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Belastende Mutterrolle: Perfektionsdrang über Bord werfen

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Als Mutter muss man nicht jede Rolle auf sich nehmen
©APA, dpa-tmn, Julian Stratenschulte
Mutter sein ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Viele Frauen verspüren den Druck der Gesellschaft, in der man als Mutter mehrere Rollen gleichzeitig erfüllt. Sie fühlen sich oft hin- und hergerissen, beobachtet oder sogar schuldig, wenn sie lange arbeiten oder auf Freiraum bestehen. Diese emotionale Zerrissenheit zwischen Familie, Beruf und eigenen Bedürfnissen und die folgende Belastung kennen sicher viele (berufstätige) Mütter aus ihrem Alltag.

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Evelyn Wurster, systemische Coachin und Organisationsberaterin, rät sich einen Gasherd mit vier Flammen vorzustellen. Die vier Flammen stehen sinnbildlich für Beruf, Familie, Freunde und Selbstfürsorge. "Alle werden von einer Gasflasche gespeist", so Wurster. "Drehe ich eine Flamme voll auf, bleibt für die anderen weniger Gas übrig. Drehe ich alle gleichzeitig voll auf, ist die Gasflasche wahnsinnig schnell leer."

Die Konsequenz: Eltern - insbesondere Mütter - müssen eine Balance finden. Steht in manchen Phasen die Familie im Vordergrund, läuft die Karriere-Flamme eben kleiner. "Das ist völlig in Ordnung, denn später kann ich sie wieder höher drehen", so die Coachin. Ihr wichtigster Rat: "Mut zum Unperfektsein". Gerade junge Mütter würden sich oft selbst unter Druck setzen, alles gleichzeitig perfekt machen zu wollen, so Wurster.

Viele Mütter müssen sich dafür auch eingestehen, dass sie nicht immer alles alleine schaffen können und müssen. Vielmehr geht es darum, Verantwortung innerhalb der Familie möglichst gerecht zu teilen - und Aufgaben auch mal loszulassen. Hier ist etwa der Vater der Kinder gefragt, aber auch Freunde, Bekannte oder die Großeltern - sofern sie noch fit und bereit dazu sind - können Entlastung für Mütter schaffen.

Das Delegieren innerhalb des erweiterten Familienkreises, etwa an die Großeltern, hat auch einen erstaunlichen Nebeneffekt: Denn Babysitten hält das Gehirn jung. Laut einer aktuellen Studie, die in "Psychology and Aging" erschienen ist, sind Großeltern, die regelmäßig auf ihre Enkel aufpassen gegenüber nicht betreuenden Großeltern, länger fit.

Sowohl betreuende Großmütter als auch Großväter ab 50 Jahren zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe eine höhere sprachliche Flüssigkeit und ein besseres episodisches Gedächtnis. Bei betreuenden Omas wurde zudem ein geringerer kognitiver Abbau im Zeitverlauf gemessen. Bei Großvätern allerdings nicht.

ILLUSTRATION - Mutterschaft bedeutet oft emotionale Zerrissenheit: Familie, Beruf und Selbstfürsorge müssen in Balance gebracht werden. (zu dpa: «Belastende Mutterrolle: Perfektionsdrang über Bord werfen») Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

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