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Gängig vor allem vor ein bis zwei Generationen: Hausarrest. Doch auch heute greifen Eltern noch auf das Rausgeh-Verbot zurück, sagt der Erziehungsberater Ulric Ritzer-Sachs. "Nach wie vor finde ich das weder für Eltern noch Kinder sinnvoll", sagt er, "Es macht alle in einer ohnehin angespannten Situation nur noch unzufriedener.".
Im Zeitalter digitaler Medien wirken vor allem Verbote rund um Smartphone, Konsole und Co. – und zwar auch als Strafe etwa für den nicht ausgeräumten Geschirrspüler. Ritzer-Sachs: "Wenn ich den Bildschirm generell als Belohnung oder Sanktionsmittel nutze, mache ich ihn nur noch wichtiger und bedeutungsvoller." Beim Kind folge auf diese Strafe selten Einsicht, sondern vielmehr Wut.
Die schlimmste Strafe, die Eltern geben können, ist Liebesentzug, sagt Psychologin Elisabeth Raffauf. "Das gab es früher schon und heute leider auch noch viel, dass Eltern sich entziehen und einfach nicht mehr mit ihrem Kind sprechen", erklärt die Psychotherapeutin. "Das ist ganz schrecklich und ich rate immer klar davon ab, das zu tun. Gehen Sie nie aus dem Kontakt!"
Was die Psychologin oft als Problem beim Strafen sieht: Es geht darum zu zeigen, wer mächtiger ist. "Eltern begeben sich damit in den Ring, statt Eltern zu bleiben", sagt sie. "Wollen Eltern um jeden Preis stärker sein, ist das oft mit einem Vertrauensverlust verbunden." Eltern müssen Leitschienen geben, dürfen aber in Diskussionen mit ihren Kindern auch mal unterliegen. Denn es geht nicht darum, einen Kampf zu gewinnen, sondern um Grenzen, die das Kind schützen. "Diese Haltung spüren Kinder."
Und sie sind diejenigen, die solche Machtkämpfe beenden müssen, sagt Ritzer-Sachs: "Selbst ein Siebzehnjähriger kann das noch nicht. Ich als Mutter oder Vater muss aus dem Machtkampf aussteigen." Das beendet das Problem samt Stress erst einmal nicht. Aber ist später wieder ein Gespräch möglich, können Eltern dem Kind sagen, was sie gestört hat. "Nicht du störst mich, sondern dein Verhalten stört mich", sollte laut Ritzer-Sachs die Aussage sein. Das sei ein großer Unterschied, so der Erziehungsprofi.
Das heißt nicht, dass Konsequenzen aus einem ungehorsamen Verhalten des Kindes nicht Sinn machen können. Es sollte aber möglichst einen Zusammenhang geben. Ein Beispiel von Raffauf: Kommt der oder die Jugendliche vermehrt abends viel später als vereinbart nach Hause, sodass die Eltern sich sorgen, könnte eine Folge sein, das Kind künftig eine Weile zur verabredeten Zeit abzuholen, statt dass es eigenständig zurückkommt. Auch ein Wochenende ohne Party ist denkbar. Wichtig: Konsequenzen sollten immer klar und für die Jugendlichen erkennbar begrenzt sein.
Oder Eltern finden heraus, dass das Kind sich letzte Nacht heimlich das Handy zum Spielen ins Zimmer geholt hat, obwohl der Deal war, dass das Gerät nachts in der Küche Pause hat. "Dann ist es in Ordnung, wenn für den nächsten Tag das Gerät weg ist", sagt Ritzer-Sachs. "Eine Sanktion sollte aber immer mit der Sache zu tun haben."
Klar ist für ihn:
Beispiel unausgeräumter Geschirrspüler: "Es ist wichtig, dass sich Kinder im Haushalt beteiligen", stellt der Erziehungsberater klar. "Es ist nur fair, dass die Eltern nicht alle Arbeit haben, und es ist wichtig, dass die Kinder Abläufe lernen und auch lernen, sich zu beteiligen." Doch selbst, wenn Eltern das ihren Kindern erklärt haben, müssen sie vermutlich immer wieder hinterher sein, dass der Geschirrspüler tatsächlich ausgeräumt wird.
"Mach ich gleich", die Antwort kennen Eltern in solchen Situationen zur Genüge. Und wenn nach fünfmal Ermahnen und drei Stunden später immer noch nichts passiert ist? "Dann ist elterlicher Unmut okay und Eltern können darauf dringen, dass es nun sofort zu erledigen sei", sagt der Erziehungsberater. Laut Ritzer-Sachs, ist es auch wichtig Kindern zu sagen, dass sie etwas gut gemacht haben, selbst wenn der Geschirrspüler erst nach drei Stunden ausgeräumt ist.
Beim wunden Punkt Medienkonsum schlägt der Erziehungsberater einen Medienvertrag zwischen Eltern und Kind vor. "Da muss auch drinstehen, was bei Verstößen passiert." Wenn etwas nicht mehr zu passen scheint, muss neu verhandelt werden. "Für wichtiger als die genaue Dauer der Handynutzung halte ich, dass es einen Anfang und ein Ende gibt", rät Ritzer-Sachs. Sprich: Es gibt auch Ruhezeiten für das Gerät.
Den Kindern immer wieder erklären, Pflichten in Erinnerung rufen, Stress und Widerstand aushalten – das klingt nach einem mühsamen Job für Eltern. "Es ist der schwerere Weg als Rumschreien und Schimpfen", gibt der Erziehungsexperte zu. Doch auch wenn Letzteres vermeintlich besser wirkt: "Langfristig erziehe ich ein Kind damit nicht zur Selbstständigkeit, sondern – wenn überhaupt – zum Befehlsempfänger." Gibt es aber immer wieder Kämpfe um Regeln, können sich Eltern auch Rat holen, sagt Ritzer-Sachs.
ILLUSTRATION - Handy- oder Computerverbot? Beim wunden Punkt Medienkonsum schlagen Experten einen Medienvertrag zwischen Eltern und Kind vor. (zu dpa: «Von Hausarrest bis Handyverbot: Wie sinnvoll sind Strafen?») Foto: Rainer Berg/Westend61/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++





