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Nationalratswahl 2019:
Österreich wählt

Die Parteien, die Spitzenkandidaten, die Umfragen

Parlament © Bild: APA/Punz

Am 29. September wählt Österreich ein neues Parlament und erhält damit auch eine neue Bundesregierung. Alle Infos, Schwerpunkte und alle Kandidaten zu dieser kommenden Nationalratswahl 2019 finden Sie hier.

THEMEN:

Die wichtigsten Infos auf einen Klick:

Wer steht zur Wahl?
ÖVP
SPÖ
FPÖ
NEOS
Liste Jetzt
Die Grünen
Die Kleinparteien
Die Schwerpunkte der Wahl
Ausgangslage: Das Ergebnis von 2017
Die Umfragen
Umfrage: Wen würden Sie wählen?
Was für Koalitionsmöglichkeiten wird es nach der Wahl geben?
Der Fahrplan
Wann wird der neu gewählte Nationalrat erstmals zusammentreffen?
Wer darf wählen?
Wie funktioniert das mit den Vorzugsstimmen?
Was macht der Nationalrat?
Alle Live-Termine zur Wahl

Die 27. Nationalratswahl in Österreich hätte eigentlich erst im Herbst 2022 stattfinden sollen, doch als am 17. Mai 2019 ein Video aus Ibiza veröffentlicht wurde, blieb in Österreich kein politischer Stein auf dem anderen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war darin zu sehen, wie er einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte öffentliche Staatsaufträge versprach oder ihr nahelegte, eine große österreichische Tageszeitung zu kaufen, um die FPÖ kurz vor der Wahl noch zu pushen. Am Tag nach der Veröffentlichung dieses Skandal-Videos trat Strache als Vizekanzler und Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei zurück und Kanzler Sebastian Kurz beendete die bis dato regierende türkis-blaue Koalition und rief Neuwahlen aus. Aufgrund des Vorschlags von Kurz, FPÖ-Innenminister Herbert Kickl ebenfalls zu entlassen, traten geschlossen alle FPÖ-Minister zurück. Kurz darauf wurde auch Kurz selbst und die ganze Regierung per Misstrauensvotum im Parlament abgewählt. Seitdem regiert eine Expertenregierung unter Kanzlerin Brigitte Bierlein das Land, bis am 29. September ein neuer Nationalrat gewählt wird und sich in Folge eine neue Regierung bilden wird.

Wer steht zur Wahl?

ÖVP

Die ÖVP tritt wieder mit dem als Bundeskanzler abgewählten Spitzenkandidaten Sebastian Kurz an.

Kurz
© APA/Pfarrhofer Sebastian Kurz (ÖVP) Geboren 1986 in Wien 2010-2011 Wiener Landtag 2011 Staatssekretär 2013-2017 Außenminister seit 2017 ÖVP-Chef 2017 bis Mai 2019 Bundeskanzler

Kurz zieht in die Wahl, um den 2017 eroberten ersten Platz der ÖVP zu verteidigen. Die Neuwahl hat (wie schon 2017) er selbst ausgerufen, diesmal nach nur eineinhalb Jahren angesichts des "Ibiza-Videos" mit FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Den Kanzlerposten verlor er durch den ersten erfolgreichen Misstrauensantrag der Zweiten Republik. Seine Popularität schmälerte dies nicht, die Umfragewerte der ÖVP blieben hoch - und so kann Kurz hoffen, die Karriere als jüngster Kanzler fortzusetzen und vielleicht auch die türkis-blaue Koalition. Unter den Spitzenkandidaten ist er wieder der mit Abstand jüngste.

Die weiteren KandidatInnen auf der ÖVP-Bundesliste

  1. Sebastian Kurz, Parteichef, Altkanzler
  2. Elisabeth Köstinger, Ex-Landwirtschaftsministerin
  3. Gernot Blümel, Wiener Parteichef, Ex-Kanzleramtsminister
  4. Margarete Schramböck, Ex-Wirtschaftsministerin
  5. Josef Moser, Ex-Justizminister
  6. Juliane Bogner-Strauss, Ex-Familienministerin
  7. Wolfgang Sobotka, Nationalratspräsident
  8. Gabriele Schwarz, Abgeordnete
  9. August Wöginger, Klubobmann
  10. Kira Grünberg, Abgeordnete
  11. Karl Nehammer, Generalsekretär
  12. Maria Großbauer, Abgeordnete
  13. Martin Engelberg, Abgeordneter
  14. Tanja Graf, Abgeordnete
  15. Axel Melchior, Bundesgeschäftsführer

SPÖ

Die SPÖ hat ihren Spitzenkandidaten hingegen getauscht. War 2017 der Damals-noch-Kanzler Christian Kern das Gesicht der Roten, versucht es die sozialdemokratische Partei nun mit Pamela-Rendi Wagner an der Spitze.

© ALEX HALADA / AFP Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) Geboren 1971 in Wien Ärztin, Sektionschefin im Gesundheitsministerium 2017 Gesundheits- und Frauenministerin, seit 2018 SPÖ-Chefin

Die SPÖ geht erstmals mit einer Frau, Pamela Rendi-Wagner (48), an der Spitze in eine Nationalratswahl - und zwar eine der schwierigsten. Die Sozialdemokraten müssen sich darauf einstellen, erstmals nach 53 Jahren zum zweiten Mal hintereinander nur Zweite zu werden. So war denn auch Rendi-Wagners Kür im vergangenen Dezember eher aus der Not geboren. Parteichef Christian Kern schmiss damals seinen Posten - zu diesem Zeitpunkt, mehr als ein Jahr nach der Wahlschlappe 2017 - überraschend hin. Alle anderen Kandidaten wollten nicht, also blieb nur Rendi-Wagner über, die kaum der Partei beigetreten war, aber nach Meinung der Sozialdemokraten in ihrer kurzen Zeit als Gesundheitsministerin Potenzial für Höheres erkennen hat lassen.

Die weiteren KandidatInnen auf der SPÖ-Bundesliste:

  1. Pamela Rendi-Wagner, Bundesparteivorsitzende
  2. Rainer Wimmer, FSG-Bundesvorsitzender
  3. Doris Bures, Zweite Nationalratspräsidentin
  4. Thomas Drozda, Bundesgeschäftsführer
  5. Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesfrauenvorsitzende
  6. Jörg Leichtfried, stv. Klubobmann
  7. Julia Herr, SJ-Vorsitzende
  8. Josef Muchitsch, Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz
  9. Sonja Hammerschmid, Abgeordnete
  10. Mario Lindner, Abgeordneter
  11. Muna Duzdar, Abgeordnete
  12. Reinhold Einwallner, Abgeordneter
  13. Andrea Brunner, Bundesfrauengeschäftsführerin
  14. Peter Wittmann, Abgeordneter
  15. Claudia O ́Brien, JG-Vorsitzende

FPÖ

Die FPÖ geht nach dem Rücktritt von Heinz-Christian Strache mit Norbert Hofer als Spitzenkandidat ins Rennen.

© APA/ROBERT JAEGER Norber Hofer (FPÖ) Geboren 1971 in Vorau/Steiermark Flugzeugtechniker ab 2006 im Nationalrat 2013-2017 dritter Nationalratspräsident 2016 Präsidentschaftskandidat 2017-2019 Infrasturkturminister seit 2019 FPÖ-Chef

Ziemlich sicher ein Minus wird Norbert Hofer (48) in seiner ersten Wahl als FPÖ-Chef und Spitzenkandidat einfahren. Verantworten wird er es freilich nicht müssen: Denn die Neuwahl wurde durch das "Ibizagate" seines Vorgängers Heinz-Christian Strache ausgelöst. Dieser hatte 2017 noch fast 26 Prozent geschafft. Aber angesichts des politischen Erdbebens, das die korruptions-geneigten Äußerungen Straches in dem im Mai aufgetauchten Lockvogel-Video auslösten, scheint selbst Hofers Wahlziel von "deutlich mehr als 20 Prozent" recht ehrgeizig. Und der neue Parteichef will jedenfalls die Koalition mit der ÖVP fortsetzen. Da könnte die "Good guy-Bad guy"-Strategie der FPÖ - der bei der ÖVP in Ungnade gefallene Herbert Kickl ist Listenzweiter und will unbedingt wieder Innenminister werden - freilich zum Problem werden. Aber Hofer gibt sich unbeeindruckt von den aufbrechenden türkis-blauen Querelen weiter als das verbindlich-freundliche Gesicht der FPÖ. Dies brachte den seriös-bieder auftretenden Burgenländer 2016 schon in die Bundespräsidenten-Stichwahl. Kandidiert hatte er auf Wunsch Straches, dem er stets treu gefolgt war - und dessen logischer Nachfolger der Kurzzeit-Infrastrukturminister dank der damals gewonnenen Popularität war.

Die weiteren KandidatInnen der FPÖ-Bundesliste:

  1. Spitzenkandidat: Norbert Hofer, Parteichef
  2. Herbert Kickl, Klubobmann, Ex-Innenminister
  3. Hubert Fuchs, Ex-Staatssekretär
  4. Petra Steger, Abgeordnete
  5. Susanne Fürst, Abgeordnete
  6. Hannes Amesbauer, Abgeordneter
  7. Philipp Schrangl, Abgeordneter
  8. Norbert van Handel, Jurist
  9. Hans-Jörg Jenewein, Abgeordneter
  10. Carmen Schimanek, Abgeordnete

NEOS

Auch die NEOS sehen an vorderster Front anders aus als noch im Jahr 2017. Ihr Gründer, Matthias Strolz trat 2018 zurück und übergab das pinke Ruder an Beate Meinl-Reisinger .

Neos
© APA/Punz Beate Meinl-Reisinger Geboren 1978 in Wien Juristin Tätigkeit bei ÖVP, 2012 Wechsel zu den NEOS Wiener Landtag und Nationalrat, seit 2018 NEOS-Chefin

Die pinke Chefin Beate Meinl-Reisinger muss bei dieser Nationalratswahl zeigen, dass die NEOS auch ohne Matthias Strolz überlebensfähig sind. Das hinter den Erwartungen gebliebene Ergebnis bei der EU-Wahl von 8,4 Prozent konnte noch nicht ganz überzeugen. Dass sie bei Wahlen reüssieren kann, hat die Mutter von drei Töchtern schon bewiesen. Trotz einer für die NEOS ungünstigen Stimmungslage führte sie die Partei 2015 sicher in den Wiener Landtag. Das Ergebnis bei der vergangenen Nationalratswahl, als sie die Landesliste anführte, war freilich eher durchwachsen.

Die weiteren KandidatInnen der NEOS-Bundesliste:

  1. Beate Meinl-Reisinger, Parteichefin
  2. Helmut Brandstätter, Ex-"Kurier"-Herausgeber
  3. Sepp Schellhorn, Abgeordneter
  4. Douglas Hoyos-Trauttmansdorff, Abgeordneter
  5. Gerald Loacker, Abgeordneter
  6. Stephanie Krisper, Abgeordneter

Liste JETZT

Die Liste Peter Pilz heißt inzwischen Liste Jetzt und tritt nach zahlreichen internen Schwierigkeiten ebenfalls wieder an. Nach dem Absprung von fünf der sieben Mandatare geht die Liste mit Peter Pilz als Spitzenkandidaten ins Rennen, wird aber, laut Umfragen, kaum Chancen auf einen Wiedereinzug haben.

© APA/Georg Hochmuth Peter Pilz Geboren 1954 in Kapfenberg/Steiermark Studium Wirtschaftswissenschaft ab 1986 für die Grünen im Nationalrat 2017 Bruch mit den Grünen und Gründung einer eigenen Liste

Peter Pilz (65), einstiges Grünes Urgestein, macht mit seiner Liste JETZT seiner Ex-Partei auch heuer wieder Konkurrenz. Den Umfragen nach allerdings nicht so erfolgreich wie 2017, wo es die ganz neu gegründete Partei in den Nationalrat schaffte, während die Grünen rausflogen. Mit denen hatte sich Pilz im Zuge der Listenwahl überworfen. Bekannt als "der Aufdecker" schaffte er es, mit seiner neuen Partei im Nationalrat zu bleiben - dem der am 22. Jänner 1954 in Kapfenberg geborene Steirer seit 1986 angehört hatte, unterbrochen nur durch seine "Wiener Jahre" von 1991 bis 1999. Gleich nach dem Erfolg mit seiner neuen Partei bekam Pilz' Image jedoch einen Kratzer - durch Anschuldigungen bezüglich sexueller Belästigung. Auch sein Nationalrats-Comeback nach Einstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft brachte nicht mehr den alten Glanz zurück, auch wenn sich der 65-jährige Kapfenberger in den U-Ausschüssen erneut publikumswirksam ins Rampenlicht spielen konnte.

Die Bundesliste der Liste Jetzt:

  1. Spitzenkandidat Peter Pilz, Abgeordneter
  2. Maria Stern, Parteichefin
  3. Daniela Holzinger-Vogtenhuber, Abgeordnete
  4. Susanne Giendl, Juristin
  5. Martin Balluch, Tierschützer

Die Grünen

Die Grünen , die 2017 aufgrund der Abspaltung und dem großen Erfolg von Pilz‘ eigener Liste aus dem Parlament flogen, treten, gestärkt durch die Europawahl mit Werner Kogler als Spitzenkandidat an. 2017 war noch Ulrike Lunacek das Gesicht an der Spitze. Geht es nach den Umfragen schaffen die Grünen den Wiedereinzug im Gegensatz zur Liste Jetzt.

© APA/Gindl Werner Kogler Geboren 1961 in Hartberg/Steiermark Volkswirtschafts-Studium seit 80er-Jahren bei Grünen tätig ab 1999 Nationalrat seit 2018 Bundessprecher der Grünen

Kaum hat er die EU-Wahl geschlagen, findet sich Werner Kogler (57) erneut in der Rolle des Spitzenkandidaten wieder. Denn die Wahl im Mai absolvierte der nach dem Desaster 2017 als Parteichef eingesprungene Steirer höchst erfolgreich: Die Grünen konnten das Rekordergebnis aus 2014 halten - und somit war ihr Comeback eingeläutet. Die Latte für die Nationalratswahl legte Kogler mit dem Wiedereinzug (für den vier Prozent reichen) bescheiden niedrig. Dabei kann er laut den Umfragen durchaus hoffen, nach dem 2017er-Minus von 8,6 Punkten jetzt wieder in Nähe der 12,4 Prozent zu landen, die die Grünen 2013 geschafft hatten - zumal das hochaktuelle Thema Klimaschutz Kernkompetenz der Ökopartei ist.

Die weiteren KandidatInnen der grünen Bundesliste:

  1. Spitzenkandidat: Werner Kogler
  2. Leonore Gewessler, Global-2000-Chefin
  3. Sibylle Hamann, Journalistin
  4. Michel Reimon, Ex-EU-Abgeordneter
  5. Alma Zadic, Ex-JETZT-Abgeordnete
  6. Markus Koza, Vorsitzender der Unabhängigen Gewerkschafter im ÖGB
  7. Olga Voglauer, Landessprecherin Kärnten
  8. Georg Bürstmayr, Rechtsanwalt

Andere Kleinparteien

Wandel/WANDL

Die Linkspartei Wandel - mit Abkürzung WANDL (weil es nur fünf Buchstaben sein dürfen) - hatte heuer allerdings schon Grund zum Feiern. Denn anders als 2013 (2017 ließ die Partei aus) bekam sie heuer genug Unterstützungserklärungen in allen neun Ländern. In die Wahl geführt wird Wandel von einem Spitzenteam - Ökonomin Dani Platsch und Parteigründer Fayad Mulla. Erster auf der Bundesliste ist Mulla.

KPÖ

Christliche Partei Österreichs/CPÖ (im Burgenland)

Allianz der Patrioten/BZÖ

Sozialistische LinksPartei/SLP (in Oberösterreich)

BPÖ-Bierpartei Österreich/BIER (in Wien)

Jede Stimme GILT/GILT (in Tirolund Vorarlberg)

Interessant dazu: Die skurrilsten Parteien Österreichs

Was sind die Schwerpunkte dieser Wahl?

Die Parteien arbeiten teils noch an ihren Wahlprogrammen. Präsentiert werden sie wohl im Laufe des Sommers. Erste Schwerpunkte stehen jedoch bereits - und hier zeigt sich die schon bei der EU-Wahl beobachtete stärkere Bedeutung der Umweltpolitik. So will die ÖVP den Klimaschutz stärker betonen, ähnliches hat zuvor auch die FPÖ angekündigt.

ÖVP -Chef Kurz will einerseits mit den Leistungen der abgewählten Regierung um die Rückkehr ins Kanzleramt werben (Familienbonus, Nulldefizit und restriktive Zuwanderungspolitik), andererseits sollen die "großen Zukunftsthemen" und Herausforderungen das Wahlprogramm prägen, wie es in einer Aussendung verlautbart wurde. Darunter versteht die ÖVP fünf Schwerpunkte und zu diesen zählt neben Klassikern wie Arbeit, Gesundheit und Pflege, Europa sowie der Kampf gegen den politischen Islam auch der Klima- und Umweltschutz. Das Wahlprogramm soll Ende August/Anfang September erscheinen.

Auch FPÖ -Chef Norbert Hofer hat Klimaschutz zuletzt als einen seiner Schwerpunkte angekündigt. Ein deutlicher Kontrast zu seinem Vorgänger Heinz-Christian Strache, der die menschengemachte Erderwärmung stets angezweifelt hatte.

Die SPÖ präsentierte bereits ein 46-seitiges Papier mit dem Titel "Mut für Österreich. Gut für Österreich". Darin werden die Themen Pflege, Gesundheit, Arbeit, Gleichstellung, Bildung, Integration, Sicherheit und natürlich Klimaschutz angesprochen. Mehr dazu lesen Sie hier. Als großes Thema brachte die SPÖ inzwischen das Klimaticket auf den Tisch. Um nur 3 Euro am Tag sollen öffentliche Verkehrsmittel in ganz Österreich benutzt werden dürfen.

Ein möglicher Hintergrund dieser Hinwendung zur Umweltpolitik ist die im Vergleich zur letzten Nationalratswahl 2017 veränderte Themenlage: Laut der SORA-Nachwahlbefragung rangierte der Umweltschutz im Nationalratswahlkampf 2017 nur auf Platz zehn der meistdiskutierten Themen - im heurigen EU-Wahlkampf war Umwelt- und Klimaschutz eines der drei Top-Themen, ex-aequo mit Sozialpolitik und Zuwanderung.

Weiterführend: Die österreichischen Parteien im Klima-Check vor der Wahl

Umgekehrt hat die Zuwanderung in den Augen der Wähler etwas an Bedeutung verloren , denn 2017 war "Asyl und Migration" noch das mit Abstand am meisten diskutierte Wahlkampfthema vor Sozialleistungen und Sicherheit.

Die Ausgangslage: Das Ergebnis der Nationalratswahl 2017

Bei der Nationalratswahl 2017 ging die ÖVP mit 31,47 Prozent der Stimmen als Sieger hervor, gefolgt von der SPÖ mit 26,86 Prozent und der FPÖ mit 25,97 Prozent. Die NEOS kamen auf 5,3 Prozent, die Liste Peter Pilz (inzwischen Liste Jetzt) zog mit 4,41 Prozent in den Nationalrat ein, während die Grünen den Einzug mit 3,8 Prozent knapp verpassten.

NR-Wahl 2017 Ergebnis
© APA/Hirsch
Nationalratswahl 2019 - ERgebnisse seit 1999
© APA/Hirsch

Wen sehen die Umfragen 2019 als Gewinner?

Die Umfragen zeigen seit Wochen einen deutlichen Vorsprung der ÖVP vor SPÖ bzw. FPÖ. In den meisten Erhebungen seit Ende Mai liegt die Volkspartei bei 36/37 Prozent Prozent. SPÖ und FPÖ liefern sich mit Respektabstand ein Match um den zweiten Platz (mit Werten zwischen 20 Prozent - FPÖ und 22 Prozent, derzeit SPÖ). Die Grünen werden mit rund zwölf Prozent ausgewiesen, die NEOS mit etwa sieben Prozent. Die Liste JETZT würde die für den Einzug in den Nationalrat notwendige Vier-Prozent-Hürde (mit ein bis zwei Prozent) klar verpassen.

Stimmen Sie ab: Wen würden Sie wählen, wenn heute Nationalratswahl wäre?

Umfrage zur Wahl 2019

Wen werden Sie voraussichtlich wählen?

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Was für Koalitionsmöglichkeiten wird es nach der Wahl geben?

Das wird wohl ein schwieriges Thema, wenn es nach dem Politologen Peter Filzmaier geht. Der prognostizierte Wahlsieger, die ÖVP habe wahrscheinlich sichere Mehrheiten nur mit FPÖ oder SPÖ. Von beiden Parteien habe sich die Volkspartei unter Sebastian Kurz in den letzten zwei Jahren aber "scheiden lassen", so Filzmaier. Eine Alternative wäre vermutlich nur eine "Dreierbeziehung" mit Grünen und NEOS, sagte der Politologe. Doch das wäre "kompliziert", ganz abgesehen von den inhaltlichen Hürden. Eine Minderheitsregierung, wie sie auch von Kurz selbst ins Spiel gebracht wurde, hält Filzmaier für eher ausgeschlossen. Polit-Expertin Kathrin Stainer-Hämmerle sieht im Gegensatz schon eine Möglichkeit einer ÖVP-SPÖ-Koalition, "allerdings nicht mit Rendi-Wagner". Bei einer möglichen Neuauflage von Türkis-Blau sieht sie den Knackpunkt bei Herbert Kickl. Die Hauptschwierigkeit seien nicht die Inhalte "sondern die Frage: Kann die FPÖ auf Kickl verzichten, ohne ihr Gesicht zu verlieren und kann die ÖVP den Kickl doch nehmen ohne ihr Gesicht zu verlieren?" Die FPÖ selbst sieht nur eine Zusammenarbeit mit der ÖVP als Option. "Entweder wir machen eine Koalition mit der ÖVP, setzten die Zusammenarbeit fort, oder wir sind Oppositionspartei", sagte der designierte FPÖ-Obmann im APA-Interview. Auf die Ankündigung der ÖVP, Herbert Kickl keinesfalls mit einem Ressort zu betrauen, wolle er "nicht einsteigen".

Dazu interessant: Stainer-Hämmerle über den heraufbeschworenen "schmutzigen Wahlkampf" und was der Beliebtheit des Altkanzlers Kurz schaden könnte.

Wann wird gewählt - wann gibt es Ergebnisse?

Nationalratswahl 2019 Fahrplan
© APA/Hirsch

Wann wird der neu gewählte Nationalrat erstmals zusammentreffen?

Die konstituierende Sitzung des dann neu gewählten Nationalrats ist für den 23. Oktober 2019 vorgesehen.

Wer darf wählen?

Alle österreichischen StaatsbürgerInnen, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind und nicht wegen einer gerichtlichen Verurteilung von diesem Wahlrecht ausgeschlossen sind. AuslandsösterreicherInnen können per Briefwahl ihre Stimme abgeben.

Wie funktioniert das mit den Vorzugsstimmen?

In Österreich werden Parteilisten gewählt und durch Eintragung des Namens oder der Reihungsnummer auf der Bundesparteiliste und/oder auf der Landesparteiliste bzw. Ankreuzen des Namens auf der Ebene des Regionalwahlkreises kann jede/r WählerIn eine Vorzugsstimme für Kandidaten auf der Liste der gewählten Partei vergeben. Hat ein/e KandidatIn dann eine genügend hohe Anzahl an Vorzugstimmen, so kommt es zu einer Vorreihung auf der Liste, zumeist auf den ersten Listenplatz.

Was macht der Nationalrat?

Der Nationalrat übt gemeinsam mit dem Budesrat die Gesetzgebung des Bundes aus. Es gibt im österreichischen Nationalrat 183 Mandate (Sitze), die dem Verhältniswahlrecht vergeben werden.

Live-Termine:

News.at lädt alle Spitzenkandidaten zum Live-Chat ein. Hier die bislang feststehenden Termine:

  • 13. August, 12-13 Uhr: Beate Meinl-Reisinger (NEOS)
  • 21. August, 13-14 Uhr: Pamela Rendi-Wagner (SPÖ)
  • 27. August: Martin Balluch (Liste Jetzt)
  • 3. September, 10.30-11.30 Uhr: Werner Kogler (Grüne)

Auch der ORF lädt auch dieses Mal wieder die Spitzenkandidaten zu Sommergespräche (mit Tobias Pötzelsberger) und zu TV-Konfrontationen. Bereits abgeschlossen ist die Ö3-Radiointerviewreihe "Frühstück bei mir" (Sebastian Kurz, Pamela Rendi-Wagner, Norbert Hofer und Beate Meinl-Reisinger sowie Peter Pilz waren zu Gast).

Die Sommergespräche im ORF:

  • 5. August: Liste Jetzt
  • 12. August: NEOS
  • 19. August: FPÖ
  • 26. August: SPÖ
  • 2. September: ÖVP

Elefantenrunden

In insgesamt fünf Elefantenrunden werden die Spitzenkandidaten von ÖVP, FPÖ, SPÖ, NEOS, Grünen und Liste Jetzt aufeinandertreffen. Den Anfang macht eine Ö1-"Klartext"-Diskussion am 3. September, die von ORF 3 übertragen wird. Zwei Tage später folgt eine Spitzenkandidaten-Diskussion, die gemeinsam von den Tageszeitungen "Kleine Zeitung", "Oberösterreichische Nachrichten", "Salzburger Nachrichten", "Tiroler Tageszeitung", "Vorarlberger Nachrichten" und "Die Presse" organisiert wurde. Die Veranstaltung im Landestheater Salzburg wird live auf den Online-Plattformen der beteiligten Zeitungen übertragen.
Eine Woche vor dem Wahltag am 29. September diskutieren die Spitzenkandidaten bei den Privatsendern ATV, Puls 4 und Servus TV (22. September). Wiederum zwei Tage später (24. September) findet die Elefantenrunde auf oe24.tv statt. Drei Tage vor der Wahl steigt dann die klassische ORF 2-Elefantenrunde (26. September). Sie beschließt den TV-Wahlkampf.

Duelle

Sowohl ORF als auch Puls 4 setzen außerdem auf Duelle. Während die Spitzenkandidaten im ORF an drei Abenden in 15 knappen Jeder-gegen-Jeden-Konfrontationen von je 20 Minuten aufeinandertreffen, dauern die auf vier Abende aufgeteilten Duelle auf Puls 4 jeweils 45 Minuten. Peter Pilz von der Liste Jetzt ist bei den Puls 4-Duellen voraussichtlich nicht dabei, was das Unternehmen mit der langen Unsicherheit seines Antritts begründet, bei den anderen Formaten aber schon. Für die ORF-Duelle wurde den Spitzenkandidaten die Möglichkeit eingeräumt, sich einmal vertreten zu lassen, was sowohl SPÖ, ÖVP als auch FPÖ nutzen. Bereits am 1. September diskutieren Vertreter von KPÖ und Der Wandel, die es ebenfalls auf den Stimmzettel geschafft haben, auf ORF 2.