Champagner, der prestigeträchtigste Wein der Welt, erlebt gerade harte Zeiten. Wir fragen den Weinhändler Franz Quendler, warum das so ist und ob der Status-Sprudel da wieder rauskommt.
Was verändert die Champagner-Welt gerade mehr, die wirtschaftliche Krise oder die Veränderung der Nachfrage?
Beides, aber es gibt noch andere, fast schwerwiegendere Phänomene. Zum Beispiel die veränderte Demografie, das heißt, es gibt einerseits weniger Nachwuchs an potenziellen Champagner-Kunden, andererseits Bevölkerungsschichten, die keinen Alkohol trinken. Und drittens konsumieren jene Generationen, die den Boom getrieben haben, mittlerweile weniger, einfach weil sie alt sind. Der französische Inlandsmarkt brach um 20 Prozent ein und schön langsam herrscht die Gewissheit: Die kommen auch nicht wieder.
Prosecco, Franciacorta, Cava, Crémant – hat es der Marken-Champagner mit neuen, starken Gegnern zu tun?
Kommerziell sicher. Der Prosecco-Markt in Frankreich boomt, Crémant liegt in Frankreich schon gleichauf mit Champagner. Und angesichts der steigenden Qualitäten dieser Crémants und ihrer weitaus günstigeren Preise ist das für irgendeinen 08/15Champagner natürlich ein schwieriges Match.
Einstweilen sind Bio, Demeter, Rebsorten-Vielfalt noch Nischen-Programme, das hat man bei Naturwein aber auch geglaubt. Wird „moderner“, individueller, nicht-industrieller Champagner mehrheitsfähig?
Das meiste, was ich bisher an Bio-Champagnern getrunken habe, war eher grob und rustikal, nicht elegant, nicht das, was man generell mit Champagner verbindet. Bio wird beim Champagner meiner Ansicht nach eine Nische bleiben. Wie „individuelle“ Champagner generell, nicht zuletzt wegen der Vertriebswege: Restaurants haben meistens fixe Verträge mit dem einen oder anderen Haus, da dringen kleinere Produzenten einfach nicht durch. Was allerdings schon kommen dürfte, ist eine Veränderung bei der Vinifikation: Den Grundweinen ihren jahrgangs- und herkunftstypischen Charakter zu belassen, wird jetzt sogar schon bei großen Häusern wie Roederer gemacht.
Das Protzen mit Statussymbolen gehört bei uns nicht zum Regelbetrieb
Apropos: Welche Rolle spielt bei Champagner überhaupt die Weinqualität?
An und für sich eine große, allerdings wissen die wenigsten der Champagner-Konsumenten, dass es sich da ja eigentlich um Wein mit all seinen von Jahr zu Jahr wechselnden Eigenheiten handelt. Weil die bei den großen Häusern ja nivelliert werden und nivelliert werden müssen, denn die Marken-Champagner sollen ja jedes Jahr ident schmecken – was auch eine Kunst ist, muss man ehrlich sagen.
Wie sieht die Zukunft des Champagner-Markts aus? Werden Prestige-Cuvées mit Fantasiepreisen als Statusobjekt immer begehrter?
Diese enorme Preisexplosion war ein Phänomen der letzten fünf Jahre, Spezial-Cuvées wie Dom Pérignon, Cristal oder Krug waren immer schon sehr teuer, aber nicht in den wahnsinnigen Preisregionen wie heute. Und diese Top-Abfüllungen werden auch immer ihre Kundschaft haben, darunter fängt’s halt zu bröseln an. Aber bei uns in Österreich haben wir generell nicht die Prestige-Kultur wie in den USA oder in Asien, das Protzen mit Statussymbolen gehört bei uns nicht zum Regelbetrieb. Und auch wenn sich irgendwelche Neureichen einmal eine Flasche um 2.000 Euro leisten, dann bleiben die nicht dabei, sondern ziehen weiter zu anderen Statussymbolen.
Steckbrief
Franz Quendler
Franz Quendler, 68, machte eine akademische Karriere als Assistent am Institut für Politikwissenschaft, startete in den 80er-Jahren einen kleinen Weinhandel und spezialisierte sich im Lauf der Zeit auf die Weine Frankreichs, da vor allem jenen aus dem Burgund, Südwestfrankreich und der Champagne. Er gilt heute als einer der versiertesten Kenner der französischen Weinszene in Österreich.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 07/2026 erschienen.







