Wer ist Thomas Stelzer?

Er übernahm 2017 das Amt des oberösterreichischen Landeshauptmanns von Josef Pühringer und geht erstmals als solcher in die Wahl. Nicht erst seit der Coronakrise gilt Thomas Stelzer als unaufgeregt wirkender Sachpolitiker. Doch wie tickt der ÖVP-Mann sonst und wie kam er in die Politik?

von Thomas Stelzer © Bild: APA/FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR
  • Name: Thomas Stelzer
  • Geboren am: 21. Februar 1967 in Linz
  • Partei: ÖVP
  • Funktion: Landeshauptmann von Oberösterreich und Landesparteiobmann
  • Familienstand: verheiratet mit Bettina
  • Kinder: 2

Es ist seine erste Landtagswahl, die Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer am 26. September zu bestreiten hat. Einem Erfolg dürfte nach der Wahlschlappe 2015, als die ÖVP unter Vorgänger Josef Pühringer von 46,8 auf 36,4 Prozent absackte, nichts im Wege stehen. Nach der Amtsübernahme am 6. April 2017 arbeitete Stelzer entschlossen an seinem Ziel des Nulldefizits. In der Coronakrise hat der unaufgeregt wirkende Sachpolitiker sein Profil als Landesmanager geschärft.

Schwarze Bilderbuchkarriere

Stelzer - geboren am 21. Februar 1967 in Linz - stammt zwar aus einer weitgehend von ÖVP-Werten geprägten Familie, wie er zu seiner Angelobung sagte. Der einzige Politiker, sein Großvater, war aber SPÖ-Gemeinderat in St. Florian bei Linz. Er selbst ist eher zufällig in die Politik gestolpert, kann aber auf eine schwarze Bilderbuchkarriere zurückblicken: Matura am Jesuitengymnasium Aloisianum, Jus-Studium, Jobs bei der Raiffeisenlandesbank OÖ, im Landtagsklub und in der Bildungsabteilung des Landes, etliche Jahre als Linzer Gemeinderat, Landesobmann der Parteijugend, ÖVP-Landesgeschäftsführer, Obmann des Oö. Familienbundes. Seit 1997 hatte er ein Landtagsmandat inne, vor seinem Eintritt in die Landesregierung 2015 war er Klubobmann.

Übernahme der OÖVP

Nach der vergangenen Landtagswahl rückte er zum Landeshauptmann-Stellvertreter auf, um zwei Jahre später dann die Nummer eins im Land und in der Partei zu werden.

stelzer pühringer
© APA/FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUMMAYR Thomas Stelzer mit seinem Vorgänger Josef Pühringer 2017 bei der Amtsübergabe

"Zurückhaltender Kronprinz"

" Es sind große Fußspuren, die Josef Pühringer seinem Nachfolger Thomas Stelzer hinterlässt. Dieser versucht aber gar nicht, eine Kopie zu sein. Er ist Vertreter einer jüngeren Generation, wenn auch geprägt von konservativen Werten", schrieb die APA damals und bezeichnete Stelzer als "zurückhaltenden Kronprinz mit Hang zu Symbolen".

Inhalte

Als Bildungsreferent wollte Stelzer Deutsch am Pausenhof durchsetzen, als Personalzuständiger ließ ein Kopftuchverbot im Landesdienst prüfen und er gilt als Verteidiger des Kreuzes in Schulklassen oder Gerichtssälen. Die Schulsprache Deutsch ließ sich nur auf freiwilliger Basis in der Hausordnung verankern. Auf das Kopftuchverbot verzichtete er vorerst, weil der Verfassungsdienst eine bundeseinheitliche Lösung empfahl. Dennoch: "Politische Entscheidungen brauchen auch Symbole, damit sie breit wahrgenommen werden", sagte Stelzer damals.

Lässt sich "selten von etwas abbringen"

Über sich selbst hat der studierte Jurist, der mit seiner Familie in Wolfern im Bezirk Steyr-Land wohnt, zum Amtsantritt gesagt, dass er schon vom "Durchhalten geprägt" sei und sich "eher selten von etwas abbringen" lasse.

Fußballfan und Naschkatze

Privat ist Stelzer begeisterter Fußball-Fan und - wie einst von Parteikolllegin Helena Kirchmayr geoutet - trotz schlanker Figur eine Naschkatze. Seine Frau Bettina ist Unternehmerin und leitet eine Firma für Gastroeinrichtungen. Das Paar hat zwei Kinder. Stelzer gilt als zielstrebig und ehrgeizig. Im Umgang ist er freundlich und etwas zurückhaltender als etwa sein Vorgänger Pühringer.

Von allen umworben

Die Koalition mit der FPÖ sieht er pragmatisch, die Zusammenarbeit mit dem gemäßigten Manfred Haimbuchner funktioniert. Nachdem es anfangs den Anschein hatte, dass die Blauen die Ausländer-Themen vorgeben, hat sich das Blatt spätestens seit der Ibiza-Affäre gewandelt. Inzwischen werben FPÖ, Grüne und die SPÖ um die Gunst der Landeshauptmannpartei für eine künftige Koalition.