Timna Brauer macht die ikonische Villa ihres Vaters der Öffentlichkeit zugänglich und dokumentiert sie in einem Prachtband. Im Interview nimmt Arik Brauers Tochter leidenschaftlich für ihre Zweitheimat Israel und gegen den woken Antisemitismus Partei.
Frau Brauer, schildern Sie uns die letzten Stunden ihres Vaters im Dezember 2021?
Die Corona-Pandemie war gerade im Abklingen, es war ohne Umarmen keine leichte Zeit gewesen für unsere haptische Familie. Mein Vater ist im Kreis der Familie von uns gegangen. Abschiednehmen ist ja eine intensive Geschichte, und es war für mich das erste Mal, dass ich jemandem beim Sterben begleitet habe. Wir waren alle da, meine Mutter, die drei Töchter und alle Enkel aus Wien und Israel. Er war ja so eine Art Stammesführer, wie wir alle eine Art Sippe sind.
Meine Mutter hat noch drei Jahre gelebt, aber es war für sie kein lustiges Leben mehr. Sie war ja immer für ihn da. Das war ihr Wesen, aber auch ihr Background. Meine Großmutter war ja noch verschleiert. Meine Mutter hatte eine Karriere als Sängerin hebräischer Lieder und jemenitischer Folklore. Aber ihr Leben war ,Ehefrau, Hausfrau und Mutter zu sein. Dieser Beitrag sollte von der Gesellschaft als eines der wichtigsten Berufe gewürdigt und dementsprechend bezahlt werden.
Als Ihre Mutter gestorben ist, waren Sie Erbin der Villa. Waren Sie gleich entschlossen, sie weiterzuführen?
Ich hätte sie leicht an eine Botschaft vermieten und in die Karibik fahren können. Bewohnen wollte ich sie nicht, ich habe ja ein eigenes Reich in einem Dornbacher Heurigen. Also wollte ich sie zugänglich machen. Meine Eltern haben sie gemeinsam zum Gesamtkunstwerk gemacht.
Mein Vater hat bis zum Schluss Skulpturen für den Garten geschaffen, darunter den brüllenden Hitler mit der Trommel auf dem Kopf, auf die man fest schlagen soll. Also habe ich nur das Nötigste machen lassen, Licht und Sicherheit betreffend, und sonst nichts verändert.
Sie leben ein Drittel des Jahres an Ihrem Zweitwohnsitz im muslimischen Viertel von Jaffa südlich von Tel Aviv. Wie darf man sich dieses Leben vorstellen?
Ich lebe zwar nicht bewusst als Teil einer Minderheit, aber de facto bin ich es dadurch sowohl in Wien als auch im Land meiner Väter. Die Kultur ,unserer Cousins’, der Araber, mit denen wir laut Altem Testament verwandt sind, ist aber ein fester Bestandteil der pluralistischen israelischen Gesellschaft. Durch die ständigen Kriege ist hier alles volatil, aber noch fühle ich mich hier als Außenseiterin wohl, auch wenn es immer wieder herausfordernd ist.
Seit dem Regimewechsel im Iran ist im ganzen Nahen Osten ein religiöser Eifer ausgebrochen, alle Frauen haben sich verschleiert bis vollverschleiert, und es gibt auch immer wieder und Ehrenmorde. Als alleinstehende Frau, die Fahrrad fährt, laute Gesangsübungen macht und im Bikini am Balkon Skulpturen erschafft, falle ich natürlich auf.
Der Kontrast zu meinem Leben in Wien ist enorm, aber es zieht mich doch immer wieder hin, durch meine Kindheit bei meinen jemenitischen Großeltern ist mir diese Mentalität vertraut. Ein einziges Mal aber hat mich hier tatsächlich ein Wütender „from the river to the sea“-Typ beschimpft, aber es gibt hier auch Araber, die Netanjahu-Wähler sind. Es gibt hier alles, und das macht es spannend. In Ostjerusalem ist die Stimmung aber ganz anders, dort lässt man dich doch spüren, dass Du nicht willkommen bist.
Wie konkret und deklariert ist in bestimmten Gesellschaften der Judenhass?
Obwohl im Koran eindeutig steht, dass das Land Israel den „Bani Israel“, also den Kindern Israels gehört, gibt es in den Hadithen viele Stellen, die zum Mord der Juden aufrufen, weil sie Mohammed als Propheten nicht anerkannt haben. Die NS-Rassenideologie hat sich dann ab den 20ger Jahren wie ein Lauffeuer im Nahen Osten verbreitet und bis heute ist „Mein Kampf“ in allen Nachbarländern von Israel ein Bestseller, in Gaza gab es einen Kleidershop mit dem Namen Hitler.
Der Mufti von Jerusalem, Amin al Husseini kollaborierte bei der sogenannten Endlösung der Juden mit Hitler und plante ein Krematorium in Nablus. Während mein Vater in Wien den Judenstern tragen musste, trug meine Mutter als Kind in Tel Aviv eine Diskette mit ihren Personalien um den Hals, damit man sie identifizieren kann, falls sie ermordet wird. Gott sei Dank wurde der Afrikafeldzug von Rommel rechtzeitig von den Engländern gestoppt.
Dass das jüdische Volk nach 2000 Jahren wieder in seinem historischen Land einen souveränen Staat hat, ist für die muslimische Psyche eine Beleidigung
Israel lässt sich nichts zuschulden kommen?
Wir haben in Israel natürlich auch unsere Extremisten, unsere Rassisten, und es ist zu bedauern, dass einige von ihnen sogar in der Regierung sind. Aber sie können auch abgewählt werden und sind eine Minderheit, es ist absolut nicht die Mehrheitsmeinung. Bei unseren arabischen Nachbarn hingegen ist die Gesellschaft als Kollektiv antisemitisch bis extrem antisemitisch, so wie es auch früher in Europa selbstverständlich war. Es beginnt in der Familie und in den Schulbüchern, und dann an den Unis, in den Medien und in der Politik.
Dass das jüdische Volk nach 2.000 Jahren wieder in seinem historischen Land einen souveränen Staat hat, ist für die muslimische Psyche eine Beleidigung. Mit den Feinden Mohammeds Frieden zu schließen wäre demnach für viele Hochverrat, Juden müssen Dhimmis bleiben, wehrlose Ungläubige zweiter Klasse. Auch für die Kirche war Israel übrigens schwer zu schlucken, die Gottesmörder sollten doch für ewig verflucht und heimatlos bleiben, insofern hat der Vatikan Israel erst Ende 1993 (!) anerkannt.
Ihr Vater hat die antisemitische Eskalation speziell bei uns seit Längerem prophezeit, nicht?
Ich bin froh, dass mein Vater den 7. Oktober nicht erlebt hat. Es hätte ihn zerbrochen. Er hat zwar schon 2015 so etwas prophezeit, und viele waren schockiert, weil es politisch unkorrekt war. Aber er hat immer alles beim Namen genannt. „Zuerst bringen sie sechs Millionen um, und dann holen sie sich eine Million Antisemiten ins Land“, meinte er.
Er hat uns Töchtern immer wieder nahegelegt, dass wir uns gar nicht vorstellen können, was es bedeutete, ein Jude zu sein, bevor es den Staat Israel gegeben hat. Nach dem Anschluss von Österreich an Nazi-Deutschland war er seinen Peinigern völlig ausgeliefert, er durfte sich nicht wehren. „Heute, wenn mir einer blöd kommt kriegt er eine Atombombe ins Gesicht“, nach dem Motto von Golda Meir: Lieber bin ich gehasst als tot. Seit es den Staat Israel gibt, ist der Antisemitismus das Problem der Antisemiten, meinte mein Vater.
Wie ist es möglich, dass der Antisemitismus nach dem Massaker vom 7. Oktober derart eskaliert ist?
Für mich als Diaspora-Jüdin und erste Generation von Shoa-Überlebenden war der 8. Oktober ’23 psychisch fast genauso schlimm wie der 7.Oktober. Die Israelis hatten noch nicht die innerhalb von vier Stunden verstümmelten und lebendig verbrannten Leichen ihrer Angehörigen identifizieren können, und schon stürzte sich der Mob, vor Freude mit Zuckerln zum Verteilen, auf die Straßen in Ramallah, Neukölln und New York, um Israel zu dämonisieren.
Die Ideologische antisemitische Seuche ist nicht erst als Reaktion auf die spätere militärische Verteidigung Israels gegen die Hamas ausgebrochen, es passierte schon am nächsten Tag. Für mich ist da schon eine Welt, ein ganzes Weltbild zusammengebrochen. Aber ich bin froh, denn dadurch habe ich geistige Klarheit gewonnen.
Viele Linke und Grüne scheinen das dschihadistische Denken gutzuheißen. Auch einige Leitmedien schließen sich an
Und die Linke demonstriert vorne mit.
Viele Linke und Grüne scheinen das dschihadistische Denken gutzuheißen. Auch einige Leitmedien schließen sich an. Es ist eine suizidale Empathie im Trend. Offenbar ist man auch erleichtert, die Verantwortung für die Shoa an die Juden weiterreichen zu können. Auch die Islamophobie, die man Menschen vorwirft, die sich um die europäische Kultur Sorgen machen, ist absurd. Erstens wird man ja wohl Angst vor etwas haben dürfen, eine Phobie ist daher nichts Verwerfliches. Aber indem man diesen Menschen eine Phobie, also eine imaginäre und irrelevante Angst, vorwirft, nimmt man ihre Sorge nicht ernst und wundert sich, wenn sie dann rechtsextrem wählen.
Die vielen jungen Leute, die ihre politische Bildung aus TikTok beziehen, haben keine Ahnung, um was es wirklich geht, die meisten Menschen der Welt wissen gar nicht, wie Komplex die Lage im Nahen Osten wirklich ist. Aber diese ignoranten Massen werden von den Drahtziehern als sogenannte „useful idiots“ instrumentalisiert. Es ist eine Ideologie des Judenhasses, alle antisemitische Register aus dem Mittelalter werden gezogen, es geht den Aktivisten nicht um das tatsächliche Leid der Palästinenser, ich glaube es ihnen einfach nicht.
Diese Aktivisten gehen nicht demonstrieren, wenn es um die wieder eingeführte Sklaverei im Jemen oder massakrierte Zivilisten in Drusen Dörfern geht, no jews, no news. Wo sind die Leute auf der Straße, wenn die iranische Bevölkerung massenweise ermordet wird? No jews, no news. Wie sagte es der palästinensische nationaldichter Mahmoud Darwish der israelischen Journalistin Helit Yeshurun so pointiert: „Die Welt interessiert sich für unser Schicksal als Palästinenser nur, weil ihr Juden unsere Feinde seid.“
Gibt es auch Palästinenser, die dagegenhalten?
Sicher. Ich interessiere mich viel mehr als so mancher Aktivist für meine arabischen Nachbarn, lebe unter ihnen, gehe in den Dialog, lerne ihre Sprache und ihre Kultur, veranstalte nach wie vor Friedenskonzerte mit palästinensischen Musikern aus Ostjerusalem oder Österreich und liebe meine muslimische Schwiegertochter. Ich kann so manches erzählen, und auch sehr viel Gutes.
Die wirklichen Helden sind ja für mich diejenigen, die es gewagt haben, aus dem strengen muslimischen Korsett der Hamas-Ideologie auszubrechen und dafür einen hohen Preis zu zahlen. Den Preis, von ihrer Gemeinde oder sogar ihrer Familie als Verräter verfolgt und verbannt zu werden. Sie sind es, die darauf hinweisen, wer eigentlich für den Tod der vielen Zivilisten in Gaza verantwortlich ist.
In jedem Krieg flüchtet die Zivilbevölkerung in Nachbarländer. Ägypten hat aber trotz seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen am 8. Oktober die Grenze dicht gemacht und somit ihre arabischen Brüder im Stich gelassen. Die Hamas hat mit Geldern aus der EU den größten unterirdischen Bunker der Welt gebaut und dort keinem einzigen Zivilisten Schutz gewährt. Der Tod Ihrer Bevölkerung war kalkuliert, Strategie, die Menschen werden als Schutzschilder missbraucht.
Diese mutigen muslimischen Araber sind es, die darauf hinweisen, dass Israel seine Soldaten opfert, indem man sie als „Boots on the Ground“ in die urbane Schlangengrube schickt, um zivile palästinensische Opfer soweit es geht zu vermeiden. Nur ein Imperium wie Russland oder die USA kann sich einen reinen Luftkrieg leisten, bei dem einfach alles von oben platt gemacht wird. In Syrien war es so und niemand hat dagegen demonstriert.
Sie erzählen die Geschichte von nach Israel geflüchteten Homosexuellen, die lieber im Untergrund in Tel Aviv am Strich leben, als zu Hause gelyncht zu werden. Sie weisen darauf hin, (von wegen „Apartheid Staat“), dass die Aufnahmeprüfungen an israelischen Universitäten für Araber viel leichter sind als für Juden, damit die Quoten stimmen und das Araber im Gegensatz zu Juden keine Pflicht haben den Militärdienst zu leisten.
In all den Verteidigungskriegen die Israel seit seiner Wiedergründung hat führen müssen, sind es demnach vor allem die Juden, die ihr Leben opfern, um die muslimischen und christlichen arabischen Bürger im Land zu schützen. Sie erinnern daran, dass es ein arabischer Richter war, der den ehemaligen Präsidenten Moshe Katzav wegen einem schweren Vergehen zu Gefängnis verurteilt hat.
Es gibt, wie auch in jeder Demokratie, sicher viel Unrecht in Israel, keine Frage. Aber es ist das einzige Land auf der Welt, dessen Existenzrecht seit seiner Gründung obsessiv hinterfragt wird.
Und Ihre Position als Linke?
Wir sind in einem linksliberalen Haus aufgewachsen. Es war uns immer klar, dass die Menschen, wenn auch nicht gleich, so doch gleichwertig sind, nicht aber die Kulturen. Der Entwicklungsgrad einer Kultur misst sich unter anderem daran, wie Natur, Tiere, Kinder und Frauen innerhalb der Gesellschaft behandelt werden. Und da gibt es eben in Raum und Zeit gewaltige Unterschiede in den Entwicklungsstufen, Unterschiede, die man frei von jeder Selbstzensur ansprechen können sollte.
Wenn man Religionen, Zivilisationen und Mentalitäten kritisiert, richtet sich das Urteil gegen eine Idee und nicht gegen die Integrität eines Menschen. Viele verwechseln hier etwas und drehen durch. Ich bin überzeugt, dass sich der Großteil der palästinensischen Identität nicht auf ihr eigenes konstruktives Zukunftsprojekt, sondern auf eine Ablehnung des jüdischen Staates fokussiert.
Nicht in allen, aber in zu vielen Köpfen hallt noch immer der berühmte Spruch von Arafat von 1967: Kein Frieden mit Israel, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlung mit Israel. Viele nennen diese Haltung Palästinismus. Da geht es tatsächlich nicht um Land und Grenzen, über die man diskutieren kann, da geht es nicht um illegale oder legale Siedlungen. Da geht es nur um „From the river to the sea, Palestine will be free“. Free from Jews, versteht sich, nicht von der Hamas. Die andere Seite behauptet natürlich, dass es Netanjahu auch nur um Groß Israel geht, und wenn das stimmen sollte, dann träumt eben jeder so vor sich hin.
Und Trumps Eingreifen im Iran?
Auch einige Leitmedien erklären die Atombombe zur Erfindung von Netanyahu und Trump, oder sie ist ja ohnehin noch gar nicht fertig. Dann ist es halt nicht in einem Monat, sondern in einem Jahr, dass meine Nichten und Neffen in Israel umkippen. Also würde ich lieber sagen: Let's stay on the safe side und machen wir das, was zu tun ist. Auch um der in Massen getöteten Menschen im Iran willen.
Trump ist als Politiker für den liberalen Westen ein No Go, aber er war der Einzige, der imstande war, unsere Geiseln lebendig zu befreien, und das wird ihm Israel nie vergessen. Ich bin der Meinung, dass in dem Hexenkessel des Nahen Ostens so viele verrückte Diktatoren regieren, dass nur ein verrückter Radikaler wie Trump imstande ist, diese Menschen in die Knie zu zwingen.
Bei der Außenpolitik Obamas lachte man sich hier ins Fäustchen, für den Orient ist der Westen „verweichlicht, weiblich und wehrlos wie ein Jude, Europa ist eine Frau, die man zu besteigen hat“. Es gibt einen großen Unterschied in der Kommunikation auf Englisch, die sich der westlichen Mentalität anpasst, und der arabischen Version derselben Aussage. Man sollte Arabisch lernen, sonst wird man an der Nase herumgeführt. Orientalen sind Meister im Geschichtenerzählen.
Aber hat die Shoa nicht wenigstens der westlichen Welt unbeeinspruchbare Pflichten auferlegt?
Man redet immer nur von der Shoa, von toten Juden. Philosemiten lieben den Juden im Pyjama, denn man kann ihn bedauern. Antisemiten verzeihen den Juden die Shoa nicht. In der Woken Gesellschaft Amsterdams wurde vier Monate darüber debattiert, ob ein jüdischer Mitarbeiter im Anne-Frank-Museum eine Kippa tragen darf.
Es ist die Idee, dass alle Menschen gleichwertig sind, für die wir gehasst werden
Aber wer weiß wirklich, wer wir sind? Oft nicht einmal wir selbst. Ein Volk, das eben doch anders ist und nur deshalb 3.000 Jahre als Mini-Minderheit überlebt hat. Es hat der Menschheit den Monotheismus geschenkt, der schon damals ein großartiges politisches Projekt der Freiheit war: Die Weigerung, Götzen zu dienen, hatte zur Folge, dass die Juden auch nicht bereit waren, den lebenden Götzen, den Herrschern der Antike, zu dienen. Es ist die Idee, dass alle Menschen gleichwertig sind, für die wir gehasst werden. Die Erfindung des Ruhetags im Wochentakt, und all unsere zehn Gebote haben den Grundstein für die heutigen Menschenrechte gebildet. Den genialen Spruch „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ hat Rabbi Jesus von Rabbi Hillel übernommen.
Viele sind sich nicht bewusst, das die Mehrheit der Israelis Kinder von Juden sind, die Jahrhunderte lang oder noch mehr in muslimischen Ländern gelebt haben, meistens auch als sogenannte Dhimmis, Menschen die Schutzgeld abgaben, um nicht konvertieren zu müssen und als Bürger zweiter Klasse mehr oder weniger geduldet wurden. Die arabische Welt ist jetzt fast komplett „Judenrein“. Im winzigen Israel leben mehr als zwei Millionen gleichwertige arabische Bürger. Sie genießen mehr Menschenrechte als in jedem muslimischen Land in der Region. Es sind die Araber in den besetzten und umstrittenen Gebieten, die zwischen der israelischen Armee und der korrupten Autonomiebehörde in der Luft hängen.
Sie haben in Israel zwei Jahre Wehrdienst geleistet?
Ja, zwischen dem 18. und dem 20. Lebensjahr, 1979 bis 1981. Es war vielleicht die intensivste und lehrreichste Zeit in meinem Leben. Ich lebte in dem großen Haus meiner schon verstorbenen Großeltern in Tel Aviv und feierte praktisch, zwei Jahre lang mit den Soldaten Kollegen Parties. Ich sang mit einer großen Band an der Front. Es endete aber in einem Militärskandal, viele von uns wanderten wegen Drogenkonsum ins Gefängnis. Aber bis heute pflege ich die alten engen Freundschaften. Sicher ist, dass es ohne Militär kein Israel mehr gäbe.
Sollen denn bei uns Frauen zum Heer einberufen werden?
Man sollte Frauen auf jeden Fall die Möglichkeit geben, und es sollte freiwillig sein.
Abschließend: Fühlen Sie sich und Ihre Familie in Österreich bedroht?
In Österreich ist es (noch) nicht so wie in Deutschland, wo es in vielen Gegenden gefährlich ist, mit einem Davidstern auf die Straße zu gehen. Aber eine Gesellschaft, die jüdische Schulen wie ein Hochsicherheitstrakt bewachen muss, ist krank.
Warum müssen österreichische Polizisten nach dem Holocaust meine Kinder bewachen, frage ich mich. Warum müssen wir mit Maschinengewehren beschützt werden, wenn ich mit meinem Palästinenser-Kollegen ein Friedenkonzert spiele? Da stimmt doch etwas überhaupt nicht.
Steckbrief
Timna Brauer
Timna Brauer, geboren am 1. Mai 1961 in Wien, ist Sängerin, Entertainerin, bildende Künstlerin sowie Professorin für Jazzgesang an der Musik-Uni. Sie legte mit ihrem langjährigen Partner Elias Meiri ein reiches musikalisches Werk vor. Brauer lebt in Wien und hat zwei erwachsene Kinder, Tochter und Sohn.







