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Biogena: Zwischen Hype und Substanz

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Albert Schmidbauer, Gründer und CEO von Biogena

©David Wedenig

Biogena zählt zu den größten und bekanntesten Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln. Dieses Jahr feiert das Unternehmen aus Salzburg sein 20-jähriges Bestehen. Gründer und CEO Albert Schmidbauer zieht Bilanz und spricht über wissenschaftliche Ansprüche, seinen Führungsstil, den Umgang mit kurzlebigen Gesundheitshypes und nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Sie haben sich selbst als Autodidakt bezeichnet und als jemand, der „Fehlstundenweltmeister“ in der Schule war. Was hat Sie damals bewegt – und wie hat sich der junge Unternehmergeist in Ihnen formiert?

Ich war kein Revoluzzer mit Irokese, sondern ein neugieriger Querdenker. Mich hat schon früh interessiert, warum Dinge funktionieren – und was möglich wird, wenn man sie weiterdenkt. Diese Neugier, Zusammenhänge zu verstehen, Muster zu hinterfragen und Neues auszuprobieren, war und ist mein stärkster Antrieb. Für viele heißt es in der Schule, den vorgegebenen – oft auch den mühsamsten – Weg zu gehen. Für mich war sie eher ein Anstoß, nach dem intelligentesten zu suchen. Dieser Zugang hat es mir ermöglicht, Schule und Studium auf einem effizienten Weg abzuschließen: mit klarem Fokus, bewusster Priorisierung und dem Blick darauf, was für mich wirklich relevant war.

Das bedeutete dabei nicht weniger Einsatz, sondern einen klugen Umgang mit Zeit und Energie. Nicht möglichst viel Aufwand war das Ziel, sondern möglichst viel Erkenntnis. Weil mir früh klar war: Meine wichtigsten Lehrer hält das Leben bereit. Übrigens hat sich mein Unternehmensgeist schon sehr früh entwickelt – durch Verantwortung, insbesondere im familiären Umfeld. Verantwortung hieß für mich, Entscheidungen zu treffen, Konsequenzen zu tragen und ins Tun zu kommen. Diese Haltung prägt bis heute meine unternehmerische Handlungsweise.

Was machen Sie besser als andere Supplement-Hersteller?

Vorweg wir nennen uns selbst Mikronährstoffhersteller. Nicht als Abgrenzung, sondern als Selbstverständnis. Weil es für uns um das geht, was im Kern zählt: die Qualität der Stoffe – und wie sie beim Menschen ankommen. Seit 20 Jahren arbeiten wir mit einer klaren Haltung und Vision: Gesundheit und Wohlbefinden für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. Diese Haltung prägt jede Entscheidung – von der Produktentwicklung bis zur Produktion in unserer Good Health World in Koppl bei Salzburg.

Sie führt dazu, dass wir bewusst weit über branchenübliche Standards hinausgehen und Dinge tun, die aufwendiger sind, aber Wirkung zeigen. Wissen Konsumenten immer, woher Produkte kommen und was wirklich drin ist? Vielleicht nicht. Unser Zugang ist, diese Frage gar nicht erst offen zu lassen. Transparenz ist für uns Teil unserer Arbeitsweise und eine Einladung: Jeder kann uns dort besuchen und sich selbst ein Bild davon machen, wie wir arbeiten. Dass wir heute Millionen Kunden begleiten dürfen, und dass viele, die zu uns kommen, bleiben, zeigt uns, dass Vertrauen wächst, wenn Qualität konsequent gelebt wird.

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Zwei Welten, eine Marke: Die Brandbase in Salzburg als Erlebnisraum für die eigene Gesundheit und die Manufaktur (rechtes Bild) in Koppl, wo auf modernstem Standard gefertigt wird

 © David Wedenig, Biogena
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Wie reagierten die Österreicher vor 20 Jahren auf Nahrungsergänzungsmittel, und wie hat sich der Supplement-Markt seither verändert?

Mikronährstoffe waren in der breiten Masse kaum ein Thema. Man kannte vielleicht Vitamin C oder ein paar Standardpräparate aus der Apotheke. Ich bin damals mit meinem Vertreterkoffer von Arzt zu Arzt gegangen und musste erklären, warum Mikronährstoffe relevant sind. Das war echte Grundlagenarbeit. Heute ist das anders: Die Auswahl, die Mengen und die Präsenz am Markt sind enorm gewachsen. Gleichzeitig sind damit auch viele Mythen und Missverständnisse entstanden. Man meint oft, alles sei längst erklärt – dabei erlebe ich nach wie vor diese typischen Momente, in denen sich plötzlich etwas öffnet. Vor 20 Jahren waren es große Augen – diese Aha-Momente sehe ich auch heute noch.

Nahrungsergänzungsmittel polarisieren: Für die einen Gamechanger, für die anderen nutzlos. Was sagen Sie den Skeptikern?

Bei uns geht es mit unserem Claim „My Best Health“ genau darum, die eigene Gesundheit bewusst in die Hand zu nehmen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Dazu gehört auch, Dinge zu hinterfragen. Skepsis ist kein Widerspruch, sondern sollte Teil eines gesunden Umgangs mit dem eigenen Körper sein. Viele Menschen nehmen Beschwerden einfach hin. Meine Erfahrung zeigt: In vielen Fällen kann man etwas tun – oft mit kleinen, gezielten Hebeln. Mikronährstoffe sollen keinen gesunden Lebensstil ersetzen, aber sie können ihn sinnvoll ergänzen. Wer sich darauf einlässt, beginnt Gesundheit aktiv zu gestalten, statt sie dem Zufall zu überlassen.

Gibt es Nährstoffmängel, die fast alle betreffen – oder sogar Krankheiten, die leicht vermieden werden können?

Ja, diese Mängel gibt es – und sie betreffen einen großen Teil der Bevölkerung. Unsere Biogena „Good Health Study“, mit 1.377 Teilnehmern die größte Untersuchung dieser Art im deutschsprachigen Raum, zeigt sehr deutlich, wie verbreitet Defizite bei Vitamin D, Omega-3 und Magnesium sind, ebenso eine zu geringe Zufuhr an Ballaststoffen und Protein. 98 Prozent der Untersuchten wiesen mindestens in einer Dimension einen Mangel auf. Gesundheit bedeutet mehr als das bloße Fehlen von Krankheit. Es geht darum, den Körper optimal zu versorgen. Das zeigt sich im Alltag oft sehr früh – etwa beim Schlaf. Ist der Körper nicht gut versorgt, macht sich das häufig genau dort bemerkbar. Viele Zivilisationskrankheiten entstehen schleichend aus kleinen, über Jahre bestehenden Defiziten. Prävention heißt deshalb, früh anzusetzen – die Grundlage dafür sind gut gefüllte Mikronährstoffspeicher.

Wie viele kommen mit Empfehlungen ihrer Ärzte in Ihre Stores, und wie viele beginnen die Produktsuche mit dem Satz „Ich fühle mich irgendwie ständig XY“?

Beides spielt eine zentrale Rolle. Viele Menschen kommen mit Empfehlungen oder Laborwerten ihrer Ärzte zu uns – das ist und bleibt die wichtigste Grundlage. Andere beginnen das Gespräch mit dem Gefühl: „Ich bin ständig müde oder unausgeglichen.“ Für uns ist entscheidend, beide Zugänge ernst zu nehmen. Wir begleiten mit Wissen und Einordnung, sehen aber verlässliche Testergebnisse als essenziell. Deshalb schaffen wir ergänzend niederschwellige Möglichkeiten zum Testen – über Partnerärzte, in unseren Plazas sowie über At-Home-Tests auf Kapillarblutbasis. So unterstützen wir Menschen dabei, informierte Entscheidungen zu treffen.

Welche Präparate gelten bei Biogena als „Bestseller“ – und warum?

Zu unseren Bestsellern zählen Biogena One, Vitamin D, Siebensalz Magnesium, Omega-3 und unsere Omni-Lactis-Probiotika. Für uns sind Bestseller nicht jene Produkte, die am lautesten beworben werden, sondern jene, die sich über Jahre bewähren und spürbaren Nutzen bringen. Wir decken nicht nur die häufigsten Bedürfnisse ab, sondern halten auch spezialisierte Mikronährstoffe bereit, die nur selten gebraucht werden, für die betroffenen Menschen aber entscheidend sind. Genau deshalb umfasst unser Sortiment über 300 Produkte – und auf keines davon möchten wir verzichten.

Künstliche Intelligenz sehen wir als Chance, komplexe Zusammenhänge verständlicher zu machen. Die Verantwortung für Inhalte, Einordnung und Wirkung bleibt dabei immer beim Menschen

Albert Schmidbauer

Ältere Menschen wollen länger fit bleiben, Jüngere wollen die eigene Jugend und Gesundheit erhalten: Wohin hat sich ihre Zielgruppe in den vergangenen Jahren verschoben? Und wer konsumiert mehr Präparate: Männer oder Frauen?

Die Mitte wird breiter. Früher waren es vor allem gesundheitsbewusste Frauen über 40. Heute kommen Männer, Sportler, Biohacker, Manager, junge Eltern dazu. Frauen konsumieren bewusster und übernehmen oft die Rolle der Gesundheitsmanagerin in der Familie. Männer kommen später – aber dann sehr konsequent.

Welche Rolle spielen Social Media und Künstliche Intelligenz bei ihrer Vermarktung?

Social Media und Künstliche Intelligenz sind für uns Mittel zum Zweck – nicht Selbstzweck. Das Thema Mikronährstoffe ist komplex, Social Media verstärkt diese Komplexität oft zusätzlich, weil dort neben Information auch viel Unsinn kursiert. Unsere Rolle ist klar: Orientierung geben. Wir setzen bewusst auf Wissen aus erster Hand – auch über unsere Academy, Webinare, Masterclasses und den Podcast „The Wellbeing Code“ von unserer Geschäftsführerin Julia Hoffman. Künstliche Intelligenz sehen wir als Chance, komplexe Zusammenhänge verständlicher zu machen. Die Verantwortung für Inhalte, Einordnung und Wirkung bleibt dabei immer beim Menschen.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist für uns keine einzelne Maßnahme, sondern eine grundsätzliche Haltung. Wir denken immer ganzheitlich – von der Art, wie und wo wir produzieren, über Materialentscheidungen und Qualität, bis hin zu der Verantwortung, die wir als Unternehmen tragen. Ein Beispiel dafür ist unser eigens entwickeltes Green PE, ein ökologischer Kunststoff für unsere Produktdosen. Mit der ­Biogena One World Foundation gehen wir nun konsequent den nächsten Schritt: Pro verkauftem Produkt fließt ein Euro in eine gemeinnützige Bundesstiftung für Klima-, Umwelt-, Kinderund Chancenschutz. So wird aus Haltung messbarer Impact.

Was wissenschaftlich wackelt oder im Labor nicht hält, hat am Markt nichts verloren

Albert Schmidbauer

Stichwort Entscheidungen: Was macht heutzutage einen modernen, erfolgreichen Führungsstil aus? Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben?

Leistung klingt für viele erst einmal abschreckend. Für mich ist sie etwas sehr Menschliches – Teil eines ganz normalen Alltags, wenn man für etwas Sinnvolles arbeitet. Unser Ziel ist es, Gesundheit und Wohlbefinden möglichst vielen Menschen weltweit zu er­möglichen. Das ist ein großes Ziel, und dafür braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen und mitgestalten wollen. Mein Führungsstil basiert auf Vertrauen und Eigenverantwortung. Ich glaube an Fordern und Fördern – und daran, Menschen oft mehr zuzutrauen als sie sich selbst. Genau in diesem Rahmen entwickeln sich Menschen weiter. Wenn Anspruch und Menschlichkeit zusammenkommen, wachsen Teams über sich hinaus. Und viele sind überrascht, wie schnell sie bei uns ihr nächstes Level erreichen.

Was war die härteste wissenschaftliche – oder auch wirtschaftliche – Erkenntnis, die ein Biogena-Produkt verhindert oder gestoppt hat?

Mehr als eines. Wenn die Daten nicht passen, wird nicht diskutiert – dann wird gestoppt. Wirtschaftlich schmerzhaft, aber langfristig alternativlos. Was wissenschaftlich wackelt oder im Labor nicht hält, hat am Markt nichts verloren.

Wie oft sagen Ihnen Ärzte hinter vorgehaltener Hand etwas anderes als öffentlich?

Mehr, als man glauben mag. Viele wissen um die Bedeutung von Mikronährstoffen, Bio-hacking und Longevity, aber das System ist träge. Das nehme ich niemandem übel. Veränderung braucht Zeit.

Gesundheit ist zum Lifestyle geworden – von Biohacking bis Longevity. Wie viel Trend darf in Ihrem Business mitschwingen, ohne dass die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit leidet?

Trends sind Einladungen, sich mit etwas auseinanderzusetzen, keine Beweise. Wir prüfen genau: Was ist Hype, was hat Substanz? Was wissenschaftlich standhält, nehmen wir ernst. Der Rest bleibt draußen.

Es geht nicht darum, Menschen zu bevormunden, sondern sie zu befähigen, sich bewusst mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen

Albert Schmidbauer
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 © David Wedenig

Was nervt Sie mehr: Regulatorische Hürden oder Social-Media-Halbwissen über Mikronährstoffe?

Beides hat seine Berechtigung, aber ich sehe Regulatorien differenziert. Klare Regeln sind wichtig, sie schaffen Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig gibt es nicht den einen Menschen. Wir sind unterschiedlich – in Größe, Gewicht, Lebensstil, Belastung und auch darin, was wir an einem bestimmten Tag brauchen. Gesundheit ist individuell und verändert sich.

Gerade deshalb ist Eigenverantwortung so wichtig. Es geht nicht darum, Menschen zu bevormunden, sondern sie zu befähigen, sich bewusst mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Social Media kann dabei helfen, aber auch irritieren – Information gehört dennoch zu einer offenen Gesellschaft.

Unsere Rolle sehen wir darin, als Partner zu begleiten, Wissen einzuordnen und Orientierung zu geben. Eine gesunde Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper braucht Vertrauen, nicht Angst. Gesundheit entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen können.

In vielen anderen Ländern sind Nährstoffinfusionen schon lange Trend, in Österreich locken die Biogena Plazas mittlerweile mit einem ähnlichen Angebot – Biohacking und Vitamin-Infusionen während der Mittagspause, quasi. Sind die Menschen heute gesundheitsbewusster als früher? Oder sind wir einfach immer auf der Suche nach dem nächsten Trend?

Was sich verändert hat, ist die Beziehung zur eigenen Gesundheit. Menschen wollen heute nicht nur alt werden, sondern gut alt werden – körperlich, geistig und seelisch.

Wir sehen ein deutlich stärkeres Bewusstsein dafür, dass Gesundheit etwas Aktives ist. Infusionen oder Biohacking sind dabei für viele Werkzeuge – nicht das Ziel an sich. Unsere Rolle verstehen wir als Sparringspartner. Gesundheit ist nicht delegierbar – weder an Ärzte noch an Familie oder Partner. Wir unterstützen Menschen dabei, informierte Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Wenn Sie heute neu starten müssten: Würden Sie wieder Nahrungsergänzungsmittel machen – oder gibt es inzwischen spannendere (Gesundheits-) Felder?

Ja. Und wieder mit voller Überzeugung. Vor allem, weil Gesundheit keine Wachstumskritik kennt. Niemand sagt ernsthaft: Jetzt reicht’s mit mehr Gesundheit. Gesundheit ist ein System. Mikronährstoffe sind dabei ein wesentlicher Bestandteil – gleichzeitig gehört weit mehr dazu: Diagnostik, Prävention, Lebensstil und Aufklärung. Erst dieses Zusammenspiel macht Gesundheit ganzheitlich. Genau deshalb verstehen wir uns heute nicht als reines Mikronährstoffunternehmen, sondern als Gesundheitsdestination – als Ort, an dem all diese Aspekte zusammenkommen und Menschen begleitet werden.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 05/2026 erschienen.

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