Thema gewesen, hieß es, doch es werde wieder eine Schauspielleitung geben.
Großes Festspielhaus zwei Jahre gesperrt
Beschlossen wurden heute vom Kuratorium die Arbeiten für den Hohlraumbau, also die Zufahrt im Mönchsberg vom Neutor-Tunnel und die weitere Aushöhlung zur Erweiterung des Großen Festspielhauses. Hier sollen die Arbeiten bereits heuer im Herbst beginnen, sagte Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ). Und geklärt werden konnte auch die Frage, ob man durch Verschiebung von Arbeiten mit einer einjährigen Sperre des Großen Festspielhauses auskommen könne. Diese Frage wurde von den Experten aber verneint, das sei baulich nicht machbar. Das heißt, dass nach dem Festspielsommer 2028 das Haus für zwei Jahre nicht bespielbar sein wird.
Noch nicht festgelegt hat sich das Kuratorium auf die Fläche, wo eine Ersatzspielstätte für diese beiden Jahre errichtet werden soll. In Frage kommt ein Areal bei der Stieglbrauerei im Stadtteil Maxglan oder eine Fläche auf den Gründen von St. Peter im Salzburger Nonntal. Die Salzburgarena beim Messezentrum ist laut Auinger kein Thema als Ersatzspielstätte, sehr wohl könnten aber vielleicht einzelne Produktion dort zur Aufführung gebracht werden.
"Jede Jugendherberge komfortabler"
Zur Veranschaulichung über die Notwendigkeit der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten wurden die Kuratoriumsmitglieder heute auch durch die Festspielhäuser geführt. "Ich glaube, das war für alle sehr, sehr ersichtlich - inklusive eines tollen Geruchs in den Duschen für die Künstlerinnen und Künstler: Jede Jugendherberge ist durchaus komfortabler, möchte ich auch sagen", resümierte Auinger.
Und Sektionschefin Theresia Niedermüller berichtete, dass aktuell eine Prüfung des Bauprojektes Festspielbezirk 2030 durch den Rechnungshof stattfindet. "Das ist ein durchaus üblicher Vorgang bei solchen komplexen und großen Projekten, dass schon vor Abschluss auch der Rechnungshof begleitend prüfen kann. Es ist ja auch gesetzlich so vorgesehen. Wir sehen dieser Prüfung gelassen entgegen."
Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) ließ der APA im Anschluss ein kurzes Statement zukommen: "Das Kuratorium hat mich informiert, dass es zeitnah Gespräche des Kuratoriums mit Herrn Hinterhäuser geben wird. Ich begrüße, dass alle das Wohl der Salzburger Festspiele als herausragende Kulturinstitution in den Mittelpunkt stellen und an einer gemeinsamen Lösung arbeiten."
*Glosse von Heinz Sichrovsky zum aktuellen Geschehen:
Die Kuratoriumssitzung ist also erwartungsgemäß ergebnislos verlaufen. Die angekündigten Gespräche mit dem skandalös aus dem Amt gepöbelten Intendanten Markus Hinterhäuser dürfte wohl dessen Anwalt führen. Es geht um glatten Vertragsbruch des Kuratoriums, also um mindesten drei Jahresgehälter bis 2029. Dass Hinterhäuser das angebotene Gnadenjahr 2027 noch im Amt verbringen könnte, erscheint unwahrscheinlich: Das gesamte Offert war ja nichts anderes als der Versuch, ihn mittels eines faulen Kompromisses von der Klage auf Einhaltung seiner Rechte abzuhalten. Er wird also wohl im September 2026 aus dem Amt scheiden.
Aber ein Resultat hat die Sitzung doch erbracht: Die feinsinnige Landeshauptfrau will die Causa bewährterweise per Geilomobil durch die Instanzen jagen. Kein Übergangsintendant, sondern gleich der nächste Amtsinhaber wird per Ausschreibung gesucht! Sie meinen, einen binnen Jahresfrist verfügbaren Kapazunder, der aus der Hüfte einen weltmarktführenden Kulturbetrieb übernehmen könnte, würde man nicht finden? Weil solche Herrschaften üblicherweise in langfristig aufrechten Vertragsverhältnissen stehen und sich auf keine windigen Abenteuer einlassen? Da kennen Sie die Landeshauptfrau schlecht. Hat sie nicht schon im Vorjahr angemerkt, der vom „Heimatverein alte Linde“ ausgerichtete „Faistenauer Jedermann“ wäre für den Domplatz genauso geeignet wie der derzeit gezeigte? Der hohe Favorit für die Intendanz scheint damit festzustehen: Rechnen Sie mt dem Vereinsobmann Johann Strübler jun., der dann bloß den Job als Gemeindeschulwart aufgeben müsste.





