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Nur eine Angewohnheit oder schon Zwangsstörung?

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Ist die Tür auch wirklich fest verschlossen?
©APA, Christin Klose, dpa-tmn
Er ordnet die Gewürze immer alphabetisch. Sie überprüft vor dem Schlafengehen noch einmal die Haustür. Solche kleinen Eigenheiten kennt fast jeder. Aber woran kann man erkennen, ob das nur harmlose Angewohnheiten sind oder doch Ausdruck einer zugrunde liegenden Zwangsstörung? Entscheidend für eine klinische Einordnung seien unter anderem der mit dem zwanghaften Verhalten verbundene Leidensdruck und der zeitliche Aufwand, erklärt Facharzt Tobias Hornig.

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Grundsätzlich haben Menschen mit einer Zwangsstörung (englisch: obsessive-compulsive disorder oder OCD) "den Drang, etwas zu denken oder zu tun, obwohl sie das gar nicht möchten und es als sinnlos oder sogar schädlich empfinden", so eine Definition. Chefarzt Hornig veranschaulicht es an einem Beispiel: "Stellen Sie sich vor, Sie sortieren Ihre Handtasche. Wenn Sie sich danach über die Ordnung freuen, ist das eine gesunde Vorliebe." Ein Mensch mit einer Zwangsstörung sortiere die Tasche jedoch nicht aus Freude, sondern aus einer tiefen Angst heraus. Die Person fühle sich gezwungen, es immer wieder zu tun, um ein inneres Katastrophenszenario zu verhindern.

Wer erkennen möchte, ob behandlungsbedürftige Zwänge vorliegen, sollte sich ehrlich mit sich selbst auseinandersetzen. Ein erster Schritt kann es dem Facharzt zufolge sein, sich einzugestehen, dass die Zwangshandlung keine Kontrolle bringt, sondern belastend ist.

Hornig rät, sich professionelle Hilfe zu suchen, sobald die innere Unruhe Handlungsweisen diktiert, soziale Kontakte leiden, man sich für seine Handlungen schämt oder sie vor anderen verheimlicht. Erste Anlaufstelle kann zum Beispiel die hausärztliche Praxis sein. Die Diagnose erfolgt meist in einer psychotherapeutischen Praxis. Expertinnen und Experten zufolge lässt sich eine Zwangsstörung nicht heilen, die Beschwerden können aber mit professioneller Unterstützung "auf ein erträgliches Maß verringert werden, sodass ein normales Leben wieder möglich ist".

Für die Behandlung einer Zwangsstörung kommen Psychotherapie und Medikamente infrage, häufig ist eine kognitive Verhaltenstherapie hilfreich. Auch Selbsthilfegruppen können Betroffenen Raum zum Austausch bieten.

ILLUSTRATION - Ist die Tür auch wirklich fest verschlossen - ich schaue lieber noch mal nach: Zeit für professionelle Hilfe ist es, wenn eine innere Unruhe gewissen Handlungsweisen diktiert. (zu dpa: «Nur eine Marotte oder schon Zwangsstörung?») Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

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