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Venezuelas Rohstoffsektor: Viel ungenütztes Potenzial

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Venezuelas Regierung schätzt die Goldressourcen des Landes auf 644 Tonnen
©AFP, APA, FRED TANNEAU
Venezuela verfügt nach Angaben des in London ansässigen Energy Institute über 303 Milliarden Barrel an Ölreserven - das sind rund 17 Prozent der weltweiten Reserven. Damit liegt das OPEC-Mitglied Venezuela vor Saudi-Arabien. Allerdings liegt die Rohölförderung offiziellen Daten zufolge seit Jahrzehnten deutlich unter der möglichen Kapazität - wegen Misswirtschaft, mangelnder Investitionen und Sanktionen.

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Die Reserven bestehen überwiegend aus Schweröl in der Orinoco-Region im Zentrum des Landes. Das macht nach Angaben des US-Energieministeriums die Förderung teuer, sei technisch jedoch relativ einfach.

2019 kündigten der nun von den USA gewaltsam gestürzte venezolanische Staatschef Nicolás Maduro und Delcy Rodríguez - damals Vizepräsidentin und inzwischen amtierende Präsidentin - einen Fünfjahresplan für den Bergbau an, um die Mineralienförderung als Alternative zur Ölproduktion auszubauen. Im Jahr davor hatte die venezolanische Regierung Daten zu Mineralvorkommen veröffentlicht, in denen zentrale Begriffe der Branche wie "Reserven" und "Ressourcen" austauschbar verwendet wurden. Dadurch ist schwer zu beurteilen, ob Caracas sein gesamtes Bergbaupotenzial kannte.

Eine Reserve ist eine Schätzung des Rohstoffvolumens, das wirtschaftlich gefördert werden kann. Eine Ressource ist das in einer gesamten Region geschätzte Vorkommen - unabhängig davon, ob es wirtschaftlich förderbar ist. In dem Bericht von 2018, der als "Mineralienkatalog" für potenzielle Investoren beworben und auf der Website des Bergbauministeriums veröffentlicht wurde, wurden die Kohlereserven auf rund 3 Milliarden Tonnen und die Nickelreserven auf 407.885 Tonnen geschätzt. Im selben Bericht wurden Goldressourcen von 644 Tonnen, Eisenerzressourcen von 14,68 Milliarden Tonnen sowie Bauxitressourcen von 321,5 Millionen Tonnen angegeben - wobei eingeräumt wurde, dass vieles davon spekulativ geschätzt sei.

2021 veröffentlichte die venezolanische Regierung eine Karte der Mineralreserven auf Basis von 2009 zusammengestellten Daten. Darin wurden Reserven von Antimon, Kupfer, Nickel, Coltan, Molybdän, Magnesium, Silber, Zink, Titan, Wolfram und Uran ausgewiesen, allerdings ohne Mengenangaben.

Das Land scheint keine nennenswerten Vorkommen seltener Erden zu haben. So wird eine Gruppe von 17 Metallen bezeichnet, die in der Erdkruste zwar relativ häufig vorkommen, aber nur selten in wirtschaftlich abbaubaren Konzentrationen gefunden werden und deshalb für viele Hightech-Anwendungen - etwa in Permanentmagneten, Batterien, Katalysatoren, Leuchtstoffen und Elektronik - eine wichtige Rolle spielen.

Venezuela war zusammen mit Iran, Irak, Kuwait und Saudi-Arabien Gründungsmitglied der OPEC. Wiederkehrende Probleme bei der Stromerzeugung haben Bergbau- und Ölaktivitäten wiederholt behindert. In den 1970er-Jahren förderte das Land bis zu 3,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, was damals mehr als 7 Prozent der weltweiten Ölproduktion entsprach. In den 2010er-Jahren fiel die Produktion unter 2 Millionen Barrel pro Tag und lag im vergangenen Jahr im Schnitt bei etwa 1,1 Millionen Barrel pro Tag - nur noch rund 1 Prozent der Weltproduktion.

"Sollten die Entwicklungen letztlich zu einem echten Regimewechsel führen, könnte dies im Laufe der Zeit sogar zu mehr Öl am Markt führen. Allerdings wird es Zeit brauchen, bis sich die Produktion vollständig erholt", sagte Arne Lohmann Rasmussen von Global Risk Management. Bei einem erfolgreichen Regimewechsel könnten Venezuelas Exporte zulegen, wenn Sanktionen aufgehoben werden und ausländische Investitionen zurückkehren, sagte Saul Kavonic, Analyst bei MST Marquee. "Die Geschichte zeigt, dass erzwungene Regimewechsel die Ölversorgung selten schnell stabilisieren - Libyen und Irak sind klare und ernüchternde Präzedenzfälle", meinte Jorge Leon, Leiter der geopolitischen Analyse bei Rystad Energy. US-Präsident Donald Trump sagte am Samstag Fox News, die USA würden sehr stark in Venezuelas Ölsektor eingebunden sein.

Der Betriebsstatus der Minen, die mit Maduros Fünfjahresplan verknüpft sind, ist unklar. Der Nationale Rat für die Produktivwirtschaft erklärte jedoch im vergangenen Monat, die nationale Produktion von Gold, Kohle und Eisenerz sei in den ersten drei Quartalen 2025 gestiegen, ohne Zahlen zu nennen. Venezuela verstaatlichte seinen Goldsektor 2011. Die Regierung kontrolliert zudem den Eisen- und Stahlhersteller CVG.

Reuters berichtete im vergangenen Oktober, Venezuela habe die Kohleproduktion wieder aufgenommen und wolle 2025 mehr als 10 Mio. Tonnen des Minerals exportieren. Ob dieses Ziel erreicht wurde, ist unklar. Der Geologische Dienst der USA (USGS) schätzte 2019, dass Venezuela 100.000 Tonnen Kohle aus Reserven von 731 Millionen Tonnen produzierte.

Ein großer Teil der venezolanischen Rohstoffproduktion - darunter Nickel, Bauxit, Eisenerz und Gold - ist in den vergangenen zehn Jahren ähnlich wie die Ölproduktion zurückgegangen.

Venezuela verstaatlichte seine Ölindustrie in den 1970er-Jahren und gründete Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA). In den 1990er-Jahren unternahm Venezuela Schritte, um den Sektor für ausländische Investitionen zu öffnen, aber nach der Wahl von Hugo Chávez 1999 schrieb Venezuela eine Mehrheitsbeteiligung von PDVSA an allen Ölprojekten vor. Exxon und Conoco verließen Venezuela in den 2000er-Jahren, ihre Vermögenswerte wurden enteignet.

PDVSA gründete Gemeinschaftsunternehmen in der Hoffnung, die Produktion zu steigern - unter anderem mit Chevron, China National Petroleum Corporation, ENI, Total und dem russischen Konzern Rosneft. 2023 drohte Maduro damit, Bergbaulizenzen für Minen in einer Region zu vergeben, die zwischen Venezuela und dem Nachbarland Guyana umstritten ist. Maduros Regierung unterstützte seit mindestens 2016 Goldabbau in geringem Umfang im venezolanischen Amazonasgebiet, um Einnahmen zu erzielen.

Die USA waren früher der wichtigste Abnehmer venezolanischen Öls, doch seit der Einführung von Sanktionen ist China im vergangenen Jahrzehnt zum Hauptziel geworden. Venezuela schuldet China rund 10 Mrd. Dollar (8,5 Mrd. Euro), nachdem China unter dem verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez zum größten Kreditgeber geworden war. Venezuela tilgt Kredite mit Rohöl, das in drei großen Öltankern (VLCC, Very Large Crude Carrier) transportiert wird, die zuvor Venezuela und China gemeinsam gehörten.

Zwei dieser Supertanker näherten sich Venezuela im Dezember, als Trump eine Blockade aller Tanker ankündigte, die in das Land hinein- oder aus ihm herausfahren. Die Schiffe warten nun auf Anweisungen, wie aus PDVSA-Dokumenten und Schifffahrtsdaten hervorgeht, während venezolanische Exporte weitgehend zum Erliegen gekommen sind.

Trump sagte am Samstag Fox News, China werde das Öl bekommen, ohne dies näher auszuführen. Russland hat Venezuela ebenfalls Milliarden Dollar geliehen, doch die genaue Summe ist unklar. PDVSA verfügt außerdem über bedeutende Raffineriekapazitäten außerhalb des Landes, darunter CITGO in den USA. Gläubiger versuchen jedoch in langjährigen Verfahren vor US-Gerichten, die Kontrolle darüber zu erlangen.

This photograph taken on October 11, 2023, shows flakes and crystallizations of gold found years ago in the Odet river in the Finistere departement, western France. (Photo by Fred TANNEAU / AFP)

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