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FSME-Anfälligkeit - Forscher finden Angriffspunkt im Erbgut

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Infektionen mit dem FSME-Virus können schwerwiegend sein
©APA/APA/dpa/Themenbild/Patrick Pleul
Die durch Zecken übertragene FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) verursacht schwere Entzündungen des Nervensystems. Österreichweit werden jährlich zwischen 100 und 200 FSME-Fälle registriert, die häufig noch lange nachwirken. Ein Team an der Medizinischen Universität Graz hat in den Genen einen zentralen Angriffspunkt des Virus im menschlichen Körper entdeckt. Der Risikofaktor könnte ein Schlüssel für neue Behandlungsstrategien sein, teilte die Med Uni am Dienstag mit.

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Infektionen mit dem FSME-Virus können schwerwiegend sein: Von jenen Erwachsenen, die wegen der kombinierten Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) und des Gehirngewebes (Enzephalitis) im Spital behandelt werden müssen, zeigt rund die Hälfte bei Spitalsentlassung eine inkomplette Heilung. Ein Zehntel erleidet während des stationären Aufenthaltes die Lähmung einer Extremität, die Sterblichkeit liegt bei etwa einem Prozent. Eine spezifische antivirale Behandlung gibt es bisher nicht, führte Studienleiter Werner Zenz von der Klinischen Abteilung für Allgemeine Pädiatrie der Med Uni Graz gegenüber der APA aus.

Es sei in der Medizin mittlerweile gut bekannt, dass das Auftreten von Infektionserkrankungen nicht nur vom Kontakt mit einem Erreger, sondern auch von einer individuellen genetischen Empfindlichkeit des Menschen gegenüber dem Erreger abhängt. Das Team der Grazer Kinderklinik unter der Leitung von Werner Zenz hat daher eine internationale Forschungskooperation ins Leben gerufen um das Genom von FSME-Patienten zu untersuchen. Daraus wurde eine der bisher weltweit größten FSME-Studien, in der genetische Daten von rund 1.600 Personen aus Slowenien, Tschechien, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Deutschland, England und Österreich verglichen werden konnten.

Im Zuge der genomweiten Assoziationsstudie haben die beiden Erstautoren aus Graz - Piyush Gampawar und Manfred Sagmeister - rund 700.000 genetische Varianten pro Person analysiert und diese mit gesunden Kontrollgruppen verglichen. Sie sind dabei auf eine auffällige Häufung einer genetischen Variante im sogenannten ABCG1-Gen gestoßen. Das gab den Hinweis auf eine potenzielle Rolle von ABCG1 in der FSME-Virus-Biologie.

Als sie daraufhin in Laborexperimenten das Gen in Zellkultur gezielt pharmakologisch blockierten, zeigte sich, dass sich das FSME-Virus unter diesen Bedingungen tatsächlich deutlich schlechter vermehrte. "Unsere Ergebnisse sprechen stark dafür, dass ABCG1 ein zentraler Angriffspunkt des FSME-Virus im menschlichen Körper ist. Wir haben da eine neue Tür aufgestoßen", sagte Zenz gegenüber der APA. Das seien wichtige Ergebnisse für das Verständnis der genetischen Grundlagen der FSME, wie die Autoren zusammenfassend betonten.

Das vom ABCG1-Gen gesteuerte Membranprotein ABCG1 ist bisher für seine wichtige Rolle beim Transport von Lipiden (Fetten), insbesondere Cholesterin, bekannt. Es transportiert Cholesterin aus den menschlichen Zellen an die Oberfläche der Zellmembran.

Weitere Forschungsprojekte sollen nun zeigen, ob eine gezielte Blockade dieses Gens einen positiven Einfluss auf den klinischen Verlauf einer FSME hat. Interessant sei laut Zenz auch, ob dieses Ergebnis auch für andere Arten viraler Hirnhautentzündungen wie Masern, Herpes, Tollwut, Enteroviren etc. relevant werden könnte.

(S E R V I C E - P. Gampawar, M. Sagmeister, W. Zenz et al.: Genome-wide association study identifies ABCG1 as a susceptibility locus for tick-borne encephalitis", https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2589004225022783?via%3Dihub)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa/Themenbild/Patrick Pleul

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