René Benko
Schon Monate vor der Signa-Pleite Ende 2023 kam es bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien zu einem brisanten Gipfeltreffen. René Benko und seine Manager mussten dem Vorstand ihrer langjährigen Hausbank Rede und Antwort stehen. Mit der Wahrheit nahm man es dabei offenbar nicht ganz so genau. NEWS kennt die Details.
Im ersten Halbjahr 2023 hatte René Benko selten eine ruhige Minute. Die Suche nach frischem Geld bestimmte seinen Alltag. Auf der einen Seite galt es, in der Signa-Gruppe Notverkäufe über die Bühne zu bringen, darunter jenen von Kika/Leiner. Auf der anderen Seite war Benko offenbar weiter darauf bedacht, den Schein zu wahren, ein Milliardär zu sein.
Düstere Stimmung
Doch bei Benkos langjähriger Haus- und Hofbank, der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, herrschte zu diesem Zeitpunkt längst Alarmstimmung. Am 6. Juni 2023 kam es laut Recherchen von News und Krone in Wien zu einer außergewöhnlichen Krisensitzung. Auf Raiffeisen-Seite nahmen der damalige Generaldirektor Michael Höllerer, seine Vorstandskollegen Reinhard Karl und Claudia Süßenbacher sowie der Abteilungsleiter für Immobilienprojektfinanzierungen am Tisch Platz. Für die Signa sollten Gründer René Benko, ein Signa-Holding-Geschäftsführer und drei weitere Manager versuchen die Stimmung zu erhellen.
Die erste Frage der Raiffeisen-Delegation hatte es bereits in sich. Laut dem vorliegenden Sitzungsprotokoll wollte die Bank wissen, ob es aufstiegswillige Bestandsinvestoren geben würde. Konkret ging es dabei um einen der prominentesten Geldgeber der Signa: den deutschen Milliardär Klaus-Michael Kühne.
Die knappe Antwort von Benkos Signa laut Protokoll: Nein.
Kühnes Geheim-Vertrag
Eine Aussage mit erheblicher Tragweite. Denn nur zwei Wochen davor, am 23. Mai 2023, hatte die Kühne-Gruppe 3.583.181 Stück Namensaktien an der Signa Prime wieder an die Signa Holding verkauft. Für einen Gesamtkaufpreis von 293,82 Millionen Euro. Das geht aus einem vertraulichen internen Aktienkaufvertrag hervor, der der News und Krone vorliegt. Ein bemerkenswertes Detail mit Blick auf den nahenden Signa-Abgrund: Der Kaufpreis sollte erst im Jänner 2024 fällig werden.
Dieses kategorische Nein birgt besondere Brisanz. Denn bereits am 1. Dezember 2022 hatte der inzwischen verstorbene Firmenpatriarch Klaus-Michael Kühne den Anfang vom Ende des Benko-Kartenhauses eingeläutet. Schauplatz war Kühnes Hamburger Luxushotel „The Fontenay“ an der Außenalster. Dort ließ er Benko nach einem kurzen Gespräch kurzerhand stehen. Wenige Minuten später folgte die schriftliche Ansage mit eindeutiger Botschaft: Kühne wollte aus der Signa aussteigen. „Sehr geehrter Herr Benko. Es tut mir leid – das Vertrauen ist zerstört, und ich habe Herrn G. gebeten, Ihnen meinen Wunsch nach Rückabwicklung unserer Beteiligung an der Signa Prime Selection AG anzuzeigen. Formal muss das der Verwaltungsrat der Kühne Holding AG beschließen, den ich hiermit von meinem Wunsch in Kenntnis setze und um kurzfristigen Vollzug bitten möchte.“
Warum Benko ausgerechnet gegenüber seiner langjährigen Hausbank nicht reinen Wein einschenkte, bleibt offen. Er und seine Rechtsvertreter haben bislang sämtliche Vorwürfe rund um den Zusammenbruch der Signa stets zurückgewiesen.
