Markus Zahrnhofer, Vorstand der Merkur Versicherung AG
©Marija KanizajÖsterreich steckt trotz leichter Wachstumszeichen in der Dauerkrise. Reformen bei Pensionen und Vorsorge sind überfällig – doch ohne Mentalitätswechsel und mehr Selbstverantwortung bleibt die Talfahrt, konstatiert Merkur-Versicherung-Vorstand Markus Zahrnhofer in seinem Gastkommentar.
Auch wenn ein zartes Wirtschaftswachstum, das die Konjunkturexperten für 2026 erwarten, Hoffnung gibt, schleppt sich Österreich weiterhin durch eine wirtschaftliche Schwächephase. Wir verlieren an Wohlstand, und das seit Jahren. Den Unternehmen bleibt kaum Spielraum, die Insolvenzwelle frisst den Mittelstand auf. Und Rekordeinnahmen können ein Rekorddefizit im Staatshaushalt nicht verhindern.
Um diese Talfahrt zu stoppen, benötigt es dringend einen Mentalitätswechsel. Es reicht nicht mehr, Problemen gekonnt auszuweichen oder sie vor sich herzuschieben. Es braucht die Bereitschaft, lange aufgeschobene Reformen konsequent anzugehen.
Problem sind längst bekannt
Das Spannende ist ja: Über den Reformbedarf herrscht zwar politischer Konsens, an den strukturellen Reformen selbst scheitert es jedoch regelmäßig. Obwohl man keine Glaskugel braucht, um zu wissen, dass uns eine alternde Gesellschaft in Sachen Pensionen, Pflege und Gesundheit in Zukunft noch massiver unter Druck setzen wird. Der Generationenkonflikt, den Österreich lange durch wirtschaftliches Wachstum kaschieren konnte, ist nicht mehr zu übersehen. Aber leider wird sich die demografische Bombe durch angelernte Ignoranz nicht entschärfen lassen.
Schauen wir nur auf das Thema Altersvorsorge. Das Problem ist längst bekannt. Österreich gehen die arbeitenden Menschen aus. Die Altersgruppe über 65 Jahre wird größer. Der Anteil, der den heimischen Wohlstand erwirtschaften muss, wird immer kleiner. Der Generationenvertrag ist einfach erklärt: Laufende Erwerbseinkommen finanzieren laufende Pensionen. Dieses Modell war lange Zeit tragfähig. Allerdings unter Bedingungen, die heute nicht mehr gelten. Das heißt übersetzt, der Staat muss aktuell viele Milliarden aus dem Bundesbudget zuschießen, um die Pensionen zu sichern.
Der Markt ist angerichtet
Man kann es positiv formulieren: Der Markt ist angerichtet. Die Notwendigkeit, etwas zu ändern, ist größer denn je. Und die Richtung ist klar: In Zukunft wird es in der Altersvorsorge drei Säulen brauchen, um das System zu stabilisieren. Wenn die gesetzliche Pension nicht reicht, und die betriebliche Vorsorge in Österreich notorisch schwach ist, wird man an der privaten Vorsorge nicht vorbeikommen. Die Versicherungswirtschaft ist vorbereitet, den Stein in die richtige Richtung anzuschieben. Für die Kommunikation in die Breite ist es hingegen unerlässlich, dass die Politik den ersten Schritt macht und den Stein einmal ins Rollen bringt.
Eines dürfen wir dennoch nicht vergessen: Der Staat kann den Stein ins Rollen bringen, indem er die strukturellen Voraussetzungen schafft, um etwa das Pensionssystem zu stabilisieren und die Altersvorsorge mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Doch so notwendig diese Impulse sind, sie markieren nur den Anfang, nicht das Ziel. Denn kein Reformpaket kann jene Lücke schließen, die dort entsteht, wo Verantwortung ausgelagert wird.
An diesem Punkt verschiebt sich die Frage – weg von dem, was Politik leisten kann, hin zu dem, was jede und jeder Einzelne bereit ist zu übernehmen. Und genau hier liegt der springende Punkt: in der Selbstverantwortung. Denn eigenständige, individuelle Vorsorge trifft die Bedürfnisse im Alter besser als die vage Hoffnung auf eine gelungene Reform. Zu einem selbstbestimmten Leben gehört auch eine selbstbestimmte Altersvorsorge.

Steckbrief
Markus Zahrnhofer
Markus Zahrnhofer übernimmt mit 1. Februar 2026 die Position des Risikovorstands (Chief Risk Officer, CRO) der Merkur Versicherung AG. Zahrnhofer verantwortet in dieser Funktion die Bereiche Lebensversicherung, Sach- und Unfallversicherung, Risikomanagement und Konzernmathematik sowie die Auslandstöchter der Gruppe. Die Bestellung erfolgte im Vorfeld der geplanten Verschmelzung der Merkur Lebensversicherung AG mit der Merkur Versicherung AG, die für den Herbst 2026 vorgesehen ist.
Der designierte Risikovorstand ist derzeit noch Vorstandsvorsitzender der Merkur Lebensversicherung AG mit Sitz in Salzburg. Bis zum Abschluss der Integration wird Zahrnhofer seine bisherigen Agenden in der Merkur Lebensversicherung AG weiterhin ausüben.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 05/2026 erschienen.






