ABO

Tiroler Freizeitticket ohne Limit oder Einheimischenrabatt

Aktualisiert
Lesezeit
6 min
Die Verantwortlichen des Tiroler Freizeittickets haben am Dienstag anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens kurz Bilanz gezogen und vor allem einen Ausblick auf die Zukunft gegeben. Man sprach sich gegen eine Limitierung der Verkäufe aus und operiert angesichts der umstrittenen Causa Einheimischentarife weiterhin mit einer quasi Übergangsregelung. Indes habe man die Verkaufszahlen in 2025/2026 auf 71.600 steigern können, hieß es am Dienstag in Innsbruck.

von

News auf Google bevorzugen

Begonnen habe das Tiroler Freizeitticket im Winter 2006/07 als Saisonkarte mit drei Skigebieten, rekapitulierte man bei einer Pressekonferenz. Damals seien rund 2.900 Karten verkauft worden. Bereits im zweiten Jahr sei das Angebot in Richtung einer ganzjährigen Nutzung erweitert worden. Im Lauf der Jahre seien unter anderem weitere Bergbahnen, Schwimmbäder, Eislaufplätze und Museen hinzugekommen, berichtete der Vorsitzende und Initiator des Freizeittickets Tirol, Thomas Schroll. Das neue Ticket könne jedenfalls wieder ab Oktober erworben werden - die Tarife hätten sich dabei zum Vorjahr um rund vier Prozent erhöht.

"Wir haben uns ganz klar gegen eine Limitierung der Verkäufe ausgesprochen", sagte Schroll, auch Geschäftsführer der Nordkettenbahn, und verwies auf die Debatte rund um eine Limitierung der Verkäufe. Das Ticket sei ursprünglich für die Menschen aus Innsbruck und Umgebung geschaffen worden und werde nach wie vor zum Großteil von der Bevölkerung ebendort gekauft und genutzt. "Wir sind damit sehr zufrieden und wollen das beibehalten", erklärte Schroll. Als Vorsitzender verwies er zudem darauf, dass rund 90 Prozent der Karten im Großraum Innsbruck und mittlerweile fast 99 Prozent im Vorverkauf erworben würden.

Man wisse um die "Schwierigkeiten" rund um die EU-Verordnung sowie die Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), sagte der Vorsitzende. Man habe auf die Klage schnell reagiert und bereits im Oktober vor zwei Jahren gemeinsam mit Partnern eine Ermäßigung für die "einheimische Bevölkerung" angeboten. "Mit verschiedenen Mitgliedschaften, etwa durch den Kauf von Strom oder über den Arbeitsplatz, hat man in Tirol die Möglichkeit, den Einheimischen-Tarif wieder in Anspruch zu nehmen", erklärte er. Die frühere Wohnsitzregelung wurde jedenfalls aus den Tarifbedingungen entfernt, hieß es.

Der VKI hatte mit der mittlerweile "stillgelegten" Klage erreichen wollen, dass die Jahreskarte mit Einheimischen-Bonus auch Menschen ohne Hauptwohnsitz, Arbeits- oder Studienplatz in Tirol offensteht. Die Konsumentenschützer orteten einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Seit 2018 verbietet die sogenannte Geoblocking-Verordnung der EU Diskriminierung nach Staatsangehörigkeit, Wohnsitz oder Niederlassung. Ursprünglich klagte der VKI offenbar gegen sieben Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Kartenverbundes.

"Es gibt keine Gefährdung für das Freizeitticket", betonte indes der Sprecher der Tiroler Seilbahnen, Reinhard Klier. Man habe die Wohnsitzregelung jedenfalls aus den Tarifbestimmungen herausgenommen und damit den Erwerb auch weiterhin ohne Einschränkungen bzw. Diskriminierung gegen die EU-Bevölkerung ermöglicht. Gemeinsam mit der Tiroler Arbeiterkammer und dem landeseigenen Energieversorger Tiwag sowie mit dem Tiroler Familienpass habe man Möglichkeiten geschaffen, auch ohne eine Wohnsitz-Vergünstigung zu profitieren, sagte er. Zudem habe es auch früher nie einen einheitlichen Tarif für ganz Tirol gegeben.

"Wann auf EU-Ebene die Anpassung der Geoblocking-Verordnung erfolgt, kann ich hingegen nicht beurteilen", betonte Klier. Im Mai hatte Österreich laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) auf europäischer Ebene offenbar einen weiteren Schritt für die rechtliche Sicherung von Einheimischentarifen erzielt. Auf österreichische Initiative werde die Europäische Kommission in den neuen Tourismus-Leitlinien aufgefordert, "Möglichkeiten zu prüfen, die den Einwohnern den Zugang zu Sport-, Kultur- und anderen Freizeitangeboten in Tourismusregionen erleichtern könnten", hieß es damals. EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas hatte bereits bei einem Tirol-Besuch im September 2025 Verständnis für Einheimischentarife in bestimmten EU-Regionen geäußert. Es solle in "spezifischen Regionen solche speziellen Preise für Einheimische geben." Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) hatte sogar das Jahr 2027 als Ziel für die legale Wieder-Installierung der Einheimischen-Tarife ausgegeben.

Neue Daten zum Nutzungsverhalten präsentierte indes Martin Schnitzer, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck. Sein Institut habe von Mai bis Juli rund 5.300 Personen mit Freizeitticket aus Innsbruck und Innsbruck-Land online befragt, erklärte er. Besonders positiv hervorzuheben sei dabei, dass rund zwei Drittel angeben, dieses wöchentlich zu nutzen. 96 Prozent nutzten es zumindest mehrmals im Monat, betonte der Forscher. Das gemessene Durchschnittsalter liege indes bei rund 41 Jahren. Als ein wesentliches Motiv für die Nutzung habe sich laut Schnitzer der leichte Zugang zu unterschiedlichen Sport- und Freizeiteinrichtungen erwiesen. Besonders stark seien indes Bergbahnen im Sommer und Winter sowie Schwimmbäder genutzt worden. Auch die Möglichkeit, die Karte ganzjährig zu verwenden, habe laut Untersuchung zu den wichtigsten Faktoren für einen Kauf gezählt.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER