Heinz Sichrovsky
©Matt ObserveMeinen Platz stelle ich heute einem anderen zur Verfügung: Der Pilnacek-Ausschuss weckt im früheren Burg-Direktor Matthias Hartmann brisante Erinnerungen an seine Entlassung anno 2014. In einem Beitrag für News fragt er: Für wen wurde damals, auf dem Gipfel der Ära Pilnacek, interveniert?
Der frühere Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann übermittelt mir ein brisantes Dokument zum Abdruck: Nach erfolgreichen, von großem Publikumszuspruch gekennzeichneten Direktionsjahren (2009 bis 2014) wurde er vom damaligen Kulturminister Josef Ostermayer im Gefolge eines Finanzskandals entlassen. Die Malversationen hatte seine Finanzdirektorin verübt, ihre Causa ist zu Ende judiziert, die Strafe verbüßt. Die Verfahren gegen Hartmann wurden erst 2018 in allen Punkten eingestellt.
Nun aber wirft für ihn der Untersuchungsausschuss um den Tod des früheren Justiz-Sektionschefs Pilnacek Fragen auf: Der einst allmächtige Spitzenbeamte war auch während der auffallend langen, letztlich ergebnislosen Ermittlungen gegen Hartmann im Amt. Und die Sache wurde als „Berichtsakt“ geführt, heißt: Die Staatsanwaltschaft konnte nicht umfassend frei entscheiden, sondern musste an übergeordnete Stellen berichten.
Hartmann fragt sich außerdem, weshalb ebenfalls in der Verantwortung stehende Personen bis tief in die politischen Parteien gerichtlich unbehelligt blieben. Mit anderen Worten: ob bei der weitgehenden Zerstörung seiner Karriere alles mit rechten Dingen zuging.
Er möchte diesbezüglich gern vor dem Ausschuss aussagen.
Hartmanns brisanter Text
Wenn in Österreich Vergangenheit aufgearbeitet wird, ist das eine seltene Chance, und ich möchte mich gerne hineinreklamieren. Erst recht, wenn es um Christian Pilnacek geht und darum, ob juristisch brisante Themen politisch beeinflusst wurden. Ich schöpfe neue Hoffnung, dass durch den parlamentarischen Untersuchungsausschuss einige wesentliche, bis heute unbeantwortete Fragen vielleicht doch noch geklärt werden können.
Christian Pilnacek leitete ab 2010 die Strafrechtssektion im Justizministerium, jene Stelle, die über Berichte aus Ermittlungsverfahren informiert wurde. Warum wurde das Verfahren zu meiner Rolle im Burgtheater-Finanzskandal 2013/14 jahrelang als „Berichtsakt“ behandelt? Gab es Kontakte, Interventionen oder Entscheidungen außerhalb der üblichen Abläufe? Angesichts des laufenden Pilnacek-Untersuchungsausschusses stellt sich die unbequeme Frage: Haben politische oder institutionelle Interessen den Umgang mit diesem Verfahren bestimmt?
Der Burgtheater-Finanzskandal, der 2014 eskalierte, hat nach meiner Einschätzung viele Menschen aus der Verantwortung gelassen. Manche von ihnen hätten sich meines Erachtens vor Gericht verantworten müssen. Warum war das so? Vor zwölf Jahren wurde ich wegen kaufmännischer Unregelmäßigkeiten als künstlerischer Direktor des Burgtheaters und dessen Geschäftsführer abberufen. Das Burgtheater erzielte während meiner Direktion Besucherrekorde, die davor und danach nicht erreicht wurden. Die gegen mich geführten Ermittlungen dauerten ungewöhnlich lange und wurden 2018 endlich eingestellt; die gegen mich erhobenen Vorwürfe bestätigten sich erwartungsgemäß nicht. Die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin wurde später angeklagt und verurteilt.
Gab es ein Interesse, eine umfassende Prüfung dieser Verantwortlichkeiten zu vermeiden?
Soweit mir bekannt ist, wurde gegen ihren Nachfolger, den damals amtierenden kaufmännischen Geschäftsführer, kein Ermittlungsverfahren geführt. Er hatte bereits mit 1. 9. 2013 die Funktion des kaufmännischen Direktors am Burgtheater übernommen und blieb im Amt.
Wurden auch Politiker geschont?
In der Privatwirtschaft wie in der Politik wäre das wohl nicht möglich. Wer mehrere Monate im Amt ist, muss verstehen, wie der Laden läuft, und trägt Verantwortung. Warum dies bei ihm unterblieb, ist nicht nachvollziehbar.
Wären die Ermittlungen breiter geführt worden, hätte dies unter Umständen nicht nur die Geschäftsführungsebene betroffen. Es hätte sich auch die Frage der Verantwortung von Aufsichtsorganen der Bundestheater-Holding und des Burgtheaters sowie der damaligen politischen und ministeriellen Verantwortungsträger und ihrer Referenten gestellt.
Gemeint sind circa 20 Verantwortungsträger, die damals über unterschiedliche politische Parteien hinweg wesentliche Funktionen in Österreich innehatten. Gab es ein Interesse, eine umfassendere Prüfung dieser Verantwortlichkeiten zu vermeiden?
„Laden Sie mich ein“
Deshalb richte ich an den Pilnacek-Untersuchungsausschuss die folgende Frage: Wurde oder wird geprüft, ob und in welcher Weise das Justizministerium, die Strafrechtssektion, die Oberstaatsanwaltschaft oder der Weisungsrat mit der Behandlung des gegen mich geführten Verfahrens befasst waren – insbesondere im Hinblick auf die außergewöhnliche Dauer des Verfahrens und die unterschiedliche Behandlung möglicher Verantwortlicher? Falls nicht: Warum nicht?
Warum wurde der Fall, nachdem mir vonseiten der Ermittlungsleitung bereits bei der ersten Befragung die bevorstehende Einstellung signalisiert worden war, über viele Jahre von einem zum nächsten Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt, zu verschiedenen Gutachtern und dem Weisungsrat hin und hergeschickt?
Laden Sie mich ein, ich helfe Ihnen sehr gerne dabei, Antworten darauf zu finden.
Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: sichrovsky.heinz@news.at
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 43/2026 erschienen.
