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Helmut Marko, der Weltmeister-Macher aus Graz [Porträt]

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Helmut Marko

©IMAGO / ZUMA Wire
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Helmut Marko hat mit Max Verstappen den Red-Bull-Star zum Formel-1-Weltmeister geformt. Aber wer ist eigentlich der grantige Talenteschmied aus Graz, vor dem die halbe Königsklasse mörderischen Respekt hat?

  • Name: Helmut Marko

  • Geboren: 27. April 1943 in Graz

  • Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften

  • Beruf: Jurist, Hotelier, Motorsportchef von Red Bull

  • Familienstand: verheiratet

  • Kinder: drei

  • Auszeichnungen: Ehrenbürger der Stadt Graz (2018), Großer Josef-Krainer-Preis (2023)

Er polterte auch nach dem Gewinn des Weltmeistertitels von Max Verstappen. Und wie. Helmut Marko, Motorsportchef von Red Bull und Entdecker des Holländers, war stinksauer, dass im Dezember 2021 das im finalen WM-Fight in Abu Dhabi unterlegene Mercedes-Team Protest wegen Regelverletzungen, die Safety-Car- Phase betreffend, eingelegt hat. "Es ist widerlich, was sie nach dem Rennen gemacht haben: einen Protest einzulegen, bei dem klar war, dass er nicht funktionieren wird." Danach drohte er sogar noch offen mit dem Ausstieg des Red-Bull-Teams aus der Formel 1.

Das knallharte Image von Helmut Marko und sein Arbeitsverhältnis zu Mateschitz

Der Grazer hat nicht umsonst den Ruf weg, ob seiner Wortgewalt in Rennfahrerkreisen wie ein Dämon gefürchtet zu sein. Er gilt als Strippenzieher im Fahrerlager, der bei Red Bull schalten und walten kann, wie es ihm gefällt. Marko fand beim 2022 verstorbenen Team-Besitzer Dietrich Mateschitz immer ein offenes Ohr für seine Ideen und Schachzüge in der Königsliga des Motorsports. "Ich habe ein Handschlag-Agreement mit dem Boss, dass ich mich um die zwei Formel-1-Teams Red Bull und Toro Rosso (Anm.: heute Alpha Tauri) zu kümmern habe. Das ist zugleich die Job Description. So einfach ist das", erklärte er einmal News sein Arbeitsverhältnis zu Mateschitz, mit dem ihn aber auch Privates verbindet, "wenngleich wir nicht über die Getränkelinie sprechen".

Helmut Markos wilde Jugend mit Jochen Rindt

Helmut Marko, am 27. April 1943 in Graz geboren, ist durch eine harte Schule gegangen. Er war eng mit Jochen Rindt befreundet. Beide zeigten schon früh eine schamlose Wildheit, die sie auf das harte Leben als Rennfahrer vorbereitete. Und noch etwas verband die beiden. Sie wurden vom ehrwürdigen Pestalozzi Gymnasium in Graz gefeuert. Doch die haarsträubenden Aktionen gingen weiter, als beide ihre Schulkarriere in Bad Aussee fortsetzten, und die Straßen im steirischen Salzkammergut als Rennstrecke missbrauchten. Der aus reichen Verhältnissen stammende Rindt in großväterlichen Karossen, Marko im väterlichen Chevrolet, den er prompt crashte. Doch der Deal der zwei Burschen lautete, dass jeder im Fall des Falles schauen muss, wo er bleibt.

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Helmut Marko 1971

© imago images/Motorsport Images

Ausbildung - vor Rennkarriere von Helmut Marko

Marko war durch den Umgang mit Rindt vollends vom Rennbazillus befallen. Bevor er sich aber selbst an schnelle Boliden wagen durfte, musste er auf Druck seiner Eltern erst den Doctor juris machen und absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften.

Der Durchbruch von Helmut Marko

Mit Sportwagenrennen und Einsätzen in der Formel V begann Marko, sich einen Namen zu machen. Der große Durchbruch gelang aber erst 1971 auf der Langstrecke. Gemeinsam mit dem Holländer Gijs van Lennep gewann er die 24 Stunden von Le Mans mit einem Distanzrekord, der ganze 39 Jahre gültig bleiben sollte.

Jähes Ende der Karriere

Der Aufstieg Markos in die Weltspitze schien weiterzugehen, als er 1972 den neuen BRM beim Frankreich-Grand-Prix in Clermont-Ferrand pilotieren durfte. Doch in der neunten Runde wurde er, auf Rang vier liegend, von einem von Ronnie Petersons Lotus 72 aufgewirbelten Stein am Helm getroffen, der das Visier durchschlug und ihm eine schwere Augenverletzung zufügte, die das Ende der Motorsportkarriere bedeutet. Die besondere Tragik war, dass der Sitz im BRM nicht auf Marko eingestellt war. "Ich saß zehn Zentimeter zu hoch. Wäre der Sitz richtig justiert gewesen, wäre nichts passiert", erinnert sich Marko.

Auch interessant: Heinz Prüller: Formel-1-Kommentator mit Kultstatus

Niki Lauda sprang ein

Das Cockpit bei Ferrari, das Marko per Vorvertrag für die neue Saison bereits zugesagt war, erbte ein gewisser Niki Lauda, der 1975 und 1977 zu zwei WM-Titeln mit der Scuderia fur. Jahre später kommentierte Marko in einem Gespräch mit News den "Fahrertausch" staubtrocken mit den Worten: "Besser ein Österreicher, als es wäre irgendein anderer geworden."

Ich war nicht nur ohne Job, ich hatte auch keine Illusionen, keine Visionen.

Vom schwarzen Loch zum Hotel-Business

Die Zeit nach dem Unfall, seitdem er ein Glasauge trägt, war eine Höllenqual. "Ich bin in ein schwarzes Loch gefallen", gesteht Marko News, "ich war nicht nur ohne Job, ich hatte auch keine Illusionen, keine Visionen. Da hab ich erfahren, dass es in Graz kein unverwechselbares Hotel gibt, und so hat es mit dem Schlossberghotel begonnen. Die Immobilie gehörte ja meinem Vater." Inzwischen darf Marko vier Hotels (plus Augarten, Lend und Kai 36) sein eigen nennen, die allesamt mit Werken zeitgenössischer Künstler wie beispielsweise Siegfried Anzinger, einem Neuen Wilden, gespickt sind.

Der Grantler

Erich Glavitza, ehemals Stuntman der absoluten Spitenklasse ("Le Mans" mit Steve McQueen), ebenfalls Steirer, kennt Helmut Marko seit Jugendtagen und glaubt, zu wissen, warum sein "Landsmann" zu einem Grantler mutiert ist: "Der Helmut war eigentlich der perfekte Rennfahrer. Er hatte das Talent von Rindt, war aber vierzehnmal rennintelligenter. Und er war ein lustiger, offener Kerl. Dann passierte der Unfall, und das hat, natürlich verständlich, den Helmut gebrochen."

Helmut Markos Rückkehr in den Motorsport

Dennoch kehrte Marko in den Motorsport zurück. Er gründete das RSM-Marko-Team, das erfolgreich in der DTM performte, und zog ein effektives Formel-3-Programm auf. In dieser Zeit machte er sich auch als Fahrermanager einen Namen und betreute unter anderem (kurzfristig) Gerhard Berger, Karl Wendlinger und Juan Pablo Montoya, der Ende der Neunzigerjahre in Markos Formel-3000-Rennstall für Furore und auch jede Menge Unbill sorgte.

Das Red Bull-Team

Glavitza macht Marko mit Mateschitz bekannt ("Das war in einem Café in St. Gilgen"), was weitreichende Folgen zeitigt. Nachdem 2003 das Red-Bull-Nachwuchsprogramm ins Leben gerufen wurde (Marko: "Es schadet jedenfalls niemandem, wenn du deinen Kopf nicht nur zum Aufsetzen des Helms benützen kannst"), kehrte Marko zwei Jahre später in großem Stile in die Champions League des Rennsports zurück. Als rechte Hand seines Gönners Mateschitz und gemeinsam mit dem jungen Teamchef Christian Horner und Stardesigner Adrian Newey wurde aus dem ehemaligen Jaguar-Rennstall ein aufstrebendes F-1-Team gezimmert -Red Bull.

Durch die Kaderschmide gingen Heerscharen junger Fahrer -darunter auch die Österreicher Patrick Friesacher und Christian Klien -, die es nicht in Red Bulls Maturaklasse geschafft. Ganz im Unterschied zu Sebastian Vettel, der als BMW-Nachwuchspilot zuerst zu Toro Rosso und nach seinem ersten Sieg zu Red Bull gelotst wurde. Der zweite Mann im Team, der Australier Mark Webber, bekam Markos Vettel-Präferenz vier Saisonen zu spüren. Just jene, in denen der Bursch aus Kerpen viermal die Fahrer-WM holte. Was Marko, vom angesehenen "Guardian" als "Superhirn hinter Sebastian Vettel" apostrophiert, mit dem Satz "Er wollte schon als Teenager das Maximum, unter allen Umständen" quittierte.

Glücksgriff Max Verstappen

2015 ging Marko das Risiko ein, das man seinem Ruf als Talenteschmied vielleicht auch schuldig ist, und holte den erst 17-jährigen Formel-3-Fahrer Max Verstappen aus den Niederlanden direkt in die Formel 1 zu Toro Rosso. Vorangegangen waren eine intensive Beobachtungsphase, die vor allem am deutschen Norisring Marko überzeugten: "Es waren permanent wechselnde Bedingungen, und Max ist im Schnitt zwei Sekunden schneller als alle andern gefahren." Was darauf folgte, war eine Einladung nach Graz -auch Mercedes wollte den Rohdiamanten -, die nach einem ultralangen Gespräch mit der Verpflichtung von Max endete.

Dass Max keine Angst vor Marko zeigt, der wegen seiner harten Gangart speziell von jungen Fahrern gefürchtet wird, hat auch damit zu tun, das Papa Jos, einst Teamkollege von Michael Schumacher bei Benetton, seinen Sohn schon in frühen Karttagen streng erzogen hat.

Das I-Tüpfelchen

Für Marko rangiert dieser Titel sogar über dem ersten in der Red-Bull-Ära mit Sebastian Vettel im Jahr 2010. "Damals war es das I-Tüpfelchen. Jetzt war klar: Nur der Titel zählt. Es ging schließlich um so viel. Auch darum, dass wir Max im Team halten können. Er hat ja gewisse Klauseln, die greifen, wenn wir gewisse Ziele nicht erreichen."

Aber Helmut Marko weiß auch genau, dass ein Weltmeister-Titel in harter Währung abgegolten werden muss. Wie viel das ist, hat man in der Red-Bull-Zentrale in Fuschl längst ausgerechnet.

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