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Flüchtlinge: Welche
Investitionen sich lohnen

Experten über Kosten, Integration und einen möglichen Zugang zum Arbeitsmarkt

Flüchtlinge an der slowenisch-österreichischen Grenze © Bild: APA/AFP/RENE GOMOLJ

In der aktuellen Studie "Ökonomische Effekte von Asylberechtigten in Österreich" fordern Experten: Der Arbeitsmarktzugang für Asylwerber soll bewilligt werden. Das würde unter anderem helfen, Kosten zu senken. Dem gegenüber befürchten Skeptiker im Fall einer Arbeitsmarktöffnung eine stärkere Zuwanderung, steigende Arbeitslosigkeit und niedrigere Löhne. Was eine Erleichterung des Arbeitsmarktzuganges tatsächlich bedeuten würde und welche Maßnahmen sich langfristig auszahlen könnten.

"Der Effekt den ein Arbeitsmarktzugang für Asylwerber hätte, ist nicht wahnsinnig groß", sagt Peter Huber vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Er ist Mitautor der Wifo-Studie "Auswirkungen einer Erleichterung des Arbeitsmarktzuganges für Asylsuchende in Österreich" (2015). Darin geht Huber von einer kurzfristigen Erhöhung der Arbeitslosenquote um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte bei einer Zahl von rund 30.000 AsylwerberInnen aus.

Qualität vor Quantität

Natürlich hängt diese Zahl laut Experte auch stark von der Qualifikation der Flüchtlinge ab und bezieht sich auf Zahlen, die vor der Asylwelle 2015 realistisch waren. Nach den meisten Studien hat die Öffnung des Arbeitsmarktes für Flüchtlinge allerdings positive Auswirkungen auf deren Integration. "Politisch gesehen wollte man damals keine höhere Arbeitslosigkeit riskieren", sagt Huber. Der erweiterte Zugang sei eine Möglichkeit, um die Integration von Asylwerbern zu unterstützen. Viel wichtiger ist für ihn jedoch, die Menschen zuerst einmal soweit zu bringen, dass sie am Arbeitsmarkt Fuß fassen können: Langfristig lohnt sich daher eine Investition in Sprachausbildung und Qualifikationen. Denn nur wer die dem Arbeitsmarkt entsprechenden Fähigkeiten hat, wird später Arbeit finden.

»Die irakischen Akademiker, die in Österreich 30 Jahre Taxi gefahren sind, waren unglücklich in ihren Jobs«

In dieselbe Kerbe schlägt Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger von der Universität Wien. Eine rasche Öffnung des Arbeitsmarktes, kann zwar die Nettobeiträge steigern. Schmidinger hält es aber für volkswirtschaftlich klüger, qualifizierte Flüchtlinge mit einer Berufsausbildung in Österreich nachzuschulen und ihnen zu einem späteren Zeitpunkt einen Berufseinstieg in jener Branche zu ermöglichen, für die sie schon Qualifizierungen mitbringen. Es bringe hingegen nichts, sie so schnell wie möglich in einen unterqualifizierten Job zu drängen, an dem sie den Rest ihres Lebens festhalten. "Die irakischen Akademiker, die in Österreich 30 Jahre Taxi gefahren sind, waren unglücklich in ihren Jobs und verschwendeten letztlich ihre Qualifikationen", teilt der Politologe mit.

Investitionen in die Zukunft

Wer Geld ernten will, muss vorher investieren. "Es ist klar, dass für Flüchtlinge zunächst Geld ausgegeben werden muss und das auch mehr Geld ist, wenn es mehr Flüchtlinge sind. Dieses Geld für Asylwerber kommt aber wieder der lokalen Wirtschaft zu Gute", sagt Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger von der Universität Wien. Viele der Grundversorgungsquartiere für AsylwerberInnen würden sich noch dazu in strukturschwachen Regionen befinden, die dringend dieses Geld brauchen.

Im Hinblick auf Asylberechtigte könne man einen Teil dieses Geldes, insbesondere Ausbildungskosten, "als Investitionen in die Zukunft sehen, die sich später rechnen werden." Im Fall von Transferleistungen an Flüchtlinge kommt es laut Politologe deshalb sehr stark darauf an, ob diese nur der Elendsverwaltung dienen oder beispielsweise der Qualifizierung von Flüchtlingen.

Fehlende Daten

Um eine langfristige Strategie oder Studien über Maßnahmen für eine bessere Integration aufstellen zu können, braucht es vor allem eines: Daten über Flüchtlinge. Und genau daran mangelt, wie Peter Huber berichtet. In der Wifo-Studie weist der Experte unter anderem auf die fehlende Datenlage zur Verfahrensdauer hin. Bekannt ist lediglich die durchschnittliche Dauer des Erstverfahrens, jedoch nicht, wie lange Berufungsverfahren dauern und damit wie lange der Asylwerber danach noch im System hängen bleibt. Ebenfalls ein blinder Fleck bleibt, was der Asylwerber an Weiterbildungen, Sprachkursen oder Qualifikationen erwirbt, während das Asylverfahren läuft. Und gerade diese Informationen sind für eine spätere Integration am Arbeitsmarkt essentiell.

Die junge Generation

Viele Flüchtlinge, die nach Europa beziehungsweise Österreich kommen, sind jung und im erwerbsfähigen Alter. Laut der Studie "Ökonomische Effekte von Asylberechtigten in Österreich" von Caritas und Rotem Kreuz liegt das Durchschnittsalter der Asylberechtigten bei 29,0 Jahren.

Vor allem jugendliche und junge Flüchtlinge haben die Chance, sich gut zu integrieren. Zentral ist, dass sie eine entsprechende (Schul-)Bildung erhalten. "Ich kenne Unternehmer, die für ihre Branchen keine Lehrlinge finden, die Lesen, Schreiben und Rechnen können und das durchaus in Berufsfeldern, die ordentlich bezahlt werden", sagt Schmidinger. Es müsse hier besonders darum gehen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Zugang zu Ausbildungsplätzen zu ermöglichen und sie dafür fit zu machen.

Wifo-Experte Huber gibt zu bedenken: Österreicher leben im Durchschnitt bis zum 20. Lebensjahr vom Sozialstaat, dann werden sie zu Nettobeitragszahlern, ab rund 60 Jahren wieder zu Nettobeitragsempfängern. Die Zeitspanne, in der eingezahlt wird, ist also die ausschlaggebende. Junge Flüchtlinge haben laut Experte zumindest den Vorteil, dass sich der Staat den Teil der Bildungskosten erspart, der für in Österreich aufgewachsene Kinder ausgegeben wird.

Flüchtlingen wird durchschnittlich - je nach Herkunftsland - eher ein niedrigeres bis mittleres Ausbildungsniveau bescheinigt. Als ein Hindernis auf dem Weg zur Integration sehen die Experten die Anerkennung von Qualifikationen an. "Gerade bei den Flüchtlingen aus Syrien sind viele Akademiker und Personen mit abgeschlossenen Berufsausbildungen dabei, die hier kaum anerkannt werden", sagt Schmidinger. Seit Jahren werde hier von einer Erleichterung für Nostrifizierungen gesprochen. Trotzdem sei es immer noch schwierig sich einen syrischen oder irakischen Uniabschluss anerkennen zu lassen oder gar ein kriegsbedingt abgebrochenes Studium in Österreich fortzusetzen.

Kommt Zeit, kommt die Abrechnung

Was müsste also passieren damit die Kosten für Flüchtlinge künftig nicht die Steuern, die von Asylberechtigten eingezahlt werden, übersteigen? "Man wird das nie gegenrechnen können", erklärt der Politikwissenschaftler. "Was soll man denn alles einbeziehen in die Steuern, die von Asylberechtigten eingezahlt werden? Die Steuern, die sie ihr Leben lang zahlen? Auch die Steuern derer Kinder?"

Wichtig sei, dass die Leute ehrliche Chancen am Arbeitsmarkt bekommen und für diesen entsprechend fit gemacht werden. Je mehr Qualifikationen des Herkunftslandes dabei einbezogen werden, desto besser. Zusätzlich sei ein Klima am Arbeitsplatz nötig, das möglichst auf rassistische Diskriminierungen verzichtet und Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion Aufstiegsmöglichkeiten bietet. "Nur wer sieht, dass er eine Chance hat, wird bereit sein in diese etwas zu investieren", teilt der Politologe mit.

Das Fazit von Wifo-Experte Huber lautet: Beschäftigung bringt sicher etwas, wobei insbesondere ein Ausbildungszugang für Jugendliche nach der Pflichtschule essentiell ist. Die wirkliche Abrechnung findet dann in 20 Jahren statt. Denn bei allen Sozial- und Transferstudien ist es wesentlich, die Entwicklung über die Lebenszeit zu betrachten.

Kommentare

Oliver-Berg

Knapp 80 % der Flüchtlinge sind junge moslemische Männer mit einem Gesellschafts-, Welt- und Frauenbild, die wir definitiv nicht benötigen sondern nur jahrelang durchfüttern können. Den Druck sich bei uns erfolgreich integrieren zu können, haben nur diejenigen die für eine Familie zu sorgen haben. Denen sollten wir eine Chance geben, den Rest abschieben.

Rigi999 melden

Zuerst haben die "Österreicher einen Job zu bekommen!! Zuerst Ausländische Gastarbeiter hinaus, dann haben wir genug Arbeit für unsere Jugend! Wenn viele lieber von der Stütze leben und nichts tun, dann ist es watscheneinfach: die Stütze mindestens um ein Drittel kürzen, aber dazu sind unsere Politiker viel zu dumm!
Die Flüchtlinge sollen in ihrem Land die Sauereien beenden! Keiner will sie!!!!

space23
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wer in österreich arbeiten will, der soll auch den job bekommen. der feine ösi ist sich meist zu fein, seine fingerchen schmutzig zu machen. jeder der arbeitet, zahlt steuer, punkt. die heutige jugend zeigt zu meist keinen arbeitswillen,..was soll ich als unternehmer mit "owezahrern". und meist ist der böse ausländer ne motivierte arbeitskraft. is leider so.

parteilos melden

Ach redens net rum, der feine Ösi will nur einen normalen Job zu fairen Bedingungen. Und wenn sie gute Arbeiter wollen, dann müssen sie auch mehr bezahlen.


Und natürlich gibt es die Ewigen, keine Frage, aber die hat es immer gegeben.

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500 000 Arbeitslose, was soll sich da rentieren?....Wenn 100 Syrer einen Job in Österreich bekommen, dann bekommen 100 Österreicher den Job nicht.

Daher ist schon aus ökonomischen Gesichtspunkten jegliche Diskussion überflüssig.

steefi melden

Die Rechnung geht sicherlich nicht auf, weil die 100 ÖsterreicherInnen diesen Job nicht wollen, die beziehen lieber Stütze.

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Sie vergessen eines, es gibt auch Integrierte die einen Job suchen und auch arbeiten wollen. Diese werden es dann umso schwerer haben.

space23
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hahahaha. ahhh, die stehlen meinen job oder ahhhh, die wollen nix arbeiten. na wie denn nun?! es gibt genügend jobs, die keiner will, weils ja einfacher ist aufs AMS zu rennen. ich lebe in spanien und wennst hier deinen A ned in die höh bekommst, ghörst da katz. punkt. einfach mal alle sozialleistungen streichen, .... dann gibts wahrscheinlich wirklich zu wenig arbeit

steefi melden

genau, Sie bringen es auf den Punkt.

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