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Aufstieg zum umjubelten Opernstar, erfolgreiche Popausflüge, eine überstandene Krebserkrankung, MeToo-Vorwürfe und seltentreue Fans, die ihrem Star einst an der Wiener Staatsoper einen Applaus von über einer Stunde und rund 100 Vorhänge bescherten - das Leben von Plácido Domingo war reich an Wendungen.
Abgesehen von ihren Dimensionen war die Bühnenkarriere Domingos aber nicht wirklich überraschend, entstammt der Madrilene doch einer musikalischen Familie, in die hinein er am 21. Juni 1941 geboren wurde. Seine Eltern waren Zarzuela-Sänger, also gleichsam Meister der spanischen Variante der Operette. Als der junge Plácido acht Jahre alt war, wanderte die Familie nach Mexiko aus, wo er seine musikalische Ausbildung erhielt. Sein persönliches Debüt feierte er folgerichtig auch 1961 an der Musikbühne von Mexico City als Alfredo in Verdis "La Traviata".
Den internationalen Durchbruch schaffte Domingo aber 1968 an der Metropolitan Opera in New York. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg, der den Sänger an alle bedeutenden Opernhäuser der Welt führe, zu den zentralen Festspielen dieses Planeten und zu einem Rollenrepertoire, das mittlerweile jenseits der 150 Partien liegt. Dabei überstand der Tenor auch den Rückwechsel ins Baritonfach im gesetzteren Alter, hatte Domingo doch anfangs seine Karriere in der tieferen Stimmlage begonnen und war nach Jahrzehnten des tenoralen Erfolges ab Mitte der Nullerjahre sukzessive wieder zum Bariton zurückgekehrt.
Wie nur den Wenigsten gelang dem Künstler auch das Wechselspiel aus populären Formaten, der Anknüpfung an opernferne Publikumsschichten und der ungeminderten Bespielung der Hochkultur. Domingo bildete mit Luciano Pavarotti und José Carreras gemeinsam die Drei Tenöre und füllte die Stadien, war bei Christmas in Vienna zu erleben oder nahm Songs mit Popstars wie Diana Ross, Zaz oder Xavier Naidoo auf.
Zugleich blieb Domingo als "seriöser" Opernstar von derlei Ausflügen unbeschadet und als Lichtgestalt lange unumstritten - bis 2019 im Zuge der MeToo-Debatte zahlreiche Personen dem Künstler unangemessenes Verhalten und mehrere Frauen ihm unerwünschte Zudringlichkeiten vorwarfen. Domingo gab damals seinen Posten als Opernchef in Los Angeles auf, den er seit 2003 innehatte, und entschuldigte sich ohne konkretes Schuldeingeständnis 2020 allgemein. Aggressionen oder karriereschädigendes Verhalten gegenüber anderen Künstlern stellte er dabei in Abrede.
Dem Zuspruch des Publikums tat dies aber weitgehend keinen Abbruch, und so ist der Vieldekorierte, der 2009 zum ersten Preisträger des mit einer Million Dollar dotierten Birgit-Nilsson-Preises wurde, 2013 den vom japanischen Kaiserhaus initiierten Praemium Imperiale und 2020 den Österreichischen Musiktheaterpreis für sein Lebenswerk erhielt, nach wie vor auf den Bühnen dieser Welt zu erleben - oder in deren Stadien. So ist die nächste Gelegenheit, Plácido Domingo live in Österreich zu hören, der 7. Juni - wenn der 85-Jährige zum Finale des Summeropenings im Planai Stadion in der Steiermark in luftige Höhen zu einem neuerlichen Höhepunkt in dieser Ausnahmekarriere lädt.
(S E R V I C E - www.placidodomingo.com/)





