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Fernreisen mit Kleinkindern: Besser nicht in Malariagebiete

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Malaria wird durch den Stich der Anopheles-Mücke übertragen
©APA, dpa, Patrick Pleul
Lange Fernreisen gehören mittlerweile oft zum Lebensprogramm von jungen Eltern. Auch mit Kleinkindern ist das gut möglich. Doch deutsche Reisemedizin-Experten haben jetzt gewarnt: Babys und Kleinkinder sollten auf keinen Fall in Malariagebiete gebracht werden. Die Krankheitsverläufe sind oft schwer.

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"Mit einem Säugling oder Kleinkind 'an Bord' gilt es jedoch sorgfältig zu planen, sich frühzeitig reisemedizinisch beraten zu lassen und Reiseziele mit Bedacht auszuwählen", hieß es jetzt in einer Aussendung aus Anlass des 27. Forums "Reisen und Gesundheit" in Berlin.

Wenn für einen Urlaub nicht nur wenige Wochen, sondern mehrere Monate zur Verfügung stünden, rückten oft auch weit entfernte Ziele ins Visier. "Gerade Traumziele in den Tropen oder Subtropen sind jedoch häufig zugleich Malaria-Gebiete", sagte Markus Frühwein, Allgemeinarzt, Tropen- und Reisemediziner aus München.

Hauptverbreitungsgebiet ist der afrikanische Kontinent südlich der Sahara - mit Tourismushotspots wie Kenia und Tansania -, aber auch die äquatornahen Regionen Asiens und Südamerikas sind betroffen. Insgesamt sind es rund hundert Länder in den sub-/tropischen Bereichen aller Kontinente mit Ausnahme Australiens, in denen die Malaria heimisch ist. Entsprechend groß ist die Krankheitslast. "Weltweit erkranken jährlich etwa 280 Millionen Menschen an einer Malaria", sagte Frühwein. Dabei fordere die Erkrankung rund 600.000 Tote pro Jahr, drei Viertel davon seien Kinder unter fünf Jahren. Genau das beschreibt auch die Gefahr von Babys und Kleinkindern, die in diese Regionen einreisen.

Die Malaria wird von einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht, die durch den Stich der Anopheles-Mücke auf den Menschen übertragen werden. In Regionen wie Deutschland oder Österreich sind weder Mücke noch Erreger heimisch, dennoch gibt es beispielsweise in Deutschland jedes Jahr zwischen 500 und 1.000 Malaria-Erkrankungen, die zumeist aus Afrika importiert werden. Dort wurden im Jahr 2024 auch 128 Minderjährige mit der Tropenkrankheit registriert. In Österreich hat eine wissenschaftliche Studie über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg im Durchschnitt 28 importierte Fälle pro Jahr ergeben, dies aber über alle Altersgruppen hinweg.

"Babys und Kinder unter fünf Jahren sind besonders häufig von schweren Verläufen betroffen", sagte Frühwein. Entscheidend dafür, einen schweren Krankheitsverlauf abzuwenden, sei eine frühzeitige Diagnostik und Therapie; gerade bei Kindern äußere sich eine Malaria jedoch oft sehr unspezifisch. Neben Kopf- und Gliederschmerzen entwickelten sie häufig auch Bauchschmerzen und Durchfälle, die nicht zuvorderst an eine Malaria denken ließen. "Bei Kindern sollte deshalb grundsätzlich jeder fieberhafte Infekt nach einem Aufenthalt in Malariagebieten im Labor abgeklärt werden."

Auch die Möglichkeiten der Prophylaxe sind bei sehr kleinen Kindern nicht so gut wie bei Kindern, die bereits das Schulalter erreicht haben. Die wichtigsten Maßnahmen sind der Schutz vor den Dämmerungs- bzw. nachtaktiven Anopheles-Mücken sowie die medikamentöse Malaria-Prophylaxe. Die entsprechenden Medikamente sind aber nicht alle für Kleinkinder zugelassen. Auch mit Insektiziden imprägnierte Kleidung zum Mückenschutz sei erst für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr geeignet: das Repellens DEET ab zwei Jahren, das dazu gleichwertige Icaridin ab sechs Monaten.

Mit kleinen Kindern sollten deshalb laut dem deutschen Experten nach Möglichkeit Reiserouten abseits von Malaria-Gebieten gewählt werden. Wer mit den Kleinsten nicht ohnehin in Europa bleiben wolle, solle deshalb Malaria-freie Gebiete wie Australien und Neuseeland, Nordamerika, Südafrika oder die südlicheren Länder Südamerikas als Reiseziele ins Auge fassen. Andernfalls ist auf eine gute reisemedizinische Aufklärung und die Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen mit Mückenschutz, medikamentöser Prophylaxe und schnelle Tests im Verdachtsfall zu achten.

Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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