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"Ab dem ersten Zahn muss dieser sauber gehalten werden", sagt Johanna Kant. Die Vorsitzende des deutschen Bundesverbandes der Kinderzahnärzte empfiehlt sogar, beim Baby schon vorher mit speziellen Fingerlingen ganz vorsichtig und kurz den Kieferkamm zu massieren. "Zum einen gewöhnen sich die Kinder dann schon früh daran, zum anderen fördert das ein bisschen die Durchblutung, was das Zahnen unter Umständen einfacher macht."
Zahnbürsten für Kinder haben weichere Borsten, manche sogar einen längeren Griff für die größeren Hände der Eltern. Bei ein, zwei Zähnchen geht das Putzen ganz flott, im Alter von zwei bis drei Jahren ist beim Milchgebiss dann schon System gefragt. Das funktioniert nach der Regel "KAI Plus": erst die Kauflächen, dann die Außen- und Innenflächen. Das Plus bedeutet: Die Eltern sind für saubere Zähne ihrer Kinder zuständig.
"Der Mund ist ein Intimbereich", sagt Kinderzahnärztin Kant. Das gelte für Kinder und Erwachsene. Allerdings: "Kleine Kinder erfahren die Welt über den Mund, es ist ihnen daher nicht fremd, etwas in den Mund zu stecken." Eltern können das nutzen, indem ihr Kind, sobald es dazu in der Lage ist, zum Beispiel auf einer zusätzlichen Kinderzahnbürste herumkauen und sie mit dem Mund erkunden darf.
Unangenehm wird es aber auch, wenn Schmerzen im Spiel sind. Daher gilt: "Schrubben Sie am Oberkiefer nicht über das Lippenband", sagt Johanna Kant. Im Unterkiefer ist dieses Bändchen ein bisschen weiter weg von den Zähnen, aber oben beginnt es oft direkt am Kiefer. "Wenn Sie darüber putzen, tut es den Kindern weh. Das führt zu dem Empfinden:, Die Zahnbürste ist blöd, die soll nicht in meinen Mund kommen."
Einem Baby putzen Eltern am besten die Zähne, wenn es auf dem Wickeltisch liegt. Was auch geht: das Baby so auf den eigenen Schoß legen, dass die Füßchen von einem wegzeigen, und dann darüber gebeugt von oben putzen. Auch wenn man bei Zwei- oder Dreijährigen von vorn putzen kann, hilft manchmal das Von-oben-Putzen, weil Kinder oft instinktiv zurückweichen.
Vater oder Mutter setzen sich dafür hin, das Kind lehnt sich mit dem Rücken an deren Beine und beugt den Kopf leicht zurück. Beim Putzen immer mit dem Finger die Lippe etwas abhalten, um zu sehen, was man genau macht. "Das will geübt sein", sagt Johanna Kant. "Anderen Menschen die Zähne zu putzen, ist schwierig."
Den Sinn vom Zähneputzen verstehen Kinder unter drei Jahren meist noch nicht. Aber sie nehmen bereits vieles wahr, sagt Diplom-Sozialpädagogin Dana Mundt. Etwa, was die Großen tun. "Das Vorbild von Eltern wirkt", ist sie sich sicher. "Lassen Sie das Kind im Alltag einfach mitlaufen."
Schon in der Babywippe können die Kleinsten im Bad dabei sein, später erst recht. "Man kann auch ein Ritual daraus machen:, Komm, jetzt putzen wir uns mal alle die Zähne!", schlägt Mundt vor. Wichtig ist laut beiden Expertinnen: alles ohne Zeitdruck, damit Stress keine Chance hat.
Jedes Kind und jede Familie ist anders, man sollte daher den eigenen, passenden Weg finden. Was aber oft wirkt, ist Singen. Ob man ein Zahnputzlied abspielt und mitsingt oder sich selbst einen Reim und eine Melodie ausdenkt: Mit Musik macht Kindern das Putzen mehr Spaß und sie schafft eine entspannte Atmosphäre.
"Sie können sich auch Anregung im Kindergarten holen", sagt Dana Mundt. "Oft werden dort Zahnputzlieder gesungen, so können Sie an Bekanntes anknüpfen." Auch Kreativität ist gefragt: zum Beispiel beim Zähneputzen eine Geschichte erzählen oder nach dem Putzen direkt kuscheln. Manche Kinder mögen immer das gleiche Ritual, andere lieben dabei Abwechslung.
Forschen Sie nach der Ursache. "Oft steckt Zeitdruck hinter Stress", sagt Sozialpädagogin Mundt. Wenn es schnell gehen muss, sind alle angespannt. "Nehmen Sie sich deshalb morgens und abends genug Zeit fürs Zähneputzen." Manchmal haben die Kinder auch einfach keine Lust oder die Autonomie- oder "Trotzphase" kommt noch on top.
Für Eltern ist dann wichtig, konsequent dranzubleiben, auch wenn starke Nerven nötig sind. Zum Machtkampf sollte das Thema Zähneputzen jedoch möglichst nicht werden. "Versuchen Sie, eine entspannte Situation zu schaffen", rät Dana Mundt. Das gelingt mit den bereits erwähnten spielerischen Elementen am besten. Beteiligen Sie das Kind, indem es sich etwa eine schöne Zahnbürste selbst aussuchen darf.
"Das ist keine gute Idee", sagt Kinderzahnärztin Johanna Kant. Ihr Rat: Schauen Sie auch hier, woran es liegen könnte, dass das Kind quengelt. Vielleicht ist der Zeitpunkt ungünstig, weil es schon übermüdet ist? Dann suchen Sie einen anderen, schlägt die Expertin vor.
So könne man zum Beispiel nach dem Mittagsschlaf gründlich putzen, sodass die Beläge herunter seien. Dann reiche vor dem Schlafengehen, kurz die Essensreste zu entfernen. Wichtig ist laut der Ärztin, dass zweimal am Tag geputzt wird, am besten morgens und abends. "Wenn die Zähne einmal am Tag richtig sauber werden, kann es das andere Mal auch flott gehen."
Fixieren die Eltern das Kind, um ihm gegen seinen Willen die Zähne zu putzen, löst diese Überrumpelung beim Kind massiven Stress aus. "Das hilft gar nicht, sondern baut nur Druck auf", sagt Dana Mundt. "Das Kind erlebt einen Kontrollverlust und verbindet das Putzen mit negativen Gefühlen." Selbst wenn so ein Durchsetzen Eltern kurzfristig zu helfen scheine, sollten sie bedenken, dass das kein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Kind und Eltern schaffe.
Unter besonderen Umständen kann laut Kinderzahnärztin Johanna Kant Unterstützen und Halten aber auch hilfreich sein. Etwa in schwierigen Phasen oder auch bei Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). "Es geht aber nie um ein gewalttätiges Fixieren des Kopfes, sondern um Halt bieten", sagt sie. In der Kinderzahnarztpraxis könne genau gezeigt werden, wie man auch unter schwierigen Bedingungen schnell und gründlich putzt. "Halten ist manchmal notwendig, aber nicht die Regel", sagt die Expertin. "Und es sollte niemals mit Stress verbunden sein."
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Christin Klose/Christin Klose
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Bernd Von Jutrczenka/Bernd Von Jutrczenka
