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"Wir müssen die Leute ganz früh daran gewöhnen, mit ihren Eltern Boot zu fahren, bestenfalls schon im Schulalter." Das Durchschnittseigner eines Bootseigners liegt Verbandsangaben zufolge in Deutschland inzwischen bei mehr als 62 Jahren und damit gut zwei Jahre höher als 2015, Tendenz steigend. Bisher sei das Thema Demografiefolgen für den Wassersport nicht so dringlich gewesen und eher als Nebenthema "mitgeschwommen", sagte Stahlhut. Das ändere sich nun. "Es ist absehbar, dass die Bootseigner, die 75, 78 oder 80 Jahre alt sind, aus dem aktiven Bootssport aussteigen."
Positiv äußert sich Stahlhut über das Bundesland Schleswig-Holstein, wo Schulklassen segeln gehen und die Kinder dadurch früh segeln lernen. Damit sei eine wichtige Grundlage geschaffen, dass die Kinder auch im Erwachsenenalter dem Wassersport verbunden bleiben. "Wenn die erst einmal auf dem Wasser sind, auf einer kleinen Segeljolle sind, dann sind die meisten begeistert davon und bleiben vielleicht auch langfristig dabei."
Das private Schippern auf Seen, Flüssen und auf dem Meer erlebte in den Coronajahren einen Boom. "Die Leute konnten nicht auf die Malediven oder nach Mallorca fliegen, deswegen haben sie sich ein Boot gekauft", sagt der Branchenvertreter. 2021 wurden in Deutschland Verbandsangaben zufolge mehr als 100.000 Bootsführerscheine gemacht, inzwischen sind es pro Jahr unter 80.000 und damit weniger als in den Jahren vor Corona - auch das wertet Stahlhut als Folge der Alterung der Gesellschaft.
Der Messedirektor der Boot, Petros Michelidakis, weist darauf hin, dass sich die Branche auf den höheren Altersschnitt der Bootsfahrer einstelle. So gebe es bessere elektronische Hilfsmittel, um das Segeln zu vereinfachen. "Manche - auch im höheren Alter - kaufen sich ein Motorboot, wenn ihnen das Segeln zu anstrengend wird." Das Interesse für Wassersport sei nach wie vor da.
Ein Gutes hat der Negativtrend bei der Anzahl der Boote durchaus, zumindest für die aktiven Segler und Motorbootfahrer. Denn während Liegeplätze an der Ostsee in den vergangenen Jahren noch ein rares Gut waren, entspannt sich die Situation Verbandsangaben zufolge: Wer einen Liegeplatz suche, finde inzwischen auch einen, sagt Verbandschef Stahlhut - vielleicht nicht immer in seiner Wunsch-Marina, aber zumindest nicht weit davon entfernt.
Das eigene Boot kann man in Deutschland bei verschiedenen Organisationen registrieren lassen, um ein Bootskennzeichen zu bekommen, etwa beim ADAC - dort sind rund 126.000 verzeichnet. Davon wiederum sind gut die Hälfte Motorboote und Motorjachten, ein Viertel Schlauchboote mit Motor und circa ein Siebentel Segelboote und Segeljachten. Der Rest sind Jetskis und andere Typen.
Die weltgrößte Bootsmesse Boot startet am 17. Jänner in Düsseldorf, knapp 1.500 Aussteller aus 68 Ländern zeigen Jachten, Surfbretter, andere Wassersport-Utensilien und Dienstleistungen. Zu sehen sind mehr als 1.000 Motor- und Segelboote. Erwartet werden wieder rund 200.000 Besucher. Diese können bei Mitmachaktionen Wasserkontakt bekommen, etwa beim Tauchen, Paddeln oder Surfen. Zu sehen sind neben Luxusjachten, die mehrere Millionen Euro kosten, auch kleinere Boote.
In Deutschland macht die Wassersport-Branche laut VMWD pro Jahr einen Umsatz von schätzungsweise 6,3 Mrd. Euro, etwa mit dem Verkauf von Booten und den Gebühren für Marina-Liegeplätze. Es gibt hierzulande 220 Werften, die neue Boote herstellen oder alte Boote wieder auf Vordermann bringen. Ein großer Teil der hierzulande genutzten Boote kommt aus dem Ausland, etwa aus Italien.






