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98. Oscars: Die Rückkehr des Politischen bei den Oscars

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©IMAGO / ZUMA Press

Die diesjährige Oscarverleihung stand wieder mehr im Zeichen der Politik - fast so, als hätte Hollywood seine politische Stimme wiedergefunden.

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Noch im vergangenen Jahr wirkte die Branche nach der Wiederwahl Trumps auffällig zurückhaltend, beinahe wie gelähmt. Nun hat sich diese Schockstarre zumindest etwas gelöst. Einige Reden und auch die am meisten prämierten Filme greifen politische Themen auf - von gesellschaftlicher Spaltung über Rassismus bis zu staatlicher Gewalt.

Viele Academy-Mitglieder scheinen ihre Stimme 2026 nicht nur als ästhetisches Urteil verstanden zu haben, sondern auch als Möglichkeit eines Statements zum Zustand der USA. Der Politthriller One Battle After Another von Paul Thomas Anderson gewann mit sechs Auszeichnungen die meisten Oscars, darunter den Preis für den besten Film. Anderson erzählt darin auf formal originelle Weise von militanten linken Aktivisten in den USA, angeführt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen.

Der Film basiert auf einem Roman von Thomas Pynchon, der in den 1980er-Jahren spielt - wirkt aber überraschend zeitgemäß. Anderson zeichnet das Bild eines Amerikas im Alarmzustand: geprägt von Abschiebungen, bewaffneten Sicherheitskräften und einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen glauben, für ein besseres Land kämpfen zu müssen. Der Film gewann auch in den Kategorien Regie, Nebendarsteller, adaptiertes Drehbuch, Schnitt und in der neuen Sparte Casting.

Gewinner Michael B. Jordan würdigt schwarze Vorreiter

Das Vampirdrama Blood & Sinners war mit vier Auszeichnungen der zweite Sieger, enttäuschte aber, war es doch mit einer Rekordzahl an 16 Nominierungen als großer Favorit ins Rennen gegangen. Der Film von Ryan Coogler erzählt von Rassismus, Gewalt und historischer Schuld in den amerikanischen Südstaaten. Daneben stehen aber auch Motive wie die Kraft der Blues-Musik im Fokus.

Autumn Durald Arkapaw gewann für den Film als erste Frau den Oscar für die beste Kameraführung. Michael B. Jordan, der für seine Doppelrolle in dem Drama mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, würdigte in seiner Dankesrede andere schwarze Preisträger, darunter Denzel Washington, Halle Berry und Jamie Foxx. „Ich stehe hier dank der Menschen, die vor mir da waren.“

Jimmy Kimmel macht sich über Melania-Doku lustig

Auch Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel teilte gegen Trump aus, ohne den Präsidenten namentlich zu nennen. Als er die Dokumentarfilmkategorien auf der Bühne präsentierte, sagte er: „Oh Mann, er wird sauer sein, seine Frau wurde dafür nicht nominiert.“ Damit spielte er auf den Amazon-Film Melania an, der die First Lady vor dem Machtwechsel im Weißen Haus begleitet.

Zuvor hatte Kimmel über Filmemacher gesprochen, die sich der Aufgabe verschrieben hätten, die Wahrheit zu erzählen, Ungerechtigkeit anprangerten und zum Handeln inspirierten. Dann fügte er hinzu: „Und es gibt auch Dokumentarfilme, in denen man im Weißen Haus herumläuft und Schuhe anprobiert.“

Die USA stellte er später in einem überspitzten Witz in eine Reihe mit Nordkorea: „Wie Sie wissen, gibt es einige Länder, deren Führung die Meinungsfreiheit nicht unterstützt. Es steht mir nicht frei zu sagen, um welche es sich handelt. Belassen wir es einfach bei Nordkorea und CBS.“ Der Paramount-Sender CBS schlägt seit der Übernahme durch die Familie des als Trump-Unterstützer geltenden Tech-Milliardärs Larry Ellison zum Teil einen freundlichen Ton gegenüber der Trump-Regierung an.

Politische Botschaften

Auch andere Künstler nutzten ihre Auftritte für politische Statements. Schauspieler Javier Bardem sagte: „No to war - and free Palestine“. Jubel brandete auf. Und der norwegische Regisseur Joachim Trier verwies bei seiner Dankesrede für Sentimental Value auf den Schriftsteller James Baldwin und sagte: Alle Erwachsenen seien für alle Kinder verantwortlich - und man solle keine Politiker wählen, die das nicht ernst nähmen.

Er selbst habe zwei kleine Kinder, sagte Trier Backstage vor Reportern. Das Leid von Kindern in Krisen- und Kriegsgebieten bringe ihn und viele seiner Freunde zum Weinen. Es gebe viele Diktaturen. „Wir befinden uns wieder in einer Zeit von starken Männern“, sagte der Regisseur.

Im Laufe der Preisverleihung gab es auch einige rührende Momente. Barbra Streisand (83) erinnerte an ihren im September mit 89 Jahren gestorbenen Filmpartner Robert Redford. Er habe sich stets dafür eingesetzt, die Pressefreiheit zu verteidigen und die Umwelt zu schützen. „Ich vermisse ihn jetzt mehr denn je“, sagte sie. Auch wenn er sie gerne aufgezogen und „Babs“ genannt habe. Dann sang Streisand einen Ausschnitt des Lieds „The Way We Were" aus dem legendären Liebesfilm „So wie wir waren“ (1973).

Jessie Buckley gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der Ehefrau von William Shakespeare in dem Spielfilm Hamnet. Sie nahm die Auszeichnung sichtlich bewegt und mit zitternder Stimme entgegen. Sie erinnerte daran, dass in Großbritannien Muttertag sei - und widmete ihren Oscar „dem wunderschönen Chaos im Herzen einer Mutter“.

Chalamet-Film geht leer aus

Für Gesprächsstoff sorgte, dass der Tischtennis-Film Marty Supreme mit Timothée Chalamet komplett leer ausging - und dass ein Gewinner einer wichtigen Kategorie gar nicht anwesend war. Sean Penn gewann für seine Nebenrolle in One Battle After Another seinen dritten Oscar, kam aber nicht zur Verleihung. Damit gehört er nun zu den männlichen Schauspielern mit den meisten Oscars, neben Jack Nicholson, Walter Brennan und Daniel Day-Lewis. Den Preis nahm Vorjahressieger Kieran Culkin stellvertretend entgegen.

Warum Penn der Gala fernblieb, ist unklar. Die New York Times berichtete, der Schauspieler habe zuletzt eine Reise in die Ukraine geplant. Politisches Engagement wäre für Penn jedenfalls nichts Neues: Der Oscar-Preisträger hatte vor einigen Jahren sogar einmal in einem Interview erwogen, seine Trophäen einschmelzen zu lassen - damit daraus Munition für den Krieg gegen Russland hergestellt werden könnte.

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