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Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK) - die größte Hilfsorganisation des Landes

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Rotes Kreuz

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©Elke Mayr
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Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) ist die größte Hilfsorganisation des Landes und Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IRKR). Sie ist ein gemeinnütziger Verein (NGO) und wird durch das Rotkreuzgesetz rechtlich geschützt. Die Organisation wird von öffentlicher Hand sowie durch Spenden finanziert. Zu den Leistungen zählen unter anderem der Rettungsdienst, der Blutspendedienst sowie Gesundheits- und Soziale Dienste.

Geschichte

Die Geschichte des Roten Kreuzes beginnt mit der Schlacht von Solferino (Italien) im Jahr 1859. Der Schweizer Kaufmann Henry Dunant berichtete nach dem Ende der Auseinandersetzungen über die Verwundeten und deren Ängste und Schmerzen sowie die hilflosen, weil wenig ausgebildeten Sanitäter, sowie schlecht ausgerüsteten Verbandsplätze. Daraufhin gründete Dunant 1893 mit einer kleinen Gruppe vier weiterer Schweizer Bürger das "Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege" (heute: Internationales Komitee vom Roten Kreuz - IKRK). Dies versteht sich als "Treuhänder der Rotkreuzidee" und bildet bis heute die organisatorischen Säulen der Vereinigung. Im selben Jahr fand dazu eine internationale Konferenz (mit österreichischer Teilnahme) statt, die diverse Beschlüsse fasste, unter anderem die Gründung nationaler Hilfsgesellschaften für Kriegsverwundete, die Neutralität dieser Verwundeten, die Entsendung Freiwilliger, um Hilfe am Schlachtfeld zu leisten, das Stattfinden weiterer Konferenzen sowie die Einführung einer weißen Armbinde mit rotem Kreuz.

Die "Nationale Gesellschaft des Österreichischen Roten Kreuzes" wurde im Jahr 1880 gegründet.

1919 wurde die Liga der Rotkreuz-Gesellschaften gegründet (auf Initiative des Amerikanischen Roten Kreuzes) und im Zuge dessen auch beschlossen, die Hilfe auf nicht kriegsbedingte Notsituationen auszuweiten.

Heute besteht die internationale Bewegung des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes aus 192 nationalen Gesellschaften (darunter das ÖRK). Sie agieren unter dem Motto: "Das Leben von Menschen in Not und sozial Schwachen durch die Kraft der Menschlichkeit verbessern."

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© Elke Mayr

Rotes Kreuz: Grundsätze

Die Grundsätze der Mitglieder und Organisationen des Roten Kreuzes oder Roten Halbmondes lauten:

  • Menschlichkeit

  • Unparteilichkeit

  • Neutralität

  • Unabhängigkeit

  • Freiwilligkeit

  • Einheit

  • Universalität

Rotkreuz-Zeichen: Bedeutung

Das rote Kreuz auf weißem Grund bzw. der rote Halbmond (und auch der Rote Kristall) auf weißem Grund ist das Symbol der Rotkreuzbewegung, das bereits bei der Unterzeichnung der ersten Genfer Konvention beschlossen wurde.

Es dient als Schutzzeichen etwa im Kriegsfall oder in militärischen Konflikten und schützt das Sanitätspersonal oder Spitäler. Das Zeichen nachzuahmen oder außerhalb des Kontextes zu verwenden, gilt als Missbrauch.

Das Symbol entstand nicht aufgrund christlicher Symbolik, sondern durch die Nationalität der Gründer: Diese waren Schweizer und es ist die farbliche Umkehr der Schweizer Flagge (weißes Kreuz auf rotem Grund).

Da das Schweizer Kreuz aber durchaus eine religiöse Bedeutung hat, verwenden andere Länder mit anderen Religionen ihre eigenen Symbole, etwa der Rote Halbmond in islamischen Ländern.

Wofür ist das Rotes Kreuz zuständig? [Leistungsbereiche]

Das Österreichische Rote Kreuz ist zuständig für folgende Leistungsbereiche:

  • Rettungsdienst (der größte Leistungsbereich)

  • Blutspendedienst

  • Gesundheits- und Soziale Dienste

  • Katastrophenvorsorge und -hilfe

  • Entwicklungszusammenarbeit

  • Verbreitung des humanitären Völkerrechts

  • Migration

  • Suchdienst

  • Aus- und Weiterbildung

  • Jugendarbeit im Jugendrotkreuz

ÖRK: Struktur

Das Österreichische Rote Kreuz ist eine gemeinnützige Organisation und Teil der IKRK nach dem Genfer Abkommen. Es hat seinen Sitz in Wien und ist föderalistisch gegliedert. Es besteht aus den neun Landesverbänden (mit eigener Rechtspersönlichkeit und Finanzhoheit) und 133 Bezirksstellen. Darüber steht das Generalsekretariat mit dem Präsidenten an oberster Stelle. Diesem unterstellt sind die Mitglieder der Geschäftsleitung, der Generalsekretär und der stv. Generalsekretär.

Organigramm:

  • Präsident: Gerald Schöpfer

  • Generalsekretär: Michael Opriesnig

  • stv. Generalsekretär: Peter Kaiser

  • Mitglied der Geschäftsleitung: Gerry Foitik

Rotes Kreuz: Mitarbeiter:innen

Das Österreichische Rote Kreuz hat fast 10.000 hauptberufliche Mitarbeiter:innen sowie über 74.000 freiwillige Mitarbeiter:innen. Außerdem über 4.200 Zivildienstleistende (Stand 2023).

Das Rückgrat der Rotkreuz-Arbeit sind allerdings die tausenden freiwilligen Helfer:innen. Engagieren kann man sich in vielen verschiedenen Bereichen, etwa im Rettungsdienst, in diversen sozialen Diensten, in der Integration, beim Lernen mit Kindern oder im Team Österreich.

Jede:r Rotkreuz-Mitarbeiter:in hat einen Dienstgrad. Dieser orientiert sich am Dienstalter und der Dienstverwendung. Beim Rettungsdienst sind Dienstgrade insofern relevant, da sie Auskunft darüber geben, ob jemand qualifiziert ist, eine leitende Funktion bei der Koordination zu übernehmen. Genaue Infos zu Dienstgraden beim Roten Kreuz gibt es hier (Rotes Kreuz) und hier (Wikipedia).

Erste Hilfe Kurse

Das Rote Kreuz bietet Erste-Hilfe-Kurse in verschiedenen Ausmaßen an. Ein Grundkurs dauert etwa 16 Stunden und beinhaltet Grundlagen sowie Maßnahmen bei Verkehrsunfällen, Erkrankungen, Verletzungen sowie zur Unfallverhütung. Er eignet sich als Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer sowie auch für den zum Führerschein benötigten Kurs.

Außerdem gibt es reine Führerschein-Kurse, Kinder-Notfallkurse oder Erste-Hilfe-Auffrischungskurse, diese umfassen oftmals weniger als 16 Stunden.

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Das Rote Kreuz bietet unter anderem Erste-Hilfe-Kurse an.

© iStockphoto.com

Blutspenden beim Roten Kreuz

Das Rote Kreuz organisiert Blutspenden und veranstaltet regelmäßig Aktionen in ganz Österreich. Anmeldung ist dafür keine notwendig, bei Eintreffen muss ein kurzer Fragebogen ausgefüllt werden, um zu beurteilen, ob man für eine Blutspende geeignet ist. Außerdem werden Körpertemperatur, Blutdruck und Puls gemessen. Nach erfolgter Spende erhält man einen kleinen Imbiss.

Rotes Kreuz: Finanzierung und Spenden

Das ÖRK wird zum überwiegenden Teil durch die öffentliche Hand finanziert. Der Anteil der Spenden beträgt nur etwa elf Prozent.

So erzielte das Rote Kreuz etwa 2021 laut Jahresbericht durch Spenden und Mitgliedsbeiträge Einnahmen von rund 88 Mio. Euro. Die Gesamteinnahmen betrugen rund 816 Mio. Euro, wovon mehr als die Hälfte (438 Mio. Euro) in den Rettungsdienst flossen, vor den Gesundheits- und Sozialen Diensten (153 Mio. Euro) und die nationale Katastrophenhilfe sowie internationale Zusammenarbeit (115 Mio. Euro). Danach folgte der Blutspendedienst (83 Mio. Euro), das Jugendrotkreuz (13 Mio. Euro) und Aus- und Fortbildungen (12,7 Mio. Euro).

Gespendet werden kann entweder für ein konkretes Projekt oder allgemein an das Rote Kreuz, dann fließt die Spende dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Die Kosten für den Verwaltungsaufwand wird so gering wie möglich gehalten - laut eigenen Angaben beträgt er zwischen acht und zwölf Prozent.

Das ÖRK wird nicht vom österreichischen Spendengütesiegel geführt. Es hat sich allerdings eine Spendenselbstverpflichtung auferlegt, in der sich die Organisation verpflichtet, "die Spendenwidmung exakt einzuhalten, die Spenden wirksam einzusetzen und die Öffentlichkeit jährlich über die Verwendung der Spenden in einem Leistungsbericht zu informieren".

Das "Notfallarmband": Die Rufhilfe des ÖRK

Die auch unter dem Begriff "Notfallarmband" bekannte Rufhilfe des Roten Kreuzes ist ein Armband mit einem Notrufsender, um jederzeit per Knopfdruck Hilfe rufen zu können. Es ist wasserdicht und sehr widerstandsfähig.

Drückt man den Knopf, wird man mit der Notrufleitstelle verbunden. Da man sich für die Rufhilfe anmelden muss, liegen dort auch Daten vor und sollte der/die Patient:in nicht sprechen können, wird ein Rettungswagen entsandt.

Auch Angehörige können registriert werden, um im Notfall informiert zu werden.

Gedacht ist die Rufhilfe etwa für Menschen, die allein leben, die gefährdet sind, deren Mobilität eingeschränkt ist oder denen diese Möglichkeit Sicherheit gibt.

Anmelden kann sich jeder für das Notfallarmband, die Montage erfolgt kostenlos, ebenso die Aktivierung.

Die Monatsmiete für das Gerät beträgt 34 Euro (Festnetz) bzw. 39 Euro (mit SIM-Karte) und ein Schlüsselsafe, damit die Rettung in die Wohnung gelangt, kostet 110 Euro.

Ist das Rote Kreuz das gleiche wie die Rettung?

Nein. Das Rettungswesen ist in Österreich Angelegenheit der Gemeinden, die (außer in Wien) Rettungsdienst-Organisationen damit beauftragen. Dies kann das Rote Kreuz sein (und ist auch die wichtigste Organisation, die den Rettungsdienst in Österreich durchführt) aber auch andere Organisationen wie etwa der Arbeiter-Samariter-Bund, das Grüne Kreuz, die Johanniter oder die Malteser kommen zum Einsatz. Laut ÖRK-Präsident Gerald Schöpfer werden aber rund 80 Prozent des Rettungsdienstes in Österreich vom Roten Kreuz abgewickelt.

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Das Rote Kreuz ist Österreichs größte Rettungsdienst-Organisation.

© IMAGO/CHROMORANGE

Krankentransport

Das Rote Kreuz übernimmt auch Krankentransporte (Transporte ins Krankenhaus, die kein Notfall sind). Dafür wird ein Krankentransportschein (von Arzt/Ärztin oder medizinischer Einrichtung) benötigt, sonst muss die Überstellung selbst bezahlt werden. Sanitäter:innen betreuen den/die zu Transportierende:n während der Fahrt.

Die Telefonnummern, um einen Krankentransport zu bestellen sind folgende:

  • Wien: 01/52144

  • Kärnten: 050/9144-1043

  • Burgenland, Steiermark, OÖ, NÖ, Salzburg, Tirol, Vorarlberg: 14844

Rotes Kreuz und Parteien

Das Rote Kreuz ist eine gemeinnützige Organisation und keiner Partei zuzuordnen. Neutralität und Unabhängigkeit zählen zu den Grundsätzen der NGO.

Während der Corona-Pandemie gab es in Österreich jedoch Vorwürfe, das Rote Kreuz sei aus parteipolitischen Erwägungen bei der Bekämpfung der Pandemie bevorzugt worden, da es etwa Masken und Schutzanzüge verteilte oder die Corona-App entwickelte. Der Präsident des ÖRK - und vor seinem Amt kurzzeitiger ÖVP-Politiker - Gerald Schöpfer wies die Vorwürfe in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" jedoch zurück. Man helfe bei jeder Katastrophe mit - egal welche Parteien gerade regieren würden. Außerdem gelte eine Führungsposition in der Politik mit einer beim Roten Kreuz als unvereinbar. "Die Katastrophen haben kein politisches Mascherl - und wir auch nicht", so Schöpfer.

Hauskrankenpflege

Das ÖRK bietet in manchen Bundesländern für Menschen, die Pflege und Betreuung brauchen, Hauskrankenpflege an. In Frage kommt dieser Dienst für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Erkrankungen, nach dem Spital oder zur Beratung bei Pflegefragen. Die Kosten dafür sind in jedem Bundesland unterschiedlich, hier etwa als Beispiel die Kosten in Wien.

Rotkreuzgesetz Österreich

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) ist durch das Rotkreuzgesetz (2008) gesetzlich als die nationale Rotkreuzgesellschaft anerkannt. Ebenso ist in dem Gesetz das Rotkreuz-Zeichen geschützt.

Dem Rotkreuzgesetz nach dürfen sich in Österreich keine anderen nationalen Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaften bilden und das ÖRK muss sich an die Grundsätze (siehe oben) und die Aufgaben aus den Genfer Abkommen sowie Beschlüssen der Rotkreuzkonferenzen halten.

Außerdem regelt das Gesetz, dass das ÖRK die Behörden im humanitären Bereich unterstützt - und dafür von den Behörden unterstützt wird.

Henryladen

Sogenannte Henryläden des Rotkreuz gibt es in Niederösterreich. Dabei handelt es sich um Second Hand Boutiquen, in denen die Bevölkerung gebrauchte Kleidung und Gegenstände abgeben kann und damit das Rote Kreuz unterstützt. Kund:innen können die Dinge zu einem günstigen Preis erwerben und die Geschäfte werden von ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen betrieben. Mit dem Erlös eines Henryladens werden Sozialprojekte oder bedürftige Familien im jeweiligen Bezirk unterstützt.

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