Wiener Sport-Club: Einer der ältesten Sportvereine Österreichs

Bei aussichtsreichen Freistößen wird geklimpert, auf der Friedhofstribüne setzen Fans auf Seifenblasen statt auf Pyrotechnik – beim Wiener Sport-Club läuft so manches anders. Trotzdem oder gerade deswegen ist der Verein Kult.

von Wiener Sportklub: Einer der ältesten Sportvereine des Landes © Bild: News.at

Inhaltsverzeichnis

  1. Wofür steht der Wiener Sport-Club?
  2. Wann wurde der Wiener Sport-Club gegründet?
  3. Welche Geschichte hat der Verein?
  4. Was steckt hinter dem Namen?
  5. Wo befindet sich die Spielstätte?
  6. Wer sind die Fans des Vereins?
  7. Wie kommt man an Tickets?
  8. Wer sind die Spieler und Trainer?


Wofür steht der Wiener Sport-Club?

Der Wiener Sport-Club (WSC) ist ein Allround-Sport- und Mitgliederverein aus Wien-Hernals. Neben der Sparte Fußball (Männer, Frauen, Nachwuchs) umfasst der Verein auch eine Sektion Wasserball, Rad, Schwimmen, Squash, Petanque, Tischfußball, Laufen und Eishockey. Die Sektion Fechten ist die erfolgreichste Sparte des Vereins, unter anderem Fecht-Weltmeister Roland Losert ging aus ihr hervor. Am bekanntesten ist dennoch die Fußballmannschaft der Herren, sie bespielt aktuell die Regionalliga Ost. Die Vereinsfarben des Vereins sind schwarz-weiß.

Wann wurde der Wiener Sport-Club gegründet?

Gegründet wurde der WSC am 24. Februar 1883 als Wiener Cyclistenclub, selbstredend ein Radsportverein. Er ist damit einer der ältesten Sportvereine Österreichs. In den Folgejahren wurde der Cyclistenclub um eine Fechterriege und um eine Turnsektion erweitert. Aushängeschild war im frühen 20. Jahrhundert jedoch unumstritten die Radsektion. Fahrer wie August Schaffer oder Franz „Ferry“ Dusika erlangten bei Bahn- und Straßenrennen internationale Bekanntheit.

Welche Geschichte hat der Verein?

Die Fußballmannschaft – eine Fusion aus dem Hernalser Fußball- und Athletik-Club Vorwärts, der Deutschen Jungmannschaft Währing und der Wiener Sportvereinigung – wird seit 1907 als offizielle Sport-Club-Sektion geführt. In den Anfangsjahren machte man sich vor allem im Challenge-Cup einem Namen, dort unterlag man 1909 und 1910 jeweils denkbar knapp einem Team aus Budapest. Die erste Meisterschaftssaison im Jahr 1911/12 beendete der WSC als Zweitplatzierter, einen Punkt hinter Überraschungssieger Rapid. In den Folgejahren konnten sich die Schwarz-Weißen im Spitzenfeld der Liga etablieren.

Unvergessen sind in Dornbach und darüber hinaus bis heute die 1950er-Jahre des Sport-Clubs. Einen ersten Achtungserfolg konnten die Schwarz-Weißen 1955 als Vizemeister erzielen, unter Trainer Hans Pesser folgten dann in den Saisonen 1957/58 und 1958/59 zwei Meistertitel in Folge. Die Namen Rudolf Szanwald, Leopold Barschandt, Josef „Pepi“ Hamerl und Erich Hof sind bis heute so manch älterem Sport-Club-Fan in guter Erinnerung.

Ein bis heute sagenumwobener Teil der Sport-Club-Geschichte ist die erste Runde des Europacups der Landesmeister im Jahr 1958. Die Kampfmannschaft des WSC besiegte den haushohen Favoriten Juventus Turin in deren Stadion mit 1:3, im Rückspiel im Wiener Praterstadion mit 7:0. Bis heute ist auf den Tribünen regelmäßig von „Turin“ die Rede – und jeder der Anwesenden weiß, was gemeint ist. Über das folgende Spiel gegen Real Madrid redet man indes weniger gerne. Der WSC schied mit einem 0:0 in der Hinrunde und einer krachenden 1:7-Niederlage im Rückspiel aus.

Bis heute konnte der Sport-Club nicht an diese Leistungen anknüpfen. In den 1970ern und 1980ern reichte es – trotz renommierter Spieler wie Christian Keglevits, Felix Gasselich und Hans Krankl – lediglich zur Vizemeisterschaft. Nach finanziellen Turbulenzen Anfang und Mitte der 1990er verabschiedeten sich die Schwarz-Weißen endgültig aus der ersten Liga, spielten die Saison 1999 gar in Liga vier. Mittlerweile sind die Dornbacher seit Jahren fixer Bestandteil der Regionalliga Ost.

Insgesamt hat die Dornbacher Kampfmannschaft drei Meistertitel und einen Cup-Sieg vorzuweisen.

Was steckt hinter dem Namen?

Sport-Club oder Sport-Klub – wer diese Frage stellt, begibt sich auf heikles Terrain. Wie so oft waren finanzielle Schwierigkeiten Auslöser für eine schwerwiegende vereinspolitische Krise. Im Sommer 2001 spaltete sich daher die Fußballsektion vom Wiener Sport-Club ab und gründete den Wiener Sport-Klub. Erst 2017 kam es zur Reintegration des WSK in den WSC.

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Wo befindet sich die Spielstätte?

Die Spielstätte des WSC befindet sich am Wiener Sport-Club-Platz, an der Alszeile in Wien-Hernals (Dornbach). Der Wiener Sport-Club-Platz wird seit 1904 bespielt und ist damit der älteste durchgehende bespielte Fußballplatz Österreichs, mutmaßlich auch Kontinentaleuropas. Das Stadion umfasst 7.828 Zuschauer:innen. Zuschauer:innenmagnet ist die sogenannte Friedhofstribüne, benannt nach dem angrenzenden Dornbacher Friedhof. In einer Eigenbeschreibung zur Friedhofstribüne der Fans heißt es: „Ohne Dach, bröckelnd, etwas schäbig, aber lebendig und mit Charme“.

Wer sind die Fans des Vereins?

Die Fanszene des WSC zeichnet sich durch eine starke Bindung an den Verein, ein aktives Vereinsleben sowie durch einen von Toleranz und Gewaltfreiheit geprägten Support aus. Zentraler Bestandteil der Friedhofstribüne ist der Fanclub „FreundInnen der Friedhofstribüne“. Im Unterschied zu anderen kontinentaleuropäischen Fan- und Ultraszenen verzichten die WSC-Fans auf Fahnen, Trommeln oder einen Capo (von italienisch il capo: Haupt oder Anführer). Statt auf Pyrotechnik setzen die WSC-Fans bevorzugt auf Konfetti und Seifenblasen. Teil des speziellen Friedhofstribünen-Vibes ist auch Roland Spöttling, der (wahrscheinlich) einzig blinde Platzsprecher Österreichs.

Akustisches Erkennungszeichen der Friedhofstribüne ist das Klirren mit dem Schlüssel bei aussichtsreichen Standardsituationen. Wahlweise im Freudentaumel oder im Frust über die Leistung der eigenen Mannschaft drehen sich so manche Fangesänge ohne jegliche sportliche Konnotation auch einfach nur um den Genuss von alkoholischen Getränken.

Die WSC-Fans positionieren sich klar gegen jegliche Form von Diskriminierung wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus. Einer der zentralen Charakteristika ist außerdem eine dezidierte Gewaltfreiheit und das anerkennende Klatschen für gegnerische Spieler und Schiedsrichter beim Verlassen des Spielfelds.

An Spieltagen tummeln sich auf den Rängen des Sport-Club-Stadions meist zwischen 1.200 und 1.800 Zuschauer:innen – einzige Ausnahme ist das „Derby of Love“ gegen den Traditionsverein First Vienna FC 1894 aus Döbling, das meist bis auf den letzten Platz ausverkauft ist. Der WSC-Zuschauer:innenschnitt ist für einen österreichischen Drittligisten dennoch überdurchschnittlich hoch, auch auf Auswärtsfahrten begleiten regelmäßig mehrere Hundert WSCler:innen ihren Verein.

Wie kommt man an Tickets?

Tickets zu den Heimspielen sind entweder direkt am Stadion zu erhalten oder online auf der Homepage des Wiener Sport-Clubs. Stehplätze (Friedhofstribüne) kosten 11 Euro, Sitzplätze 12 Euro, ein VIP-Ticket 55 Euro. Saisonabos kosten zwischen 120 (Stehplatz) und 575 Euro (VIP). Kinder, Jugendliche sowie Studierende, Zivildiener:innen, Menschen mit Behinderung und Pensionist:innen erhalten ermäßigten Eintritt.

Weiterführende Informationen:
Der Spielplan für die anstehenden Spiele ist – so wie diverse weitere Infos zum Verein – auf der Vereinswebsite wienersportclub.com sowie wienersportclubfrauen.at abrufbar. Infos zu allen anderen Sparten gibt’s unter wsc.at.

Wer sind die Spieler und Trainer?

Der WSC wird seit 1. Juli 2019 von Robert Weinstabl trainiert. Bekannteste Spieler sind derzeit unter anderem Kapitän Philip Dimov (Mittelfeld), Mirza Berkovic (Mittelfeld) sowie die beiden Innenverteidiger Lukas Gusic und Jürgen Csandl. Seit 2011 führt der WSC auch eine erfolgreiche Frauenkampfmannschaft, die Sportclub-Frauen bespielen derzeit die 2. Bundesliga.