von
Grund seien neben stark gestiegenen staatlichen Abgaben wie Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsabgaben und Flugsicherungsgebühren auch höhere Personal- und Betriebskosten. Die Ticketpreise in Europa hätten im Schnitt von fast 250 Euro auf knapp 340 Euro zugelegt.
Derzeit treffe die Airlines und die ganze Branche der wegen des Iran-Kriegs hohe Ölpreis stark, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Der Kerosinpreis zerstört nochmal sämtliche Wirtschaftlichkeitsrechnungen." Fluglinien hätten einen doppelten Schaden - etwa auf dem Weg nach Asien müssten sie wegen anhaltender Luftraumsperrungen zwei Stunden länger fliegen und deshalb ohnehin mehr tanken. Zusätzlich sorge nun das teure Kerosin für eine weitere Belastung.
"Der Report zeigt eine schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr", erklärte Lang. "Verbindungen fallen weg, Passagiere und Fracht weichen auf Drehkreuze außerhalb Europas aus." Für eine Exportnation sei das ein ernstes Standortproblem.
Im Luftverkehr zeigen sich demnach seit 2010 deutliche Verschiebungen beim Umsteigen und bei Drehkreuzen. So verlagerten sich Passagierströme im Langstreckenverkehr zunehmend auf Hubs außerhalb der Europäischen Union, vor allem in der Türkei und der Golfregion. "Zwischen Deutschland und Fernost-/Südostasien stieg der Anteil der Verbindungen über Nicht-EU-Drehkreuze von 34 auf 54 Prozent", heißt es im Bericht. Zugleich sei der Anteil über deutsche Drehkreuze von 56 auf 36 Prozent gefallen. Ähnliches zeige sich im Luftverkehr nach Afrika. Die deutsche Luftfahrt-Lobby kritisiert seit langem, dass staatlich subventionierte Airlines aus der Türkei und den Golfstaaten deutliche Vorteile hätten.
Die weltweite Zahl der Flugreisenden steigt nach Prognosen des DLR bis 2034 - auch dank größerer und effizienterer Flugzeuge - auf 154 Prozent des Vor-Corona-Niveaus von 2019. Bei den Verbindungen zwischen Deutschland und Europa werde der Stand aus der Zeit vor der Virus-Pandemie noch nicht wieder erreicht. "Die Menschen wollen fliegen", sagte Lang und sprach von einem globalen Luftfahrt-Boom. "Die schlechte Nachricht ist: Dieses Wachstum findet zunehmend ohne Deutschland statt."
Rund 536.900 Arbeitsplätze standen 2024 direkt oder indirekt mit der Luftfahrt in Zusammenhang, wie aus dem Report hervorgeht. Demnach schufen Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von 58,4 Mrd. Euro. Damit trug die Branche etwa 1,3 Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei.
FRANKFURT AM MAIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/A3471 Boris Roessler
