Wie viel Zweifel verträgt der Glaube? Theologin Cornelia Richter sagt: mehr, als viele denken.
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Wie oft zweifeln Sie?
Immer und nie. „Immer“, weil das, was wir Gott nennen, im Letzten für uns ungreifbar bleibt. Und weil wir deswegen beim Blick in die täglichen Nachrichten, bei Seelsorgegesprächen, oft das Bedürfnis haben, genauer zu wissen, was da jetzt die Idee dahinter sein könnte. Ganz oft verstehen wir Gottes Wege nicht. Dieser Zweifel gehört aber dazu. „Nie“, weil ich nicht nur durch meine Herkunft aus dem Pfarrhaus, sondern auch durch Höhen und Tiefen in meinem Leben mir nicht vorstellen kann, wie man ein Leben führen kann, ohne die Dimension namens Gott im Hintergrund. Das ist der letzte Sinngrund von allem, was ich tue, lebe, glaube, hoffe, dass da etwas ist, das trägt. Ohne diese Gewissheit könnte ich nicht durch die Welt gehen.

Steckbrief
Cornelia Richter
Die Oberösterreicherin ist im evangelischen Pfarrhaus von Bad Goisern aufgewachsen, wo ihr Vater evangelischer Pfarrer war. Richter hat in Wien evangelische Theologie studiert. Ab 2012 war sie Professorin für Systematische Theologie und Hermeneutik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Seit November 2025 ist sie Bischöfin der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 10/2026 erschienen.







