Nationalratswahl von

Stimmen für Tiere

Nationalratswahl - Stimmen für Tiere © Bild: News/Ian Ehm

Sie teilen mit uns Wohnung, Haus und Garten. Sie sind ständig für uns da, auch wenn sie es nicht immer unbedingt wollen. Viele von ihnen ernähren und kleiden uns. Noch mehr von ihnen leiden für uns – unsere Tiere. Ob Hund, Katze, Vogel, Kuh, Schaf, Ziege, Schwein, Huhn und Gans, sie alle sind Teil unseres Lebens. Nur eines haben sie nicht: eine Stimme, die sie bei der Nationalratswahl am 15. Oktober abgeben können. Aber Sie können es!

Deshalb stellte News den Tierschutzsprechern von SPÖ, ÖVP, FPÖ, den Grünen, Neos, der Liste Pilz und der KPÖ sieben Fragen, die für Tierhalter und ihre Schützlinge in der Stadt und auf dem Land bewegen. Und alle haben geantwortet.

Ist die Partei für ein Verbot von Massentierhaltung und von Käfighaltung von Tieren, die für die Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt werden?
SPÖ, Dietmar Keck: Es war eine Errungenschaft der SPÖ, dass die Käfighaltung beim Geflügel bereits 2009 – sprich drei Jahre vor der EU-Vorgabe – verboten wurde. An diesem Verbot ist nicht zu rütteln und wird von der SPÖ vollinhaltlich auch so gesehen. Da Massentierhaltung kein definierter Begriff ist, ist es schwer hier eine Antwort zu geben. Die SPÖ steht für Tierhaltung im Sinne des Tierschutzes. Hier geht es aber vor allem um das einzelne Individuum. Auch bei der Haltung von zwei Tieren kann es zu Tierschutzvergehen bzw. Problemen kommen.
Und hier muss angesetzt werden.
ÖVP, Franz Eßl: Österreich hat neben Schweden bereits die strengsten gesetzlichen Bestimmungen zum Nutztierschutz in der EU und weltweit. So ist die Käfighaltung von Legehennen oder auch Kaninchen in Österreich bereits verboten. Tierschutz sollte aber noch mehr als Aufgabe der Gesellschaft verstanden werden, denn es werden in der Gastronomie und bei Verarbeitungsprodukten noch immer zu viele Produkte aus Ländern mit wesentlich niedrigeren Standards angeboten. Wenn wir uns gemeinsam zu hohen Tierschutzstandards bekennen, dann brauchen wir Verbindlichkeit nicht nur für die Nutztierhalter, sondern auch für die Verarbeiter, den Handel und die Konsumentinnen und Konsumenten. Fast alle aus dem Ausland nach Österreich importierten tierischen Produkte stammen von Tieren, die im Ausland unter schlechteren Tierschutzstandards gehalten werden als die Tiere in Österreich. Größter Handlungsbedarf besteht also darin sicherzustellen, dass auch importierte tierische Produkte die hohen österreichischen Tierschutzstandards erfüllen. Nur so kann der Import von Tierleid verhindert und gleichzeitig das globale Tierschutzniveau angehoben werden.
FPÖ, Josef A. Riemer: Zur Zeit nicht machbar, aber es muss hier eine Weiterentwicklung hin zum Ausstieg mittels Förderungen geben.
Grüne, Elke Widner: Selbstverständlich! Grüner soll die Tierhaltung werden, nicht größer.
Neos, Christoph Hahn: Wir glauben, dass es breiten Konsens gibt, die Haltungsbedingungen von Tieren beständig zu verbessern. So wie das schon weitgehend bei Legehennen der Fall ist und die Käfighaltung in Österreich schon nahezu vollständig abgeschafft wurde. Diese Verbesserungen sind ein ständiger Prozess, dem wir uns stellen müssen.
Liste Pilz, Sebastian Bohrn Mena: Ich möchte Tierfabriken schließen. Dazu braucht es eine ganze Fülle an Maßnahmen, die ich im Detail auch im Programm (bohrn-mena.at) erwähne.
KPÖ, Alexandra Benedik: Ja, die KPÖ tritt für eine artgerechte, ihren Bedürfnissen entsprechende Haltung von Nutztieren ein.

© Susanne Zobl Kater Lenny würde wählen, wenn er dürfte.

Plant die Partei landwirtschaftliche Betriebe zu subventionieren, die aus der Massentierhaltung aussteigen?
SPÖ: Da bisher die Vergabe von Subventionen in den Bereich des BMLFUW (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft) und der ÖVP fällt, ist es hier schwierig zu steuern. Aber wie oben bereits geschrieben, Massentierhaltung ist ein Begriff, der keine definierte Anzahl von Tieren hat und im Vergleich zu anderen Staaten in Österreich die Tierhaltung sehr klein strukturiert ist und nicht von einer Massentierhaltung wie z.B. in Deutschland oder den Niederlanden gesprochen werden kann.
ÖVP: Das Stopfen von Gänsen sowie Lebendrupfung ist in Österreich schon seit Jahren verboten, deshalb brauchen wir auch keine „Subventionierung“ eines Ausstieges. Zur tierfreundlichen und artgerechten Haltung gibt es auch mehrere Maßnahmenpakete. Seit vielen Jahren werden besonders tierfreundliche Stallungen bei Neu- und Umbauten speziell gefördert. Ebenso werden die Strohhaltung von Schweinen und Mastrindern sowie die Weidehaltung von Rindern, Schafen und Ziegen besonders unterstützt. Auch die biologische Erzeugung genießt eine besondere Förderung. Weiters sagt die Größe von Betrieben noch nichts über die Tierfreundlichkeit der Haltung aus. In Österreich haben wir aber im internationalen Vergleich sehr kleine Betriebe. Die meisten werden als bäuerliche Familienbetriebe geführt. Diese Form der Erzeugung gilt es zu erhalten und durch vielfältige Maßnahmen zu unterstützen. Ebenso werden die erhöhten Kosten der Weidehaltung von Rindern, Schafen und Ziegen durch eine Weideprämie ausgeglichen.
FPÖ: Ja
Grüne: Ja, sicherlich. Die Agrarförderung, der größte Budgetposten im EU-Budget, muss zielgenau für gesellschaftlich gewünschte Leistungen eingesetzt werden. Verbesserung des Tierwohls und Verbesserungen in der Ökologie sind dabei sicher die herausragenden Parameter.
Neos: Wir sind der festen Überzeugung, dass höhere Qualität – auch in der Haltung – auch von den Konsument_innen honoriert wird. Gelungene Beispiele sind etwa der hohe Anteil an Freilandeiern oder gelungene Initiativen in der Milchwirtschaft. Wofür wir jedenfalls sind: die Politik muss bürokratische Hürden beseitigen, dass das leichter gelingen kann.
Liste Pilz: Landwirtschaftliche Betriebe, die sich für die Abkehr aus der industriellen Viehzucht und eine Haltung entsprechend einem neu zu entwickelten Tierwohl-Gütesiegel (vgl. Programm) entscheiden, sollten unterstützt werden. Sie sollten in erster Linie Subventionen und Förderungen erhalten, nicht die Agrarkonzerne.
KPÖ: Die KPÖ befürwortet, dass Betriebe beim Umstieg auf eine artgerechte Tierhaltung unterstützt werden.

Ist die Partei für ein Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung?
SPÖ: o Keine Kastration bis zum Altern von 7 Tagen ohne Schmerzmedikation – aktuell erlaubt
o Jetzt mit wirksamer Schmerzbehandlung, welche auch postoperativ wirkt (Mindestnorm!). Gleiches gilt auch für das Schwanzkupieren bei Ferkeln.
o Oder Eingriff durch Tierarzt nach wirksamer Betäubung und postoperativer Schmerzbehandlung
o Es war nicht möglich ein grundsätzliches Betäubungsgebot, um eine Schmerzausschaltung zu erreichen, festzuschreiben, daher wurde als Kompromiss die Anwendung der Präparate zur Immunokastration durch den Landwirt in der Arzneimittelanwendungsverordnung ermöglicht.
o Möglichkeit der Betäubung durch den Tierarzt besteht bereits heute und wäre im Rahmen von Qualitätsprogrammen des Handels bereits umsetzbar (beim neuen Hofer-Programm auch nicht der Fall!).
o Ebenso neu ist, dass Schweine ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben müssen, die sie bekauen, untersuchen und bewegen können, wie z.B. Raufutter (Stroh, Heu, Maissilage etc.), Hanfseile, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien.
Zusammengefasst kann aber gesagt werden, dass die SPÖ klar für eine Betäubung bei der Ferkelkastration eingetreten ist und dies auch weiterhin tut.
ÖVP: Wir sprechen uns klar für eine wirksame Schmerzlinderung bei der Kastration aus. Die Frage der betäubungslosen Kastration wurde im Frühjahr bei der Novellierung des Tierschutzgesetzes intensiv diskutiert. Wir sprechen uns klar für eine wirksame Schmerzlinderung bei der Kastration aus. So ist es auch im Gesetz festgehalten. Damit wurden strengere Vorgaben als in den meisten anderen Mitgliedsstaaten geschaffen. Vorerst ist die Kastration unter Einsatz von Schmerzmitteln die beste zur Verfuügung stehende Methode. Die Betäubung der Ferkel führt zwar zu einer Schmerzausschaltung, aber auch zu den bekannten ungünstigen Nebenwirkungen, wie langer Nachschlaf und Auskühlen der Ferkel. Wir sprechen uns klar für eine wirksame Schmerzlinderung bei der Kastration aus.
FPÖ: Ja; insofern es eine praxistaugliche Lösung gibt. Auch hier wird es wahrscheinlich zu finanziellen Hilfestellungen kommen müssen.
Grüne: Ja und wir haben bereits einen diesbezüglichen Antrag im Parlament eingebracht.
Neos: Die Debatte um die Ferkelkastration läuft schon einige Zeit und leider ist sie noch zu keinem befriedigendem Ergebnis gekommen. Es geht im Kern um die Betäubung bei der Kastration. Wenn Eber die nicht kastriert werden, leidet die Fleischqualität.
Einige Länder haben begonnen, Betäubung bei der Kastration vorzuschreiben. Wenn hier gute Ergebnisse erzielt werden können, ist auch in Österreich an eine Umsetzung zu denken.
Liste Pilz: Die betäubungslose Ferkel-Kastration gehört verboten – auch das finden Sie in meinem Programm. Förderungen zum Umstieg auf alternative Methoden sind vorstellbar.
KPÖ: Die Kastration ohne Betäubung ist derzeit nur bei Ferkeln in den ersten Lebenstagen erlaubt. Es gilt Alternativen zu evaluieren und so schnell wie möglich auf eine schmerz- und stressfreie Lösung umzusteigen.

Soll die Haltung von exotischen Tierarten und Reptilien in Haushalten verboten werden?
SPÖ: Wenn die derzeit bereits gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden – Nein. Sowohl die Einrichtung eines Terrariums, als auch die Pflege der Tiere benötigt einiges an Fachwissen und vor allem Zeit und Geld. Nur bei artgerechter Unterbringung und Ernährung zeigen die Tiere ihr gesamtes Verhaltensspektrum und erreichen auch ihre Endgröße sowie ihre normale Lebenserwartung, die durchaus mehrere Jahrzehnte betragen kann. Als Streicheltiere sind Reptilien nicht geeignet! Kinder sollten frühestens mit 10 Jahren unter Aufsicht eines Erwachsenen mit der Pflege von Terrarientieren betraut werden.
ÖVP: Es bedarf es einer genauen Festlegung, welche Tiere von einem Verbot erfasst sein sollen. In jedem Fall sollten einschlägige Fachkenntnisse bei der Haltung von Tieren erhalten sein.
FPÖ: Generell Ja
Neos: Keine Antwort
Grüne: Da stellt sich die Frage nach der Definition von "exotisch". Wir sind für eine klare Regelung, die eine nicht artgerechte und nicht am Tierwohl ausgerichtete Haltung unterbindet. Wildtiere als Hobby zu halten, kann nicht im Sinne des Tierschutzes sein, deshalb lehnen wir dies ab.
Liste Pilz: Die Haltung von exotischen Tierarten muss streng reglementiert sein (siehe auch den Punkt dazu in meinem Programm).
KPÖ: Wir sprechen uns hier für eine Positivliste aus, in der Tierarten aufgezählt sind die gehalten werden dürfen, in Verbindung mit einem verpflichtend abzulegenden Sachkundenachweis.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: zobl.susanne@news.at