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Digital Detox to go: Warum „Dumbphones“ bei jungen Erwachsenen zum Statussymbol werden

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©istock_ Azay photography

Einfache Tastenhandys ohne Apps und Benachrichtigungen werden bei jungen Erwachsenen vom belächelten Relikt zum bewussten Statement. Zwischen steigenden Verkaufszahlen in den USA, neuen High-Tech-Dumbphones aus der Schweiz und österreichischen Handyverboten an Schulen zeigt sich ein breiterer Trend zu weniger Bildschirmzeit.

News auf Google bevorzugen

Wer derzeit unter jungen Erwachsenen ein einfaches Tastenhandy aus der Tasche zieht, erntet damit inzwischen eher anerkennende Blicke als Mitleid. Sogenannte Dumbphones, minimalistische Mobiltelefone ohne Apps, Social-Media-Feeds und Dauer-Benachrichtigungen, entwickeln sich vom belächelten Relikt zum bewussten Statement gegen die eigene Smartphone-Abhängigkeit.

In den USA verzeichnen Anbieter solcher Geräte laut Marktbeobachtungen inzwischen deutlich höhere Umsätze als noch vor wenigen Jahren, der Hashtag #BringBackFlipPhones kommt auf TikTok mittlerweile auf knapp 60 Millionen Aufrufe. In den USA machten reine Feature-Phones zuletzt gut zwei Prozent aller verkauften Handys aus, Marktbeobachtungen zufolge könnte dieser Anteil in den kommenden Jahren auf bis zu fünf Prozent steigen. Verglichen mit dem Smartphone-Gesamtmarkt bleibt das eine Nische, für eine Produktkategorie, die eigentlich als ausgestorben galt, ist es dennoch eine bemerkenswerte Trendumkehr.

Vom Retro-Gadget zum durchdachten Werkzeug

Anders als beim reinen Retro-Handy der 2000er-Jahre docken manche Hersteller inzwischen technisch deutlich anspruchsvoller an. Der Schweizer Anbieter Punkt brachte mit dem MC03 ein Gerät im Smartphone-Format auf den Markt, das aber ein eigenes, auf Privatsphäre ausgerichtetes Betriebssystem nutzt und gezielt auf suchtfördernde Elemente verzichtet. Ähnlich positioniert sich der Nischenhersteller Sidephone mit seiner „Founders Edition“: Karten, Fahrdienst- und Nachrichten-Apps sind an Bord, algorithmische Feeds sozialer Medien dagegen bewusst blockiert. Beobachterinnen und Beobachter der Branche sehen darin die Reifung eines Marktes, der sich vom nostalgischen Nischenprodukt zum funktionalen Werkzeug entwickelt.

Digitale Pausen werden zur Selbstregulierung

Der Wunsch nach weniger Bildschirmzeit ist dabei kein Nischenphänomen mehr. Eine Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitkom ergab, dass rund 27 Prozent der Deutschen sich für das laufende Jahr eine digitale Auszeit vorgenommen haben, besonders stark treibt die Generation Z diesen Trend. Eine Erhebung des Marktforschungsunternehmens GWI unter 20.000 Jugendlichen und deren Eltern in 18 Ländern zeigt zudem, dass der Anteil der Zwölf- bis 15-Jährigen, die bewusst Pausen von Smartphones, Computern und Tablets einlegen, seit 2022 von 22 auf 40 Prozent gestiegen ist.

Zwischen Berliner Offline-Club und Handyverbot an österreichischen Schulen

Ganz einfach ist die Umsetzung offenbar nicht: Laut einer Erhebung des Beratungsunternehmens Airteam versuchen 57 Prozent der Generation Z einen Digital Detox, langfristig erfolgreich sind aber nur 28 Prozent. In Berlin eröffnete kürzlich der erste Offline-Club Deutschlands, in dem Besucherinnen und Besucher freiwillig Eintritt zahlen, um drei Stunden ohne Handy am Tisch zu sitzen.

Auch in Österreich ist das Thema präsent, wenn auch bislang vor allem mit Blick auf Kinder und Jugendliche: Mehrere Schulen führten zuletzt ein Handyverbot während des Unterrichts ein, die Bundesregierung einigte sich zudem auf ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige. Teresa Koch vom Institut für Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Wien, die zur sogenannten digitalen Reife von Kindern und Jugendlichen forscht, betont dabei, dass reine Verbote allein nicht ausreichten. Jugendliche mit hoher digitaler Reife fühlten sich sowohl online als auch offline stärker sozial verbunden, weil sie soziale Netzwerke gezielter zur Pflege realer Freundschaften nutzten.

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