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Diabetes verstehen leicht gemacht - Infos durch KI

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Diabetes wird mit Hilfe von Ki leichter verstanden
©APA, dpa-Zentralbild, Jens Kalaene
Nach der Diagnose Diabetes mellitus bleiben oft Fragen offen, bzw. stellen sich viele erst, wenn man den ersten Schreck verarbeitet hat. Broschüren oder Webseiten sind oft vollgepackt mit Informationen, die selten auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt sind. Ein interaktives System, das Patientinnen und Patienten mit maßgeschneiderten Informationen versorgt, haben Experten von TU Graz, Uni Graz und Med Uni Graz entwickelt.

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Etwa jeder fünfte Erwachsene in Österreich ist laut den Tests bei der Gesundenuntersuchung von einer Vorstufe der Zuckerkrankheit betroffen. Rund drei Prozent haben Diabetes, der bis dahin noch nicht diagnostiziert worden ist. Das Akzeptieren der Diagnose, die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und die Integration von Therapien in den Alltag bedeuten für Betroffene eine große Umstellung. Vielen gelingt es nicht, ihren Blutzucker dauerhaft im Zielbereich zu halten - das mag auch an mangelnder oder nicht wirklich verstandener Information liegen. Das Grazer Experten-Team wollte daher ein Informationssystem entwickeln, das wissenschaftlich geprüfte Inhalte so präsentiert, dass Patientinnen je nach Wissensniveau gut informiert werden, wie die TU am Donnerstag mitteilte.

"Unser Ziel war es, medizinische Evidenz so zu vermitteln, dass sie wirklich verstanden wird und nicht nur gelesen", erklärte Tobias Schreck vom Institute of Visual Computing der TU Graz. Das entwickelte System namens A+CHIS (Adaptive Consumer Health Information System) erkennt, wie viel Detailtiefe eine Person erfassen kann, und stellt Inhalte entsprechend dar - wer es kurz und knackig haben will, bekommt eine einfache Schlagwortwolke, wer tiefer eintauchen will, kann sich durch Infografiken klicken oder bekommt vertiefende Fachtexte geboten.

Die Grundlage der Lösung ist ein sogenanntes multidimensional adaptives System: Es analysiert anonymisierte Interaktionsdaten wie Mausbewegungen oder Scrollverhalten, erkennt geistige Überforderung und kann die Darstellung dynamisch anpassen. Dazu hat das Forschungsteam zuerst anhand von Daten aus einer Studie mit 250 Teilnehmenden untersucht, wie sich aus Interaktionsmustern verlässlich ableiten lässt, wann Informationen als zu komplex wahrgenommen werden.

Mithilfe von Large Language Models agiere A+CHIS wie ein digitaler Dialogpartner, der nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch typische Denkfehler erkennt. Beispielsweise sogenannte Bestätigungsfehler: Wenn Menschen nur nach Informationen suchen, die ihre Meinung stützen, greift die KI ein und zeigt alternative Perspektiven auf. Damit die Informationen auch wirklich korrekt sind, greift das System ausschließlich auf Materialien, die von der Medizinischen Universität Graz geprüft wurden, zurück. So soll zugleich verhindert werden, dass die KI "Halluzinationen" produziert.

Das System wurde vorerst für Diabetes-Informationen entwickelt. Laut Schreck lasse es sich auch auf andere medizinische Themen übertragen. Die Projektergebnisse sind als Open-Source-Code verfügbar. Noch in diesem Frühjahr soll ein Citizen-Science-Folgeprojekt starten, in dem die effektive Vermittlung von vertrauenswürdigen Gesundheitsinformationen weiter erforscht wird.

(S E R V I C E - https://apchis.ivc.tugraz.at/about, https://apchis.ivc.tugraz.at/media/pdfs/publications/poster.pdf )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene/Jens Kalaene

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