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Promis zur Nationalratswahl: "Nichtwählen ist feig, fad und faul"

Interview - Promis zur Nationalratswahl: "Nichtwählen ist feig, fad und faul" © Bild: Juice Factory

Lilian Klebow, Andreas Moravec, Johanna Setzer und Kati Bellowitsch sind überzeugt davon, dass es wichtig ist, zur Wahl zu gehen. Warum?

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"Unsere Urgroßeltern haben dafür gekämpft, dass wir unser Wahlrecht ausüben können. Wir wollen zeigen, dass es ein Privileg ist, über unsere Zukunft und die unserer Kinder mitentscheiden zu können. Deshalb wollen wir jeden, den wir erreichen können, dazu bewegen am Sonntag wählen zu gehen", sagt Victoria Rieder. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Clemens betreibt sie die "Juice Factory". Das Unternehmerpaar lud Promis am Mittwoch ein, um sich für Politik und Demokratie einzusetzen. Bis zur Wahl bekommt Jeder bis zur Nationalratswahl am Sonntag, der das Codewort #gehmawöhn in einer Juice Factory sagt, einen gratis Ingwershot als Energiebooster.

© Juice Factory vlnr.James Cottriall,Johanna Setzer, Andreas Moravec,Clemens Rieder,Vicky Rieder, Kati Bellowitsch,Lilian Klebow

News sprach mit den anwesenden Promis über die bevorstehende Nationalratswahl, Verantwortung und das Ibiza-Video.

Lilian Klebow

Lilian Klebow ist deutsche Staatsbürgerin. Die Schauspielerin aus der Erfolgsserie "Soko Donau" lebt aber schon seit 22 Jahren in Österreich, wohnt mit ihrer Familie in Wien und wüsste auch, wen sie wählen würde, wenn sie denn dann dürfte - "Eine einfache Entscheidung ist es aber nicht, weil ich mich oft auch nicht repräsentiert fühle. Ich würde aber auf jeden Fall wählen; denn wenn man das nicht tut, gibt man Menschen Macht in die Hand und irgendwann entscheidet ein kleiner, elitärer Kreis über unsere Erde und das will niemand erleben."

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News: Was glauben Sie, welchen Einfluss hatte das "Ibiza-Video" auf die Wahrnehmung der Politik?
Lilian Klebow: Ich hoffe, es hatte einen Einfluss. Ich glaube, man sollte auch nicht fragen, wie, was und warum es entstanden ist, sondern erkennen, dass das, was da zu sehen ist, ist authentisch. Ich finde, Politik oder Demokratie heißt, dass Politiker Repräsentanten des Volkes sind. Meiner Ansicht nach gibt es viele Menschen, die sich nicht repräsentiert fühlen, sondern vielmehr hintergangen. Man hat oftmals das Gefühl die Wirtschaftsinteressen – und das ist in diesem Video auch schön zu Tage getreten – stehen eigentlich vor den Menschen. Ich finde von dieser Politik muss man wegkommen.

» Es ist großartig, wenn sich eine junge Frau hinstellt und so eine wütende Rede hält«

Gibt es so etwas wie authentische Politiker oder Politikerinnen?
Ich glaub nicht, dass das unauthentische Menschen sind. Die Frage ist aber viel mehr, was das System aus ihnen macht. Die PR-Maschinerien, die Wirtschaftsinteressen... Ich würde gerne mal einen Menschen dort sitzen sehen, der wirklich sagt, was ist. Menschen, die wirklich etwas zu sagen haben. Kein "wie weiche ich den Fragen meines politischen Gegners am besten aus?", keine NLP-Schulung - denn sonst leben wir in einem Porzellanladen und nicht mehr in einer authentischen Welt, wo verschiedene Meinungen sein dürfen und man sich mit diesen verschiedenen Meinungen auf etwas einigen kann.

Ich bin dankbar, wenn eine Greta Thunberg sich hinstellt und sagt, ist das euer Ernst? Es ist großartig, wenn sich eine junge Frau hinstellt und so eine wütende Rede hält. Das ist das einzig Richtige.

Greta Thunberg muss auch viel Widerstand und Hass aushalten. Schockiert Sie das?
Ja, klar schockiert mich das. Wie man aus den Medien weiß, ist das ein Mädchen, das Asperger-Syndrom hat. Zudem ist es eine Jugendliche, die man auch als solche respektieren sollte. Sie ist jemand, die eine besondere Wahrnehmung der Welt hat – in dem Fall ein Glücksfall – weil sie sehr viel sensibler mit Themen umgeht. Und diese Sensibilität fehlt heute ganz vielen Menschen.

»Natürlich tut es weh sich einzugestehen, wir sind alle keine Engel«

Warum gibt es da keine Grenze, warum beschimpft man ein 16-jähriges Mädchen?
Es gibt überhaupt keine Grenzen mehr in der Hetze heutzutage und das ist sehr bedenklich. Es ist auch wahnsinnig feige, im Netz schnell etwas zu posten. Ich kann das nicht verstehen.

Greta bringt die berechtigte Wut einer Generation auf den Punkt. Jane Goodall sagte diesen berühmten Satz, der mich wiederum zur Aktivistin hat werden lassen: „Wir haben diese Welt nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen" Und das, was wir machen ist stehlen.

Wie meinen Sie das?
Wir müssen uns unserer Verantwortung stellen. Wir haben hier nur tolle Handys, weil wir woanders Menschen ausbeuten. Man kann sich in unserer reichen Welt so schön ablenken, man kann ständig alles haben. Wir brauchen nur nicht ständig alles. Und das ist das Umdenken, was ich mir wünsche. Ein verantwortungsvolles Umdenken. Und da trifft Greta genau ins Schwarze. Und das tut natürlich weh, sich einzugestehen, wir sind alle keine Engel; wir konsumieren alle zu viel von allem.

Greta hat einer ganzen Generation etwas gegeben, was ich heute vermisse: Ein Idol, ein echtes Vorbild. Mir gibt das sehr viel Hoffnung, junge Menschen zu sehen, die sich politisch engagieren. Weil nur so werden wir das Ruder noch rumreissen.

»Ich muss mein Gegenüber ernst nehmen, egal wo er oder sie herkommt.«

Und gleichzeitig erstarken rechte Parteien in Europa, der Rechtspopulismus gewinnt dazu...
Ja, das macht Angst. Wir kennen unsere Geschichte und Ausgrenzung kann nie die Lösung sein in einer Welt, die sich immer mehr vernetzt. Das ist eine Illusion und wird auch nicht funktionieren. Ich muss mein Gegenüber ernst nehmen, egal wo er oder sie herkommt.
Populismus ist vor allem das Problem. Populismus heißt nicht, dass ich eine fundierte Meinung vertrete, sondern, ich sage etwas, wovon ich glaube, was die Menschen hören wollen. Und da liegt der Hund begraben. Man sollte die Wahrheiten nennen und nicht etwas schön verkaufen.

Andreas Moravec & Johanna Setzer

ATV-Moderator Andreas Moravec und Puls-4-Moderatorin Johanna Setzer unterhalten sich angeregt über Politik. Wer hat gute Chancen die Wahl zu gewinnen, wer wird überraschen?

News: Wissen Sie beide schon, wen Sie am Sonntag wählen werden?
Andreas Moravec: Joa, doch...
Johanna Setzer: Ich hab schon gewählt

War es eine schwierige Entscheidung?
Setzer: Ganz und gar nicht. Für mich war es sehr klar.
Moravec: Ich glaube, in Zeiten wie diesen weiß man das…
Setzer: ...und wenn man es nicht weiß, gibt es die Wahlkabine und diverse Sendungen auf Puls4 oder ATV (lacht)

»Vielleicht sollten wir Politiker besser bezahlen«

Welche Rolle spielte das "Ibiza"-Video bei den Menschen?
Setzer: Ich glaube, das hat einfach den letzten Rest zerstört von dem sowieso schon angeknacksten Image der Politiker.
Moravec: Glaube ich auch. Es wird einen Teil geben, die jetzt wissen, wie Politiker sind und ein Großteil wird das Video aber auch schon schon wieder vergessen haben...
Setzer: Wobei man aber auch nicht sagen kann, alle Politiker sind so.
Moravec: Das stimmt. Man darf nicht alle in einen Topf werfen

Was macht denn einen guten Politiker, eine gute Politikerin aus?
Setzer: Dass er nicht korrupt ist und dass er tatsächlich etwas für die Menschen in diesem Land tut. Vielleicht sollten wir uns überlegen, Politiker so hochdotiert zu bezahlen, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, eine zwei Euro Münze auf der Straße einzustecken, sondern zu fragen, gehört die irgendwem?
Moravec: Sie sollten auf das Wort der Masse hören und das auch wirklich umsetzen.

Laut aktuellen Umfragen, hätte eine ÖVP-FPÖ-Koalition eine Chance. Glauben Sie an eine Neuauflage von Türkis-Blau?
Setzer: Es gibt so viele, die ihre Entscheidung erst in der Wahlkabine treffen. Ich glaube also, es ist alles offen.
Moravec: Ich glaube schon, dass sich etwas verändern wird. Das Ibiza-Video wird teilweise doch einen Einfluss auf gewisse Wähler haben.
Setzer: Ich bin gespannt, wer der unbekannte Dritte in der Runde wird. Auf das freue ich mich am meisten, das wird total spannend.
Moravec: Absolut! Und dieser unbkannte Dritte könnte den Ausschlag geben, dass sich ein bisschen was ändert.

»Seitdem ich Papa bin, gehe ich mit einer anderen Verantwortung in diese Wahlkabine«

Sie sind beide, vor nicht allzu langer Zeit, Eltern geworden. Was wünschen Sie sich für ihre Kinder?
Setzer: Eine wesentlich bessere Zukunft
Moravec: Oder eine gleich gute! Wir haben es ja nicht schlecht…
Setzer: In jedem Falle eine saubere Politik
Moravec: Seitdem ich Papa bin, gehe ich mit einer anderen Verantwortung in diese Wahlkabine. Früher war es so, dass ich mich gefragt habe, was finde ich gut, was will ich; aber jetzt muss ich auch an mein Kind denken. Zukunftsweisender denken, als ich das vielleicht früher getan habe.
Setzer: Da gebe ich Dir voll Recht - geht mir auch so.

Und was kann jeder Einzelne tun, um etwas zu verändern?
Setzer: Jeder Einzelne ist die Masse! Alleine wählen zu gehen ist schon mal wichtig.
Moravec: Genau! Und daran zu denken, dass man nicht nur für sich wählen geht, sondern für eine Zukunft. Man sollte nicht nur an die nächsten Jahre denken, sondern viel weiter…
Setzer: Ein 10-Jahre-Fokus! Oder 50 Jahre…
Moravec: Ja, absolut. Ich habe nämlich auch keine Lust, dass wenn mein Sohn 40 ist, die Umwelt nicht mehr so ist, wie sie jetzt ist.

Kati Bellowitsch

"Wenn es um Gesetze und Entscheidungen für unser Land, bzw. für uns selbst geht, MUSS man sich einfach einmischen - indem man wählen geht", ist Kati Bellowitsch überzeugt. Die Fernseh- und Radiomoderatorin ist aber auch froh, wenn der Wahlkampf endlich vorbei ist...

News: Frau Bellowitsch, am Sonntag wird gewählt...
Kati Bellowitsch: Endlich! Ganz ehrlich, endlich!

Endlich? Haben Sie schon genug von dem Thema?
Jetzt reicht es dann schon (lacht). Jetzt wissen wir dann glaube ich schon, wen wir wählen wollen.

Ihre Entscheidung steht also schon fest? Sie wissen, wem Sie Ihre Stimme geben?
Ja! Die stand auch schon – witzigerweise – bei mir vor diesem ewig lang dauernden Wahlkampf fest.

Haben Sie über die Jahre konsequent immer dieselbe Partei wählt?
Nein, nein. Überhaupt nicht.

»Ich bin so ein "Gesicht-Partei-Wähler"«

Eine Wechselwählerin also?
Durchaus. Ich wähle aber nicht nur eine Partei, ich schau mir das Gesicht dazu auch sehr gerne an. Ich bin so ein "Gesicht-Partei-Wähler" (lacht)

Abgesehen vom Gesicht; was macht denn einen guten Politiker, eine gute Politikerin aus?
Dass sie das auch umsetzt, was sie verspricht. Oder es zumindest versucht!

Gibt es solche Exemplare?
Wenige. Aber doch, es gibt sie.

Glauben Sie an eine Neuauflage von Türkis-Blau?
Alles ist möglich. Ich könnte es mir durchaus vorstellen, ja. Aber das werden wir am Sonntag sehen.

Als Mutter gesprochen, was wünschen Sie sich für Ihr Kind?
Dass er es mindestens oder genauso gut hat wie wir. Es herrscht zwar ein wenig Unruhe, insbesondere in den letzten Monaten, aber am Ende des Tages ist es ein super Land mit einer tollen Lebensqualität. Ich bin sehr happy. Mein Kleiner ist jetzt 2. Wenn es so auch bleibt in 20, 30 Jahren, können wir sehr zufrieden sein. Klimaschutz wäre mir sehr wichtig. Dass da etwas getan wird. Es ist an der Zeit. Egal ob die Grünen am Sonntag groß punkten werden oder nicht. Der Klimaschutz muss für alle Parteien ein Topthema sein!

Stichwort Klimaschutz, Stichwort Greta Thunberg. Was halten Sie von ihr?
Sie ist bewundernswert auf ihre Art und Weise. Es ist unglaublich was sie macht, was sie sich traut und auch was sie einsteckt. Sie wirkt für mich aber auch irrsinnig traurig am Ende des Tages...

Es schlägt ihr auch einiges an Hass entgegen...
Das finde ich eine Frechheit! Sie ist halt nun diejenige, die sich positioniert - gemacht gehört da schon längst was! Ob man sie mag oder nicht, das muss wurscht sein, es geht um die Sache.

»Nichtwählen ist feig, fad und faul«

Wie können Sie sich das erklären, dass es so zahlreiche Anfeindungen gibt?
Vielleicht haben es die Leute nicht gern, wenn jemand aufsteht und sagt, was zu tun ist – und schon gar nicht, wenn's ein Mädl macht (lacht) .
Finde ich aber sehr cool von ihr! Sie schafft es einfach auch, viele junge Leute zu motivieren und das ist toll. Vielleicht macht es die nächste Generation in Sachen Klima gescheiter.

Haben Sie noch ein paar Worte an all jene, die überlegen, ob Sie am Sonntag überhaupt wählen gehen sollen?
Bitte wählen gehen! Das ist überhaupt keine Frage! Nichtwählen ist keine Option. Das ist feig, fad und faul! Wenn man dann mit dem Wahlausgang unzufrieden ist, kann man zumindest nörgeln - denn, man hat mitgemischt.

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