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Neues Stubnblues-Album: Frischer Stil, bewährte Haltung

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Die Band mit Stefan Schubert (2.v.r.) und Camillo Jenny (ganz l.)
©Nu a Sattele Records, Wolfgang Lienbacher, APA
Der Stubnblues war viele Jahre lang untrennbar mit Willi Resetarits verbunden. Nach dem Tod ihres Spiritus Rector 2022 hat sich die Band neu formiert und nennt sich nun Stubnblues 2punkt0. Mit "Wesenheiten" veröffentlicht die Truppe nun ihr zweites Album nach Neugründung. "Es darf wieder ein bissl lauter und rockiger sein", beschreibt Stefan Schubert, so etwas wie der neue Kapellmeister des Sextetts, den Stilwechsel. Die Resetarits'sche Haltung präge die Combo aber weiterhin.

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Stubnblues war eines jener Projekte, denen sich Resetarits nach seiner "Ostbahn Kurti"-Ära schwerpunktmäßig widmete. Mehrere Platten veröffentlichte er mit dem Dialekt-Musik-Kollektiv - die letzte, mit "Elapetsch" betitelte, beschäftigte sich ausgerechnet mit dem Tod. Einige Monate später kam der Sänger bei einem Unfall bei sich zu Hause ums Leben. "Das war ein Schock. Aber ich habe mir schnell gedacht: Die Musik muss weitergehen", erinnert sich Langzeitkollege und -freund Schubert im APA-Interview. Das sahen nicht alle in der Band so. Übriggeblieben ist am Ende schließlich nur der nunmehrige Haupttexter und -sänger, der die Combo kurzerhand komplett neu gründete, ihr dabei den etwas sperrigen Zusatz 2punkt0 - bewusst ausgeschrieben - gab und 2024 mit der Platte "Wo da Rauch hiziagt ...", die sich noch sehr um den Verlust des großen Willi Resetarits drehte, ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufschlug.

Entwickelte sich der Stubnblues alt gegen Ende sehr in Richtung Jazz, Soul und Kunstlied, geht man es jetzt also wieder lauter und rockiger an. "Man darf das Schlagzeug wieder hören", beschreibt es Schubert. Das dürfte vor allem Camillo Jenny freuen, den Perkussionisten der Formation und mit Abstand deren jüngstes Mitglied. Was hat ihn gereizt, bei der Neugründung dabei zu sein? "Ich bin ein Lieder-Fan", sagt er. "Es gibt nicht so viele Bands - zumindest nicht in meiner Bubble -, wo das Lied das zentrale Gut ist. Man richtet sich als Musiker nach den Bedürfnissen eines Liedes. Das ist eine Herangehensweise, die mir sehr taugt", erklärt der Halb-Argentinier. Außerdem würden beim Stubnblues 2punkt0 "super Leute" mit "geilen Instrumenten" spielen: "Das kriegt man nicht so oft". Neben Schlagwerker Jenny und Schubert (Gesang und Gitarre), die laut Eigenbeschreibung auch so etwas wie das künstlerische Projektmanagement über haben, sind Hubert Hofherr (Gesang und Mundharmonika), Bina Blumencron (Gesang), Marlene Lacherstorfer (Bass) und Markus Marageter (Tasteninstrumente) mit an Bord.

Zehn von ursprünglich 17 ausgearbeitete Nummern haben es schließlich auf das aktuelle Album, das am Freitag erscheint, geschafft. "Man kocht es ein, wie ein Gulasch", zieht Jenny kulinarische Vergleiche: "Dann wird's intensiver. Und wenn das eine oder andere so grad ein bissl anbrennt - auch nicht schlecht."

Die Stücke changieren hauptsächlich zwischen getragenem Folk, groovigem Blues und bodenständigem Pop. Wobei Schubert der Truppe große musikalische Offenheit attestiert: "Der Kreativität soll kein stilistisches Korsett erschwerend angelegt werden." Stubnblues sei sowieso weniger Musikstilbeschreibung, sondern stehe vielmehr für "eine sehr stark von Willi geprägte Philosophie, die auch in der neuen Formation präsent sein soll: Humanismus und ein Bekenntnis zur Empathie".

Sprachlich bewegt man sich seit jeher in der Dialekt- oder Mundartpoesie. "Textlich sind wir sehr streng mit uns", betont Schubert, der für die neuen Songs viele der Lyrics geschrieben hat. Neben viel Persönlichem sollte jedes Lied auch politische oder gesellschaftliche Relevanz haben. In "Es is Zeit" - Text und Musik vom Bandleader himself - gibt es viele Pointen und kein Pardon gegenüber irgendwem. "An den Musk, an den Trump, an den Zuckerberg / an den Mateschitz, an den Gummizwerg. / An die Zahnfee, an die ÖVP / an den Putinbeidl und den Gabalier", singt Schubert. "Revolution - bitte schleicht's Euch", konkretisiert er im Gespräch seine Botschaft.

"Das Lied ist in einer Nacht entstanden. Ich hatte dieses Blues-Lick und hab mir gedacht: Jetzt keinen Bluestext - nichts über Liebe oder starke alkoholische Getränke -, sondern was Politisches." Dass der Humor durchblitzt, ist dem Künstler bei aller Message wichtig, "weil man damit schneller die Herzen der Menschen erreicht als mit dem Ton-Steine-Scherben-Ansatz", der eher belehrend daherkomme. "Deswegen kommt eben auch die Zahnfee vor."

Songs wie "I geh jetz" und noch viel mehr "Ois ob mi kaana kennt" handeln vom Ausbrechen aus einem in Routinen festgefahrenen Leben. Letzteres ist aus der Feder von Jenny. "Der Trott, das Hamsterrad, dieses stupide Sich-im-Kreis-Bewegen war für mich immer etwas Bedrohliches", reflektiert der Schlagwerker. Auch er als Künstler sei davor nicht gefeit. Man richte sich ein in seinen Bequemlichkeiten, "in denen ich dann nicht gewillt bin, anstrengende Dinge zu tun wie für andere Leute einzustehen oder an gewissen Stellen Stopp zu sagen".

Spitzbübisch kommt das rumpelnde "Aane zfüh" daher, geschrieben von Hubert Hofherr. Dessen Blues-Harp und Jennys Schlagzeug haben hörbar Spaß in dieser rudimentären und auf ihre Art trotzdem runden Nummer. "Es geht um zwei Damen, die um den Hubert rittern", fasst Bandchef Schubert das Kleinod lakonisch zusammen.

Lyrischer Säulenheiliger für den Stubnblues ist seit jeher H. C. Artmann. Für "Wesenheiten" haben Schubert und Jenny gemeinsam "Waun i schdeam soit" in eine Melodie gegossen - ein Gedicht, das schon Helmut Qualtinger und Ernst Kölz vertont haben. "Gott sei Dank habe ich nicht gewusst, dass es eine Qualtinger-Version gibt. Sonst hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gemacht", meint Stefan Schubert, danach gefragt, ob die Latte da nicht sehr hoch gelegen sei. "Ich hab' sie mir bis jetzt nicht angehört", ergänzt Camillo Jenny. Der Artmann-Text findet sich im berühmten Band "med ana schwoazzn dintn". "Ich habe darin geblättert und nach Musik in den Gedichten gesucht. Die leichten sind ja alle schon weg", lacht Schubert mit Verweis darauf, dass sich die Truppe zu Resetarits-Zeiten schon ordentlich an der Artmann'schen Poesie bedient hat.

Was den Arbeitsprozess anbelangt, setzt man auf flache Hierarchien. Jeder in der Gruppe sei eingeladen, Songs zu schreiben oder an Ideen mitzuarbeiten. "Der Gedanke ist, unterm Strich das Beste aus der Band rauszuholen", erklärt Schubert. Liedskizzen oder -gerüste werden allein oder zu zweit so weit es geht vorproduziert und dann vom Rest vervollständigt. "Wir sind zu zerstreut und zu viele Leute, dass wir es organisatorisch und zeitlich hinbrächten, uns für lange Sessions zu treffen", ergänzt Schlagzeuger Jenny.

Immerhin hat das Sextett es geschafft, sich ein paar Konzerttermine freizuschaufeln. Auf der anstehenden Tour, die am heutigen Dienstag im Wiener Stadtsaal los geht, werden die neuen Stücke auf der Bühne präsentiert, wobei die Lieder sich beim Live-Spielen noch einmal ändern würden - zum Besseren, wie die beiden Musiker versichern. Sie klängen dann zuweilen "schlüssiger". "Tatsächlich wäre es viel sinnvoller, das Album erst nach der Tour aufzunehmen", witzelt Schubert: "Das Problem ist, dass wir es dann bei den Auftritten nicht verkaufen können. Aber musikalisch wär's eigentlich g'scheiter."

(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)

(S E R V I C E - https://stubnblues2punkt0.at/ )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Nu a Sattele Records/Wolfgang Lienbacher/Wolfgang Lienbacher

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