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Falsche Krebsdiagnose: Anwalt der Patientin kündigt Strafanzeige gegen Gesundheitsholding an

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Karl Heinz Stadlbauer, Ärztlicher Direktor des Kepler Universitätsklinikums

©KUK

Das Kepler Universitätsklinikum in Linz kommt nicht zur Ruhe. Nach der folgenschweren Fehloperation einer jungen Patientin sorgt nun auch der Umgang der Verantwortlichen mit der jungen Frau für massive Kritik.  

In der Causa rund um die Fehldiagnose gehen weiter die Emotionen hoch. Nachdem einer 30-jährigen Frau im letzten Sommer am Kepler Uniklinikum in Linz ohne medizinische Notwendigkeit die Gebärmutter, beide Eileiter und ein Eierstock entfernt worden waren, sehen sich die Verantwortlichen mit weiteren Vorwürfen konfrontiert.

Denn während das Gesprächsangebot ihres Rechtsanwalts Rainer Hable monatelang verweigert worden ist, wandte sich die oberösterreichische Gesundheitsholding just selbst am vergangenen Montag an die Öffentlichkeit. Ohne sich die erforderliche Zustimmung der Betroffenen einzuholen.

Eiskalte Kommunikation

Auslöser dieses Vorganges war offenbar eine offizielle Anfrage von News und Krone an die Gesundheitsholding. Ohne das Gespräch mit der Patientin oder ihrem Anwalt zu suchen, platzierte die Gesundheitsholding ihre einseitige Darstellung des Falls über ein Linzer Regionalmedium. Dort ließ sich gleich der Ärztliche Direktor Karl Heinz Stadlbauer persönlich zitieren. Auch in der „ZiB 2“ sollte er Stellung beziehen.

Ein Wort der Entschuldigung oder des Bedauerns kam Stadlbauer dabei nicht über die Lippen. Stattdessen blieb es bei Hinweisen auf Abläufe, Standards und statistische Wahrscheinlichkeiten. Ohne Gespür. Ohne jede Empathie. Erst nach massiver Kritik an der desaströsen Kommunikationspolitik der Klinikführung ruderte man zurück und gab sich zumindest im Ton zurückhaltender.

„Ich war fast ohnmächtig“

Für die betroffene junge Frau ist das alles schwer erträglich. „Ich war fast ohnmächtig“, sagt sie. „Ich erwarte keine positive Nachricht mehr von der Gesundheitsholding, weil sie mich ständig nur enttäuschen.“ Und weiter: „Ich verstehe das alles nicht. Warum reden sie hinter meinem Rücken mit einer Zeitung – aber nicht mit mir?“

Sie habe die öffentlichen Auftritte der Verantwortlichen verfolgt. „Wie können sie über mich so ruhig reden – ohne jede Emotion. Ich bin keine Prozentzahl.“

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Für die Patientin ist das Verhalten der Oberösterreichischen Gesundheitsholding nur schwer erträglich.

 © Markus Wenzel/Kronenzeitung

Strafanzeige

Das fragwürdige Vorgehen der Verantwortlichen wirft nun auch rechtliche Fragen auf. Es geht um den Bruch der ärztlichen Schweigepflicht – auf die die Pressestelle bei der Beantwortung der Anfrage von News und Krone noch selbst ausdrücklich hingewiesen hatte. Dass dennoch unabgesprochen der Weg an die Öffentlichkeit gewählt wurde, ohne zuvor das Gespräch mit der Betroffenen zu suchen, könnte nun auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Rechtsanwalt Rainer Hable kündigt jedenfalls eine Strafanzeige an. „Der Umgang mit meiner Mandantin war schon in den vergangenen Monaten skandalös. Mit dem Bruch der Vertraulichkeit ist nun eine neue Stufe erreicht – und das sollte Konsequenzen haben.“

Zugleich stellt Hable klar: „Mit diesem Vorgehen ist jedes Vertrauen in die handelnden Personen in Uniklinik und Gesundheitsholding endgültig zerstört.“

Zurück bleibt eine junge Frau, die erst operiert wurde – und dann aus den Medien erfahren musste, wie seitens der Gesundheitsholding über ihren Fall gesprochen wird. Nicht mit ihr. Sondern über sie. Mehrere Anfragen von News und Krone ließ die Pressesprecherin unbeantwortet.

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