Warum nach dem Essen nicht schwimmen?

Nach dem Essen soll man mindestens eine Stunde warten, bevor man schwimmen geht. Das haben wir schon als Kinder gelernt. Doch stimmt das auch? Wir befragten den Allgemeinmediziner Dr. Andreas Sönnichsen.

von Nachgefragt - Warum nach dem Essen nicht schwimmen? © Bild: iStockphoto.com

Die Baderegeln des Österreichischen Wasserrettungswesens lassen keinen Zweifel. Hier heißt es unter anderem: "Wenn du viel gegessen hast, warte eine Stunde, bevor du wieder ins Wasser gehst." Warum? Diese Frage wird nicht beantwortet. Und dennoch scheinen wir die Antwort zu kennen: Weil man sonst Gefahr läuft, einen Magenkrampf zu erleiden. Oder gar zu ertrinken. Ist diese Sorge berechtigt? Der Experte der MedUni Wien entwarnt - und klärt auf, was hinter diesem Mythos stecken könnte.

Darum lieber eine Pause einlegen

"Nach dem Essen kommt es zur Umverteilung des Blutvolumens in unserem Körper." Soll heißen: Ein großer Teil des Blutes fließt in den Verdauungstrakt. Immerhin ist der nach einer üppigen Mahlzeit ja besonders gefordert. Wer sich nun sportlich betätigt - und "Schwimmen", so Sönnichsen, "ist ein sehr intensiver Sport" -, der zieht das Blut vom Verdauungstrakt ab. Der Experte rät daher, nach dem Essen eine kleine Pause einzulegen, "weil die Verdauung dann besser arbeiten kann".

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Umgekehrt werde, wenn sich ein Großteil des Blutes im Verdauungstrakt sammelt, wohl auch die körperliche Leistungsfähigkeit vermindert. Die Annahme, dass man, wenn man sich nach einem üppigen Mahl sportlich betätigt, schlapp macht, ist also nicht von der Hand zu weisen. Anderseits haben wir mit gefülltem Magen ohnehin nicht unbedingt Lust, ins Wasser zu hüpfen. Es empfiehlt sich daher - im wahrsten Sinne des Wortes - einfach auf das eigene Bauchgefühl zu hören.

Diese Personengruppen sollten aufpassen

Wer allerdings Vorsicht walten lassen sollte, das sind Menschen, die grundsätzlich Herz-Kreislaufprobleme haben oder aber schon höheren Alters sind. Hier kann eine Doppelbelastung durch die Verdauung auf der einen Seite und die körperliche Anstrengung auf der anderen tatsächlich zu einem Kollaps führen, der, wenn er während eines Badegangs auftritt, im schlimmsten Fall sogar tödlich enden kann.